WhatsApp testet eigenen Cloud-Backup-Dienst

WhatsApp erprobt einen internen Cloud-Dienst für Nachrichten-Backups, um unabhängiger von Google und Apple zu werden.

WhatsApp testet einen internen Cloud-Speicher für Nachrichten-Backups.

Bisher verlässt sich der Messenger auf Drittanbieter wie Google Drive und Apple iCloud. Ein eigener Backup-Dienst würde WhatsApp mehr Kontrolle über Sicherheit und Nutzererfahrung geben – und das über alle Betriebssysteme hinweg.

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Eigene Speicher-Infrastruktur mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Der neue Dienst setzt auf maximale Privatsphäre. Die Backups auf WhatsApps internen Servern werden standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Nur der Kontoinhaber selbst kann darauf zugreifen. Zur sicheren Authentifizierung integriert der Messenger Passkey-Unterstützung – also biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.

Das Modell sieht ein abgestuftes Speicher-System vor. Ein kostenloses Basis-Kontingent von 2 GB ist geplant, vermutlich exklusiv für bestimmte App-Versionen. Ein 50-GB-Tarif wird für umgerechnet etwa 0,99 Euro evaluiert. Damit kopiert WhatsApp die Monetarisierungsstrategie großer Cloud-Anbieter – bietet aber eine plattformunabhängige Alternative.

Der zentrale Vorteil: Nutzer könnten künftig nahtlos zwischen Android und iOS wechseln. Bisher ist die Übertragung von Chat-Verläufen zwischen den Systemen kompliziert, weil unterschiedliche Cloud-Backends im Spiel sind. Ein einheitlicher, interner Backup-Dienst würde das Problem lösen.

Neue Funktionen für Kanäle und Reaktionen

Parallel zur Infrastruktur arbeitet WhatsApp an neuen Kommunikations-Tools. In der iOS-Beta (Version 25.37.10.74) können Kanal-Administratoren jetzt bis zu 64 Kontakte direkt per Einladungslink einladen. Eine Vorschau-Funktion erlaubt Empfängern, den Kanal-Inhalt vor dem Beitritt zu prüfen.

Die Android-Beta (Version 2.25.13.23) testet Sticker-basierte Reaktionen auf Nachrichten und Medien. Unterstützt werden offizielle WhatsApp-Sticker, importierte Drittanbieter-Pakete und animierte Lottie-Sticker. Das deutet auf eine interaktivere und visuell vielfältigere Messaging-Umgebung hin.

Außerdem arbeitet WhatsApp an „Chat Bubbles“ für Android. Diese Funktion nutzt das native Android-Benachrichtigungssystem und erlaubt Antworten über schwebende Symbole – ohne die App vollständig öffnen zu müssen. Ähnlich wie die „Chat Heads“ anderer Meta-Plattformen soll das Feature für Android 11 oder neuer optimiert sein.

Ende der Unterstützung für alte Android-Versionen

Wer ein älteres Smartphone nutzt, sollte aufpassen: WhatsApp wird den Support für Android-Versionen älter als Android 6.0 am 8. September 2026 einstellen. Das ist Branchenstandard – alte Betriebssysteme werden ausgemustert, um sich auf moderne APIs und Sicherheitsstandards zu konzentrieren.

Der Trend zu anspruchsvollerer Software zeigt sich auch anderswo: Apple hat Ende April die vierte Beta von iOS 26.5 veröffentlicht, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS zwischen iPhone und Android vorbereitet. Samsung rollt One UI 8.5 mit KI-Funktionen wie intelligentem Anrufscreening aus. WhatsApps Fokus auf interne Backups und „Chat Bubbles“ passt in diesen Branchentrend.

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Monetarisierung in Indien als Vorbild

In Indien mit rund 853 Millionen WhatsApp-Nutzern gibt es bereits neue Gebühren für die Business-Plattform. Seit dem 1. Juli 2025 zahlen Geschäftskunden pro Nachricht für Marketing und Service-Kommunikation. Service-Nachrichten bleiben kostenlos. Diese Einnahmen finanzieren die teure Infrastruktur für die neuen Cloud-Backups.

Strategische Unabhängigkeit von Google und Apple

Der eigene Backup-Dienst ist ein strategischer Schachzug. In Europa zwingt der Digital Markets Act (DMA) große Tech-Konzerne, ihre Systeme für Drittanbieter zu öffnen. Die EU-Kommission erwägt sogar, Google zu zwingen, Android für andere KI-Assistenten zu öffnen – bis zum 27. Juli 2026. Mit eigener Speicher-Infrastruktur macht sich WhatsApp unabhängiger von Plattform-spezifischen Regulierungen.

Gleichzeitig zeigt die Branche eine gegenläufige Bewegung: Während Standards wie RCS-Verschlüsselung auf Interoperabilität setzen, bauen Unternehmen ihre eigenen, geschlossenen Daten-Ökosysteme aus. WhatsApps interner Backup-Dienst ist ein klares Signal in diese Richtung.

Ausblick: Wann kommt der öffentliche Start?

Die Testphase Ende April 2026 deutet auf einen öffentlichen Start Ende 2026 oder Anfang 2027 hin – abhängig von der Stabilität der Verschlüsselungs- und Passkey-Systeme. Nutzer dürfen sich auf weitere Neuerungen bei den Status-Funktionen freuen: neue Layouts für Foto-Collagen, Musik als Sticker und interaktive „Add Yours“-Sticker.

Die Einführung von kostenpflichtigen Speicher-Tarifen könnte eine neue Ära der Monetarisierung einläuten. Sollte sich der 0,99-Euro-Tarif durchsetzen, entstünde eine stetige Einnahmequelle – neben den Business-Nachrichten-Gebühren in Märkten wie Indien. Genug Geld, um die gewaltigen Infrastrukturkosten für Milliarden von Nutzern zu stemmen.