Ab dem 11. Juni 2026 können Besitzer von PCs mit Nvidia RTX 30er-Serie oder neuer die experimentellen KI-APIs von Microsoft nutzen. Das ist eine deutliche Abkehr von der bisherigen Strategie, die solche Funktionen ausschließlich für spezielle Copilot+-PCs vorsah.
Bislang waren lokale KI-Anwendungen auf Geräte mit einer dedizierten Neural Processing Unit (NPU) beschränkt, die mindestens 40 TOPS (Billionen Operationen pro Sekunde) leisten muss. Mit der Öffnung für Nvidia-GPUs erreicht Microsoft nun eine deutlich größere Nutzerbasis. Voraussetzung: mindestens 6 GB Videospeicher (VRAM) und eine RTX 30er-Karte oder neuer.
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Entwickler können damit das lokale Sprachmodell Phi Silica direkt auf dem Rechner der Anwender ausführen. Textzusammenfassungen, Umschreibungen oder die Generierung von Eingabeaufforderungen laufen dann komplett offline. Das bringt zwei entscheidende Vorteile: mehr Datenschutz und weniger Abhängigkeit von Cloud-Diensten.
Exklusive Features bleiben der NPU vorbehalten
Trotz der Öffnung hält Microsoft an gewissen Hardware-Hürden fest. Funktionen wie Windows Recall oder „Click to Do“ bleiben weiterhin Geräten mit dedizierter NPU vorbehalten. Branchenbeobachter sehen den Schritt dennoch als ersten großen Bruch mit der NPU-Exklusivitätsstrategie, die Microsoft mit dem Start der Copilot+-PCs im Juni 2024 eingeführt hatte.
RTX Spark: Nvidia und Microsoft vertiefen Partnerschaft
Parallel dazu gaben beide Unternehmen auf der Computex 2026 und der Microsoft Build 2026 eine erweiterte Zusammenarbeit bekannt. Im Zentrum steht die RTX Spark-Plattform, die auf dem Blackwell GB10 Superchip basiert.
Das System kombiniert eine 20-Kern-Arm-Grace-CPU mit einer Blackwell-GPU, die über 6.144 CUDA-Kerne verfügt und bis zu 1 Petaflop KI-Leistung erreicht. Konfigurierbar sind bis zu 128 GB einheitlicher LPDDR5X-Speicher. Hersteller wie Asus, Dell, HP, Lenovo und MSI wollen ab dem dritten Quartal 2026 entsprechende Windows-Desktops und Laptops auf den Markt bringen.
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Microsoft selbst bringt mit der Surface RTX Spark Dev Box ein eigenes High-End-Gerät. Ab dem vierten Quartal 2026 soll die Workstation für knapp 5.000 Euro erhältlich sein. Die Ausstattung: eine maßgeschneiderte Nvidia-RTX-GPU, eine NPU mit über 50 TOPS, ein Intel Core i9-Prozessor und eine RTX 6000 Ada GPU mit 48 GB VRAM.
Project Solara: Die Zukunft lokaler KI-Agenten
Mit Project Solara stellte Microsoft eine neue Plattformebene vor, die den Einsatz von KI-Agenten direkt auf dem Gerät ermöglicht. Das SolaraSDK unterstützt die Programmiersprachen C#, Python und Rust. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Anfang 2027 geplant, eine Integration in das kommende Windows 12 ist vorgesehen.
Nvidia sorgt parallel für Software-Optimierungen. Das Unternehmen hat Googles DiffusionGemma-Modell mit 25,2 Milliarden Parametern für RTX- und DGX-Systeme optimiert. Das Modell kann bis zu 256 Tokens parallel generieren und erreicht auf DGX-Spark-Systemen über 150 Tokens pro Sekunde – auf DGX-Stations sogar bis zu 2.000 Tokens pro Sekunde.
Enterprise: Datenbanken und Creative-Suite profitieren
Die Partnerschaft erstreckt sich auch auf Unternehmensanwendungen. Nvidia-beschleunigte Berechnungen wurden in den Microsoft Fabric Data Warehouse integriert. Erste Tests zeigen: SQL-Abfragen laufen bis zu sechsmal schneller als auf Standard-CPUs, bei hohen Parallelzugriffen sind sogar siebenfache Geschwindigkeitssteigerungen möglich.
Auch Adobe reagiert: Der Softwarekonzern arbeitet daran, seine Creative Suite – darunter Photoshop und Premiere – für die RTX Spark-Plattform zu optimieren. Ziel ist es, die Geschwindigkeit KI-gestützter Funktionen zu verdoppeln.

