WhatsApp testet neue „Nach dem Lesen“-Funktion für selbstlöschende Nachrichten

WhatsApp führt variable Timer für gelesene Nachrichten ein und reagiert mit KI-Inkognito-Modus auf EU-Vorgaben.

Der Messenger-Dienst führt variable Timer für verschwindende Chats ein – ein Schritt hin zu mehr Privatsphäre.

WhatsApp befindet sich in einer entscheidenden Phase der Weiterentwicklung. Seit heute testet der Meta-Konzern eine Funktion, die Nachrichten automatisch löscht, sobald der Empfänger sie gelesen hat. Die Beta-Phase läuft parallel auf Android und iOS, wie Berichte aus dieser Woche zeigen.

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Variable Timer statt starrer Fristen

Bisher konnten Nutzer nur feste Zeiträume wählen, nach denen Nachrichten verschwanden – unabhängig davon, ob der Empfänger sie überhaupt gesehen hatte. Das ändert sich jetzt grundlegend. Teilnehmer des Tests können zwischen drei Zeitintervallen wählen: fünf Minuten, eine Stunde oder zwölf Stunden nach dem Öffnen der Nachricht.

Doch damit nicht genug: Für den Fall, dass eine Nachricht ungelesen bleibt, gibt es eine Sicherheitsklausel. Nach 24 Stunden verschwindet sie automatisch sowohl vom Server als auch vom Gerät des Empfängers. Das verhindert, dass sensible Inhalte unbegrenzt in ungelesenen Chats verharren.

Branchenbeobachter sehen darin einen klaren Trend: Weg von der dauerhaften Archivierung, hin zu temporärer, flüchtiger Kommunikation. Der „Ephemeral-First“-Ansatz wird zum neuen Standard.

Meta AI bekommt Inkognito-Modus

Doch WhatsApp beschränkt sich nicht auf die Privatsphäre zwischen Menschen. Seit gestern testet der Dienst auch „Inkognito-Chats“ für die hauseigene KI. Die sogenannte „Private Processing“-Technologie isoliert KI-Gespräche von den Hauptservern des Konzerns. Die Inhalte werden weder gespeichert noch für andere Datenverarbeitungen genutzt.

Praktisch bedeutet das: Unterhaltungen mit Meta AI verschwinden automatisch nach Ende der Sitzung. Zusätzlich arbeitet WhatsApp an einer „Side Chat“-Funktion, bei der die KI als zweites Fenster dient – sie liefert Kontext zu laufenden Gesprächen, ohne den Chatfluss zu unterbrechen.

Parallel dazu überarbeitet der Messenger das Medien-Menü. Ab der iOS-Version 26.19.75 sehen Nutzer ein 4×4-Raster mit aktuellen Fotos und Videos. Das erleichtert das Teilen von Medien, ohne den Blick vom Chat zu verlieren.

EU-Zwang: WhatsApp öffnet sich für Konkurrenz-KI

Die neuen Funktionen sind nicht nur Nutzerwünschen geschuldet. Sie sind auch eine Reaktion auf die strengen Vorgaben der Europäischen Union. Konkret geht es um den Digital Markets Act (DMA) der EU-Kommission.

Meta schlägt nun vor, konkurrierenden KI-Chatbots wie OpenAI’s ChatGPT, Anthropic’s Claude und Perplexity einen begrenzten, kostenlosen Zugang zur WhatsApp Business API zu gewähren. Der Haken: Dieses Angebot gilt vorerst nur für einen Monat, während die Verhandlungen mit Brüssel laufen.

Der Hintergrund: Im Januar 2026 hatte Meta bestimmte Integrationen noch blockiert. Im März folgte dann eine Gebühr von rund sechs Cent pro Nachricht für Drittanbieter-KI-Dienste. Das stieß auf scharfe Kritik der EU-Wettbewerbshüter.

Die finanziellen Risiken sind enorm: Bei Verstößen gegen den DMA drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes von Meta. Mit rund zwei Milliarden monatlich aktiven Nutzern weltweit – davon 500 Millionen in Europa – ist die Einhaltung der Regeln für Meta überlebenswichtig.

„Beste Freunde“-Listen für Status-Updates

WhatsApp leiht sich zudem erfolgreiche Funktionen von der Schwesterplattform Instagram. Seit gestern testet der Dienst „Close Friends“-Listen für Status-Updates. Nutzer können Kontakte in mehrere Gruppen einteilen – etwa Familie, Kollegen oder den Sportverein.

Wird ein Status mit einer dieser Listen geteilt, erscheint ein lila Ring als Kennzeichnung für die eingeschränkte Sichtbarkeit. Wichtig: Das System informiert Nutzer nicht, wenn sie hinzugefügt oder entfernt werden. Das schafft soziale Diskretion. Derzeit läuft der Test auf beiden großen mobilen Plattformen.

Der größere Kontext: Apple zieht nach

Die rasche Feature-Entwicklung bei WhatsApp fällt mit wichtigen Updates des wichtigsten Plattform-Anbieters zusammen. Apple veröffentlichte gestern iOS 26.5. Die Version bringt entscheidende Neuerungen für die plattformübergreifende Kommunikation.

Erstmals unterstützt das Update verschlüsseltes RCS (Rich Communication Services) für bestimmte europäische Mobilfunkanbieter. Das schließt die Sicherheitslücke zwischen Android- und iPhone-Nachrichten. Zudem erfüllt iOS 26.5 EU-Vorgaben für einfacheres Bluetooth-Pairing mit Drittanbieter-Geräten und verbesserte Benachrichtigungsweiterleitung an Nicht-Apple-Produkte. Sicherheitslücken in Webkit und Kernel wurden ebenfalls geschlossen.

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Ausblick: KI-gesteuerte Zukunft

Die Entwicklung von WhatsApp und Apple zeigt: Künstliche Intelligenz und Privatsphäre sind die bestimmenden Themen für 2026 und 2027. Während WhatsApp mit den neuen Timern für selbstlöschende Nachrichten seinen Vorsprung im privaten Messaging ausbaut, bereitet sich die gesamte Branche auf einen großen Hardware- und Software-Zyklus vor.

Die WWDC 2026 von Apple, geplant vom 8. bis 12. Juni, wird voraussichtlich die ersten offiziellen Einblicke in die KI-Integrationen von iOS 27 geben. Diese Veranstaltung markiert zugleich die letzte große Keynote unter dem scheidenden CEO Tim Cook. Am 1. September 2026 übernimmt John Ternus die Führung des Konzerns.

Für WhatsApp entscheidet sich in den kommenden Monaten, ob die neuen Privatsphäre-Funktionen und die Einigung mit der EU-Kommission den Weg für mehr operative Freiheit in einem der profitabelsten Märkte ebnen. Eines steht fest: Der Übergang von dauerhaften digitalen Fußabdrücken hin zu temporärer, sicherer Kommunikation ist der definitive Kurs für die nächste Ära des Messengers.