Der Messaging-Dienst WhatsApp rollt im Juli 2026 umfassende Privatsphäre-Funktionen aus. Nutzer können künftig ihre Telefonnummer vor Fremden verbergen – ein Schritt, der besonders junge Anwender schützen soll.
Die Neuerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussionen um den Schutz Minderjähriger in Großbritannien und der EU an Fahrt gewinnen. Die Aktualisierungen für Android und iOS zielen darauf ab, die Kontrolle über persönliche Daten zu stärken und unerwünschte Kontaktaufnahmen zu unterbinden.
So funktioniert der neue Username
Das Herzstück des Updates ist die Einführung eines Benutzernamens, der die Handynummer des Nutzers gegenüber neuen Kontakten verbirgt. Wer künftig eine Unterhaltung beginnen möchte, benötigt den sogenannten „Username Key“ des Gegenübers. Der gewählte Name kann zwischen drei und 35 Zeichen lang sein.
Bestehende Chats bleiben von der Änderung unberührt – hier bleibt die Telefonnummer weiterhin sichtbar. Der weltweite Rollout soll bis September 2026 abgeschlossen sein.
Für Minderjährige aktiviert Meta die Privatsphäre-Schlüssel standardmäßig. Darüber hinaus gibt es Verbesserungen bei Gruppenchats: Nutzer können künftig individuelle Mitglieder-Tags für bestimmte Rollen vergeben, Text-Sticker in der Suchfunktion verwenden und integrierte Terminerinnerungen mit Frühwarn-Optionen nutzen.
Britische Regierung plant Social-Media-Verbot für Kinder
Die technischen Neuerungen fallen mit weitreichenden gesetzlichen Initiativen zusammen. Die britische Regierung bereitet ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige vor, das im Frühjahr 2027 in Kraft treten soll. WhatsApp ist von diesem Verbot ausgenommen – eine bemerkenswerte Entwicklung, denn erst im April 2024 hatte das Unternehmen das Mindestalter in Großbritannien von 16 auf 13 Jahre gesenkt.
Weitere Vorschläge, die dem britischen Parlament bis Ende 2026 vorgelegt werden sollen, umfassen eine Social-Media-Ausgangssperre für 16- und 17-Jährige zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens. Auch Funktionen wie Autoplay und unendliches Scrollen sollen standardmäßig deaktiviert werden, um Suchtverhalten zu reduzieren.
Während neue Funktionen wie Benutzernamen die Privatsphäre verbessern, bleibt die Sicherheit des gesamten Betriebssystems entscheidend für den Schutz Ihrer Daten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Schritte, mit denen Sie Ihr Android-Smartphone sofort wirksam gegen Hacker und Datenmissbrauch absichern können. 5 Schutzmaßnahmen jetzt entdecken
EU-Experten empfehlen Altersbeschränkungen
Auf europäischer Ebene hat ein Sondergremium für Kindersicherheit im Juli 2026 einen Bericht veröffentlicht, der vorsorgliche Altersbeschränkungen für soziale Medien für unter 13-Jährige in der gesamten EU empfiehlt. Die Experten betonen, dass Plattformbetreiber das Prinzip „Safety by Design“ priorisieren und mehr Verantwortung für die Nutzerumgebungen übernehmen müssen.
Sicherheitsrisiken bleiben bestehen
Trotz der Neuerungen warnen Sicherheitsexperten vor anhaltenden Gefahren in privaten Messaging-Apps. Daten des britischen Kinderschutzverbands NSPCC aus dem Jahr 2024 zeigen, dass 70 Prozent aller Online-Grooming-Fälle und Mobbing-Vorfälle in privaten Chat-Umgebungen stattfinden. Ein Bericht des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2025 ergab zudem, dass 29 Prozent der gemobbten Schüler die Belästigung online erlebten.
Die Bedrohung durch Betrugsmaschen nimmt rasant zu: Im ersten Halbjahr 2026 stieg Quishing (QR-Code-Phishing) um 146 Prozent, Smishing (SMS-Phishing) legte im zweiten Quartal um 162 Prozent zu. In Pakistan identifizierte das Nationale Zentrum für Cyber-Intelligence und Aufklärung die Weitergabe von Einmal-Passwörtern als häufigste Ursache für Account-Hacking.
Neben den neuen WhatsApp-Sicherheitsfeatures ist die Abkehr von klassischen Passwörtern ein wichtiger Meilenstein für Ihren digitalen Identitätsschutz. Ein aktueller Report erklärt, wie Sie Passkeys bei Diensten wie WhatsApp oder Amazon einrichten und Hackerangriffen damit keine Chance mehr lassen. Kostenlosen Passkey-Report hier herunterladen
Sicherheitstipps für Eltern und Nutzer
Um die Risiken zu minimieren, empfehlen Experten folgende Einstellungen:
- Gruppen-Privatsphäre: Die Standardeinstellung „Gruppe hinzufügen“ von „Jeder“ auf „Nur meine Kontakte“ ändern
- Konto-Authentifizierung: Zwei-Faktor-Authentifizierung und Passkeys aktivieren
- Identitätsschutz: Die neue Username-Funktion nutzen, um die Handynummer nicht preiszugeben
- App-Einstellungen: Biometrische Sperren und Wiederherstellungs-E-Mails einrichten
In Singapur plant das Ministerium für digitale Entwicklung und Information für den 25. Juli 2026 eine Fokusgruppe zur weiteren Diskussion kindersicherer digitaler Umgebungen. Hintergrund ist eine Umfrage vom Februar 2025, bei der 81 Prozent der Eltern ihre Besorgnis über unangemessene Inhalte äußerten – aber nur 37 Prozent sich zuversichtlich zeigten, ihre Kinder bei digitalen Gewohnheiten begleiten zu können.

