Die EU-Kommission sieht Meta bei WhatsApp in der Pflicht – und die britische Regulierungsbehörde Ofcom erhöht den Druck. Im Zentrum der Kritik: unzureichende Schutzmaßnahmen für Minderjährige auf der Plattform.
Die Europäische Kommission hat Ende April 2026 eine vorläufige Einschätzung veröffentlicht, wonach Meta gegen den Digital Services Act (DSA) verstößt. Konkret geht es um unzureichende Risikominimierung für jüngere Nutzer. Zeitgleich mit dieser regulatorischen Eskalation hatte Meta erst im März spezielle elternverwaltete Konten für WhatsApp eingeführt – ein Schritt, der die Sicherheitslücken aber offenbar nicht schließen konnte.
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Elternkonten mit strikten Beschränkungen
Seit März 2026 bietet Meta für WhatsApp sogenannte parent-managed accounts an. Sie richten sich an Kinder unter 13 Jahren – eine Altersgruppe, die zuvor offiziell von der Plattform ausgeschlossen war. Das System funktioniert so: Ein Hauptkonto-Inhaber – also ein Elternteil – verknüpft das Gerät des Kindes über eine spezielle Verbindung, die durch eine persönliche PIN gesichert ist.
Die Funktionen sind drastisch eingeschränkt. Kinder können nur mit genehmigten Kontakten chatten und telefonieren. Meta-KI-Tools, Status-Updates, Live-Standortfreigabe und vor allem die öffentlichen Channels sind standardmäßig deaktiviert. Eltern erhalten zudem Echtzeit-Benachrichtigungen, wenn das Kind einen neuen Kontakt hinzufügt oder ein Gruppenmitglied verschwindende Nachrichten aktiviert.
Hintergrund: Jahrelanger Druck von Familien und Sicherheitsorganisationen, die darauf hinwiesen, dass Kinder unter 13 WhatsApp längst massiv nutzten – etwa um mit Verwandten in Kontakt zu bleiben. Meta formalisierte diese Nutzung nun, um zumindest eine kontrollierte Umgebung zu schaffen.
EU-Kommission: „Selbstauskunft reicht nicht“
Doch die neuen Konten ändern wenig an den grundlegenden Problemen. Die EU-Kommission schätzt, dass in der Europäischen Union weiterhin 10 bis 12 Prozent der Kinder unter 13 Jahren Meta-Dienste nutzen – trotz offizieller Altersbeschränkungen. Das Problem: Die Registrierung verlässt sich auf selbst deklarierte Geburtsdaten, die Minderjährige leicht umgehen können.
Die Kommission bezeichnete die bestehenden Altersnachweis-Methoden als unzureichend und schwer anwendbar. Kinder seien so Risiken wie Cybermobbing oder altersunangemessenen Inhalten ausgesetzt. Sollten die vorläufigen Feststellungen bestätigt werden, drohen Meta Strafen von bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes – bei einem Umsatz von über 200 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025 eine gewaltige Summe.
Die Vizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie stellte klar: „Geschäftsbedingungen müssen die Grundlage für konkrete Schutzmaßnahmen sein – nicht nur leere Worte auf dem Papier.“
Ofcom verschärft Gangart
Auch in Großbritannien erhöht die Regulierungsbehörde Ofcom den Druck. Seit Mai 2026 befindet sich die Behörde in einer aktiven Überwachungsphase. Die Protection of Children Codes of Practice, die seit Juli 2025 für die meisten großen Plattformen verpflichtend sind, verlangen strenge Risikobewertungen.
Besonders brisant: WhatsApp hatte das Mindestalter im April 2024 von 16 auf 13 Jahre gesenkt. Ofcom erwartet nun proaktive Maßnahmen, um zu verhindern, dass Minderjährige auf schädliche Inhalte stoßen. Das betrifft vor allem die Channels-Funktion – ein Broadcast-Tool, das sich an unbegrenzt viele Follower richtet.
Anders als private Nachrichten, die durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt sind, unterliegen öffentliche Channels der Moderation durch Administratoren und automatisierte Tools. Regulierer befürchten, dass 13- bis 17-Jährige über Channels Influencern folgen oder an großen Broadcast-Gruppen teilnehmen, deren Inhalte nicht immer den strengen Sicherheitsstandards für Minderjährige entsprechen.
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Vom privaten Messenger zur Social-Media-Plattform
Der Wandel von WhatsApp begann im September 2023 mit dem globalen Start der Channels. Plötzlich konnten Organisationen und öffentliche Personen Updates an eine unbegrenzte Anzahl von Followern senden. Für Unternehmen und Nachrichtenorganisationen ein Gewinn – für die Sicherheit junger Nutzer eine Komplikation.
Organisationen wie Smartphone Free Childhood und der NSPCC kritisieren die Entwicklung scharf. Sie argumentieren, die Altersgrenzsenkung habe Nutzerwachstum und Aktionärsinteressen über das Wohl von Kindern gestellt. Kritiker warnen vor „Rabbit-Hole“-Effekten, bei denen Minderjährigen durch automatisierte Entdeckungstools immer engere oder schädlichere Inhalte ausgespielt werden.
Meta verweist auf Investitionen in „Nudity Protection“-Filter, die Bilder mit Nacktheit automatisch unkenntlich machen und Nutzer unter 18 Jahren auffordern, den Absender zu blockieren oder zu melden. Regulierer halten dagegen: Solche Werkzeuge seien reaktiv und bekämpften nicht die strukturellen Risiken offener Broadcast-Systeme.
Ausblick: Strengere Altersverifikation kommt
Die zweite Jahreshälfte 2026 dürfte einen massiven Schub für robustere Altersverifikationstechnologien bringen. Sowohl die EU-Kommission als auch Ofcom haben klargemacht: Die reine Selbstauskunft des Alters ist kein ausreichender Standard mehr. Künftig könnten Drittanbieter-Tools zur Altersschätzung verpflichtend werden – präzise und nicht-intrusiv.
Meta hat angekündigt, Ende Mai 2026 weitere Sicherheitsmaßnahmen vorzustellen. Das Unternehmen betont, dass die Altersermittlung eine branchenweite Herausforderung sei, die kooperative Lösungen erfordere. Doch mehrere europäische Länder – darunter Spanien und Frankreich – debattieren oder verabschieden bereits Gesetze, die den Zugang zu sozialen Medien für unter 15- oder 16-Jährige weiter einschränken.
Branchenanalysten erwarten, dass viele Messaging-Plattformen bis Herbst 2026 transparente Zusammenfassungen ihrer internen Risikobewertungen veröffentlichen müssen. Diese Transparenz, vorgeschrieben durch den Online Safety Act und den DSA, soll Eltern und Regulierern einen klareren Einblick geben, wie Broadcast-Funktionen wie Channels moderiert werden – und ob sie für die am schnellsten wachsende Nutzergruppe der Plattform überhaupt angemessen sind.

