Die indische Regierung hat die Einführung der Username-Funktion von WhatsApp vorläufig gestoppt. Das Land fürchtet eine Welle von Betrug und Identitätsdiebstahl.
Der Messaging-Dienst WhatsApp, der zum Meta-Konzern gehört, hat auf Anweisung des indischen Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie die Ausrollung seiner neuen Username-Funktion in Indien ausgesetzt. Die Regierung befürchtet, dass die Möglichkeit, Telefonnummern hinter Nutzernamen zu verstecken, zu einer Zunahme von Phishing, Identitätsdiebstahl und anderen betrügerischen Aktivitäten führen könnte.
Neue Frist für Meta
Die indische Regierung gewährte Meta kürzlich eine dreitäge Fristverlängerung bis zum 9. Juli. Bis dahin muss der Konzern detailliert darlegen, welche Sicherheitsmaßnahmen in das Username-System integriert sind. WhatsApp hatte bereits Anfang des Jahres damit begonnen, einigen seiner weltweit drei Milliarden Nutzer die Reservierung von Namen zu ermöglichen. Gegenüber den indischen Behörden hat das Unternehmen jedoch zugesichert, dass keine Einführung im Land erfolgen wird, bevor die offiziellen Konsultationen abgeschlossen sind.
Die regulatorische Prüfung in Indien ist besonders streng – immerhin nutzen mehr als 850 Millionen Menschen die Plattform in der Region. Monatlich werden dort rund zehn Millionen Konten wegen verschiedener Verstöße gesperrt. Das IT-Ministerium soll ähnliche Anordnungen auch an andere verschlüsselte Messaging-Dienste wie Telegram und Signal geschickt haben, während es die Auswirkungen digitaler Identitätsfunktionen auf die Cybersicherheit bewertet.
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So funktioniert die globale Einführung
Meta kündigte die Funktion offiziell am 29. Juni 2026 an. Sie soll die Privatsphäre der Nutzer verbessern, indem sie Kommunikation ohne Preisgabe der persönlichen Telefonnummer ermöglicht. Nutzer können einen eindeutigen Namen mit drei bis 35 Zeichen reservieren – und zwar über den Bereich „Username“ in ihren Kontoeinstellungen.
Um die sofortige Übernahme von Identitäten zu verhindern, hat WhatsApp eine Regel eingeführt: Freigegebene oder geänderte Nutzernamen bleiben 14 Tage lang nicht verfügbar, bevor sie von einem anderen Nutzer beansprucht werden können. Der Reservierungsprozess ist zwar für viele Nutzer bereits im Juli 2026 aktiv geworden, die volle Funktionalität soll aber erst Ende des Jahres weltweit zur Verfügung stehen.
Für zusätzliche Sicherheit führte WhatsApp einen optionalen vierstelligen „Username-Key“ ein. Diese PIN dient als Autorisierungsebene: Neue Kontakte müssen den Code eingeben, bevor sie über den Namen eine Unterhaltung beginnen können.
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Privatsphäre versus Sicherheitsrisiken
Datenschutzaktivisten begrüßen die Neuerung. Sie könnte besonders für Opfer von Belästigung nützlich sein, da diese weiterhin die App nutzen können, ohne ihre primären Kontaktdaten preiszugeben. Cybersicherheitsexperten warnen jedoch vor den Risiken der konkreten Umsetzung.
Meta erlaubt Nutzern derzeit, ihre WhatsApp-Namen über das Accounts Center mit bestehenden Instagram- oder Facebook-Usernamen zu verknüpfen. Experten von Malwarebytes und anderen Sicherheitsfirmen raten davon ab. Ihrer Einschätzung nach ist ein eigener, WhatsApp-spezifischer Name sicherer. Die Verknüpfung von Konten könnte einen umfassenderen Datenaustausch über Metas Plattformen hinweg begünstigen und es Angreifern erleichtern, die verschiedenen Social-Media-Profile eines Nutzers miteinander zu verbinden.
WhatsApp betont, dass mehrere Sicherheitsvorkehrungen bereits vorhanden seien. Dazu gehören die Reservierung prominenter Namen zur Verhinderung von Identitätsdiebstahl sowie der Einsatz automatisierter Algorithmen zur Erkennung betrügerischen Verhaltens. Wann indische Nutzer die Funktion erhalten, bleibt angesichts der laufenden Gespräche mit der Regierung ungewiss.

