Künftig soll der Countdown für das Löschen einer Nachricht nicht mehr mit dem Senden, sondern erst mit dem Öffnen beginnen. Das berichten Beta-Tester der Plattform, die zu Meta gehört.
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Neue Timer-Steuerung für mehr Privatsphäre
Bislang verschwinden temporäre Nachrichten nach einer festgelegten Zeit ab dem Moment des Versendens. Das neue „After Reading“-System dreht die Logik um: Der Timer startet erst, wenn der Empfänger die Nachricht tatsächlich gelesen hat. In der aktuellen Beta-Version für iOS und Android stehen den Testern verschiedene Zeitfenster zur Verfügung – darunter fünf Minuten, eine Stunde und zwölf Stunden nach dem ersten Öffnen. In einigen Versionen tauchte auch eine Zwei-Stunden-Option auf.
Doch was passiert mit ungelesenen Nachrichten? Auch dafür hat WhatsApp vorgesorgt: Bleibt eine Nachricht innerhalb von 24 Stunden nach Zustellung ungelesen, wird sie automatisch gelöscht. Dieses zweistufige System soll verhindern, dass sich veraltete Inhalte in den Chats ansammeln, während sensible Informationen dennoch kontrolliert verschwinden.
Parallel dazu arbeitet die Plattform an verbesserten Tools zur Speicherverwaltung. Nutzer sollen künftig auch Status-Updates vor Ablauf der üblichen 24-Stunden-Frist manuell löschen können.
Spoiler-Schutz für sensible Inhalte
Ein weiteres Feature befindet sich in der Entwicklung: die sogenannte „Spoiler Messages“-Funktion. Sie erlaubt es, bestimmte Textpassagen hinter einer Unschärfe zu verstecken – etwa Passwörter, Einmalcodes oder Film-Spoiler. Der Empfänger muss auf den unscharfen Bereich tippen, um den Inhalt freizuschalten.
Branchenbeobachter gehen davon aus, dass diese Funktion bald auch für Fotos und Videos verfügbar sein wird. Eine breitere Beta-Phase wird in den kommenden Wochen erwartet.
Nutzernamen statt Telefonnummern
Ebenfalls am 26. Mai wurde ein eingeschränkter Rollout der neuen Nutzernamen-Funktion bekannt. Anstatt die private Telefonnummer preiszugeben, können Anwender künftig einen individuellen Handle zwischen 3 und 35 Zeichen erstellen. Die Regeln: mindestens ein Buchstabe, keine Web-Domain-Endungen wie .com oder .de. Der Dienst bleibt vorerst optional, doch die Einführung von Nutzernamen markiert einen strategischen Wandel hin zu mehr Privatsphäre. Ein breiterer Rollout wird für den Rest des Jahres 2026 erwartet.
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Abhörsichere KI-Gespräche
Am 25. Mai führte WhatsApp zudem einen privaten Modus für die Interaktion mit Meta AI ein. Die Funktion trägt den Namen „Discussions incognito with Meta AI“ und setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Keine Daten aus der Sitzung werden auf Metas Servern gespeichert, der Verlauf wird nach Beendigung des Gesprächs automatisch gelöscht.
Das ist bemerkenswert streng: Konkurrenten wie OpenAI oder Google Gemini speichern vergleichbare Daten derzeit für 30 Tage beziehungsweise 72 Stunden.
Neue Alltagsfunktionen
Darüber hinaus erweitert WhatsApp sein Funktionsportfolio um mehrere praktische Neuerungen:
- Automatische Übersetzung für 20 Sprachen erleichtert die grenzüberschreitende Kommunikation
- Transkription von Sprachnachrichten wandelt Audios in Echtzeit in Text um
- Erweiterte elterliche Kontrolle für Accounts von Kindern zwischen 10 und 12 Jahren
- Plattformübergreifender Chat-Transfer zwischen iOS und Android wird verbessert
Juristischer Gegenwind aus Texas
Doch während Meta technisch aufrüstet, droht juristischer Ärger. Am 21. Mai 2026 reichte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton eine Klage gegen Meta ein. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Nutzer über die Reichweite seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung getäuscht. Die Klage, die am 25. Mai öffentlich wurde, behauptet, Meta könne trotz gegenteiliger Marketingversprechen möglicherweise auf private Nachrichten zugreifen.
Die Klage stützt sich auf den Texas Deceptive Trade Practices Act und fordert dauerhafte Unterlassungsverfügungen sowie empfindliche finanzielle Strafen. Meta wies die Vorwürfe zurück und betonte, die Verschlüsselungsprotokolle seien robust – die Plattform könne private Kommunikation nicht lesen.
Ausblick: Mehr Kontrolle für den Nutzer
Die jüngsten Neuerungen zeichnen ein klares Bild: WhatsApp bewegt sich hin zu einer nutzerzentrierten Privatsphäre. Indem der Verfall von Nachrichten nicht mehr an den Sendezeitpunkt gekoppelt ist, adressiert das Unternehmen ein häufiges Ärgernis: dass Empfänger eine flüchtige Nachricht verpassen, bevor sie abläuft. Die Einführung von Nutzernamen unterstreicht zudem den Trend zu einem handle-basierten Identitätssystem, das die private Telefonnummer schützt.
Wann die Funktionen „After Reading“ und „Spoiler“ öffentlich verfügbar sein werden, ist noch unklar. Ihr Erscheinen in den Beta-Versionen deutet jedoch auf einen breiteren Launch in den kommenden Monaten hin. Metas Strategie, KI mit strengen Datenschutzvorkehrungen zu kombinieren, könnte sich als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen – in einem Markt, der 2026 zunehmend um integrierte Messaging-Assistenten kämpft.

