Der jüngste Windows-11-Update-Zyklus sorgt für Verwirrung bei Nutzern – doch was nach einem Bug aussieht, ist Sicherheitsstrategie. Microsoft hat am Donnerstag bestätigt, dass das Verschwinden von benutzerdefinierten Ordner-Icons und -Namen kein technischer Fehler, sondern eine bewusste Schutzmaßnahme ist. Die Änderung soll jahrealte Sicherheitslücken schließen, die mit der Ordner-Anpassung verbunden sind.
Sicherheits-Härtung für Desktop-Konfigurationsdateien
Im Kern geht es um die Verarbeitung von desktop.ini-Dateien. Diese Steuerdateien legen fest, welche Symbole und welches Verhalten ein Ordner im Explorer zeigt. Nach dem Juni-Update blendet Windows 11 solche Anpassungen jedoch aus – und zwar immer dann, wenn der Ordner aus einer nicht vertrauenswürdigen Quelle stammt.
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Betroffen sind Dateien mit dem „Mark of the Web“-Attribut (MOTW) sowie Ordner auf WebDAV-Laufwerken oder nicht vertrauenswürdigen Netzwerkpfaden. Microsoft reagiert damit auf eine Sicherheitslücken-Klasse, die sich seit Windows XP durch das System zieht: Buffer-Overflow-Angriffe über manipulierte Konfigurationsdateien. Die Maßnahme verhindert, dass Schadcode über präparierte Icon-Dateien ausgeführt wird – der Preis: Auch legitime Anpassungen verschwinden, wenn sie nicht in vertrauenswürdigen Verzeichnissen liegen.
Administratoren und Nutzer können die visuellen Anpassungen wiederherstellen, indem sie die Quelle in die Liste der vertrauenswürdigen Sites aufnehmen, bestimmte Group Policy Objects nutzen oder das MOTW-Attribut manuell entfernen.
Juni-Update bringt Leistungssprünge
Die Sicherheitsänderung kam nicht allein. Mit dem kumulativen Update KB5094126, das am 9. Juni für Windows 11 24H2 und 25H2 ausgeliefert wurde, hielt eine Reihe neuer Funktionen Einzug.
Das Highlight: der Low Latency Profile. Über die Energieeinstellungen aktivierbar, optimiert dieses Profil die CPU-Auslastung für zeitkritische Anwendungen wie Audio- und Videobearbeitung. Microsoft verspricht eine Reduzierung von Audio-Jitter um bis zu 30 Prozent – ein Segen für Produzenten und Streamer.
Weitere Neuerungen im Überblick:
* NPU-Überwachung: Der Taskmanager zeigt jetzt die Auslastung von Neural Processing Units pro Prozess an.
* Gemeinsame Audio-Ausgabe: Zwei Bluetooth-LE-Kopfhörer können gleichzeitig von einem Gerät mit Audio versorgt werden.
* Multi-App-Kamerazugriff: Mehrere Anwendungen können parallel auf die Kamera zugreifen.
* Verbesserte Dateisuche: Der Explorer sucht jetzt zuverlässiger nach UTF-8- und CJK-Zeichen (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch).
Installationsprobleme und bekannte Fehler
So nützlich die neuen Funktionen sind – der Weg dorthin ist für manche Nutzer steinig. Microsoft warnte bereits am Dienstag vor Installationsschwierigkeiten. Beim Wechsel von älteren Windows-10- und Windows-11-Versionen auf die 24H2- oder 25H2-Builds treten bei einigen Systemen die Fehlercodes 0x80073712 und 0x800f0993 auf. Als Abhilfe empfiehlt der Konzern den Einsatz von DISM-Befehlen (Deployment Image Servicing and Management) oder eine direkte Inplace-Aktualisierung.
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Auch Windows-10-Nutzer bleiben nicht verschont: Das Update KB5094127 hat auf bestimmten Enterprise-Geräten eine einmalige BitLocker-Wiederherstellungsabfrage ausgelöst. Betroffen sind Systeme mit spezifischen Secure-Boot-Konfigurationen.
Hinzu kommen hardware-spezifische Probleme:
* Abstürze auf AMD Ryzen 8000: Systeme mit älteren Treibern zeigen Systemabstürze.
* Audio-Ausfälle auf Intel SST: Bestimmte Intel-Smart-Sound-Technology-Systeme verlieren zeitweise die Tonausgabe.
Für Unternehmen, die noch Windows 11 23H2 einsetzen, gibt es eine wichtige Frist: Der offizielle Support für die Enterprise- und Education-Editionen endet am 10. November 2026. Ein Umstieg auf die aktuellen Versionen steht damit in den kommenden Monaten an.

