Die EU-Kommission stuft den Messenger-Dienst als Very Large Online Platform ein. Grund ist die öffentliche „Channels“-Funktion. Meta muss bis Mitte Mai 2026 strenge Auflagen umsetzen.
Brüssel. Für WhatsApp beginnt eine neue Ära der Regulierung. Die Europäische Kommission hat den zu Meta gehörenden Messenger offiziell als „Sehr große Online-Plattform“ (VLOP) eingestuft. Diese Entscheidung fällt unter dem Digital Services Act (DSA), dem strengsten EU-Gesetz gegen illegale und schädliche Inhalte. Die Frist für die vollständige Umsetzung der Auflagen endet Mitte Mai 2026. Damit untersteht WhatsApp nun der direkten Aufsicht Brüssels – wie bereits Facebook, Instagram und TikTok.
Der entscheidende Unterschied: privat versus öffentlich
Auslöser ist nicht der private Chat, sondern die Funktion „Channels“. Dieser Ein-zu-viele-Dienst ermöglicht es Unternehmen, Marken und Influencern, Nachrichten an ein Massenpublikum zu senden. Da Channels in der EU über 45 Millionen monatliche Nutzer hat, überschreitet sie die kritische Schwelle des DSA.
Die Kommission behandelt WhatsApp daher als „Hybrid-Dienst“. Die privaten, Ende-zu-Ende-verschlüsselten Chats und Anrufe bleiben von den VLOP-Pflichten ausgenommen. Doch der öffentliche Verbreitungskanal „Channels“ fällt voll unter die neuen Regeln. „Die Entscheidung unterstreicht den differenzierten Ansatz der EU“, kommentiert ein Beobachter. „Sie konzentriert sich auf die öffentlichen Teile von Diensten, wo das Risiko der Verbreitung schädlicher Inhalte am größten ist.“
Strenge Pflichten und hohe Strafen drohen
Die Einstufung bringt erhebliche Verpflichtungen mit sich. Meta muss für WhatsApp-Channels umfassende Risikobewertungen durchführen und Maßnahmen gegen systemische Gefahren ergreifen. Dazu gehören die Bekämpfung illegaler Inhalte, der Schutz der Meinungsfreiheit, die Abwehr von Wahlmanipulation und mehr Transparenz.
Unternehmen und Verantwortliche, die für öffentliche Verbreitungskanäle wie WhatsApp-Channels jetzt Risikoanalysen und Schutzmaßnahmen nachweisen müssen, finden praktische Hilfe im kostenlosen DSFA-Leitfaden. Der Download enthält Muster-Vorlagen, Checklisten und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der Sie eine rechtssichere Datenschutz-Folgenabschätzung erstellen und Bußgelder vermeiden können. Jetzt kostenlosen DSFA-Leitfaden herunterladen
Bis Mitte Mai 2026 hat der Konzern Zeit, seine Systeme anzupassen. Die Aufsicht führt die EU-Kommission gemeinsam mit der irischen Medienbehörde Coimisiún na Meán. Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen: bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes von Meta.
Immer mehr Tech-Giganten unter EU-Aufsicht
WhatsApp ist der jüngste Zuwachs auf der wachsenden Liste regulierter VLOPs. Die EU verfolgt eine klare Strategie: Sie will die mächtigsten Digitalkonzerne zu mehr Verantwortung zwingen. Für Meta wird die Lage in Europa immer komplexer. Neben dem inhaltebezogenen DSA muss der Konzern auch die Vorgaben des Digital Markets Act (DMA) für fairen Wettbewerb beachten.
„Diese doppelte Regulierung ist ein anspruchsvoller Balanceakt für Big Tech“, sagt eine Analystin. „Die EU-Gesetzgeber wollen den digitalen Markt entschlossen nach ihren Werten gestalten.“
Hintergrund: Meta unter Druck von mehreren Seiten
Die DSA-Einstufung ist nicht der einzige regulatorische Druck auf Meta. Parallel läuft seit Anfang Februar 2026 eine kartellrechtliche Untersuchung der Kommission. Geprüft wird, ob Meta KI-Assistenten von Drittanbietern auf der WhatsApp-Business-Plattform unfair blockiert.
Für Unternehmen und Creator, die Channels nutzen, bedeutet die neue Einstufung ein klar reguliertes Umfeld. Die kommenden Wochen bis zur Mai-Frist werden zeigen, ob WhatsApp die geforderten Schutzmaßnahmen rechtzeitig implementieren kann. Die EU sendet damit ein deutliches Signal: Plattformen, die den öffentlichen Diskurs mitprägen, müssen künftig stärker für ihre gesellschaftliche Wirkung geradestehen.





