Der Messenger-Dienst WhatsApp erprobt eine neue Sicherheitsfunktion, die Nutzer mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) vor betrügerischen Inhalten schützen soll. Wie aus aktuellen Berichten hervorgeht, wird derzeit ein System für das Betriebssystem Android getestet, bei dem ein lokales KI-Modell verdächtige Texte identifiziert.
Ein wesentliches Merkmal dieser Neuerung ist die lokale Verarbeitung auf dem Smartphone, wodurch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichten unangetastet bleibt.
Lokale Analyse unter Wahrung der Privatsphäre
Die geplante Funktion „Scam Alert“ zielt insbesondere auf die Kommunikation mit unbekannten Kontakten ab. Da die Analyse direkt auf dem Gerät des Nutzers erfolgt, erhält der Anbieter Meta keinen Einblick in die Inhalte der privaten Chats. Nach aktuellen Informationen ist das Sicherheitsfeature in der Testphase standardmäßig deaktiviert und muss von den Anwendern manuell in den Einstellungen aktiviert werden.
Sollte die KI ein verdächtiges Muster in einer Nachricht erkennen, erscheint eine Warnung direkt im Chatverlauf. Der Absender der Nachricht wird über diesen Hinweis nicht informiert.
Während die Nachrichteninhalte privat bleiben, erhält Meta jedoch anonymisierte Telemetriedaten über die Nutzung der Funktion. Derzeit steht das Werkzeug als Beta-Version für Android zur Verfügung; eine Umsetzung für das Betriebssystem iOS soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Erweiterte Sicherheitsvorkehrungen für Nutzerkonten
Neben der KI-gestützten Betrugserkennung weitet WhatsApp seine allgemeinen Sicherheitsfunktionen aus. Dazu gehört die Einführung einer zweistufigen Verifizierung, die künftig ein alphanumerisches Passwort anstelle einer rein numerischen PIN ermöglicht. Zudem soll die Kontosicherung durch die Unterstützung mehrerer Passkeys pro Account flexibler gestaltet werden.
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Für Anrufe von unbekannten Nummern führt der Dienst unter Android zusätzliche kontextbezogene Informationen ein. Nutzer erhalten künftig Hinweise zum Herkunftsland des Anrufers oder zu gemeinsamen Gruppen, um die Seriosität eines Anrufs besser einschätzen zu können.
Regulierungsdruck und wachsende Schadenssummen
Die technischen Neuerungen fallen in eine Zeit verschärfter regulatorischer Anforderungen und steigender Betrugszahlen. In Polen beantragte Vizepremier Gawkowski bei der EU-Kommission eine Geldstrafe in Höhe von 1 Mrd. Złoty (ca. 230 Mio. Euro) gegen den Mutterkonzern Meta.
Grund sei die unzureichende Bekämpfung von betrügerischer Werbung auf den Plattformen des Unternehmens. Ein Test von CERT Polska unterstrich diese Kritik: Von 122 gemeldeten betrügerischen Anzeigen wurden 106 – dies entspricht einer Quote von 86,8 % – nicht durch den Plattformbetreiber entfernt.
Die Notwendigkeit verbesserter Schutzmechanismen belegen zahlreiche aktuelle Kriminalitätsfälle. In Niedersachsen überwies eine 71-jährige Frau nach Kontakten über Messenger-Dienste rund 25.000 Euro an Betrüger.
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Im Werra-Meißner-Kreis verlor ein 91-jähriger Mann mehrere zehntausend Euro an eine Täterin, die über eine Partnerschaftsanzeige Kontakt aufgenommen hatte. Ein weiterer Fall in Eberbach betrifft eine 67-Jährige, die einem angeblichen Geschäftsmann namens Thomas Müller Codes für Wertgutscheine übermittelte.
Behörden warnen vor professionellen Tätern
Polizeibehörden und Institutionen wie die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg warnen derzeit verstärkt vor Phishing-Wellen und Schockanrufen. In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2024 bereits 2.300 Fälle von Trickbetrug registriert, die einen Gesamtschaden von 36 Mio. Euro verursachten. Erst kürzlich konnten in Berlin-Rudow zwei Männer festgenommen werden, die versuchten, einen 91-Jährigen um eine sechsstellige summe zu betrügen.
Experten raten dringend dazu, bei Geldforderungen über Messenger oder Telefon skeptisch zu bleiben und sensible Daten niemals ungeprüft weiterzugeben. Behörden und Finanzämter fordern grundsätzlich keine Kontodaten oder persönlichen Informationen per E-Mail oder SMS an.

