Windows 11: Microsoft plant Performance-Offensive für Juni 2026

Microsoft kündigt Performance-Boost für Windows 11 an, kämpft aber mit Update-Fehlern und kritischen Sicherheitslücken.

Der Software-Riese bereitet ein umfangreiches Update für Windows 11 vor, das langjährige Performance-Probleme beheben soll. Im Zentrum stehen ein neuer Low Latency Profile (LLP) und tiefgreifende Optimierungen des WinUI 3-Frameworks. Doch während Microsoft nach vorne schaut, kämpft das Unternehmen mit Installationsfehlern beim aktuellen Sicherheitsupdate und kritischen Sicherheitslücken.

Schneller reagieren: Der neue Low Latency Profile

Das für Juni 2026 angekündigte Update bringt eine Funktion, die speziell die gefühlte Verzögerung bei Benutzerinteraktionen reduzieren soll. Der Low Latency Profile pumpt die CPU-Taktfrequenz bei bestimmten Aktionen – etwa dem Öffnen des Startmenüs oder der Datei-Explorer-Navigation – für ein bis drei Sekunden auf bis zu 96 Prozent der Maximalleistung hoch. Das Ergebnis: Der Prozessor arbeitet genau dann auf Hochtouren, wenn der Nutzer eine flüssige Reaktion erwartet.

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Interne Tests mit Intel-Core-i5-Prozessoren und nur 4 GB Arbeitsspeicher zeigten deutliche Verbesserungen. Die Optimierungen in WinUI 3 haben zudem die Speicherzuweisungen im Datei-Explorer um 41 Prozent reduziert und die Code-Ausführungsgeschwindigkeit um 25 Prozent gesteigert. Selbst Geräte mit minimaler Hardware sollen sich spürbar flüssiger anfühlen.

Parallel testet Microsoft lang ersehnte Funktionen: In aktuellen Insider-Builds lässt sich die Taskleiste nun an den oberen oder seitlichen Bildschirmrand verschieben. Das Startmenü wird flexibler – Größenanpassungen und das Deaktivieren des „Empfohlen“-Bereichs sind möglich.

Update-Ärger: Fehler 0x800f0922 blockiert Installation

Die Gegenwart trübt den Blick auf die Zukunft: Das Mai-2026-Sicherheitsupdate KB5089549 bereitet vielen Nutzern Probleme. Microsoft bestätigte Installationsfehler mit dem Code 0x800f0922, der typischerweise bei etwa 35 bis 36 Prozent Fortschritt auftritt. Ursache ist offenbar zu wenig freier Speicher auf der EFI-Systempartition (ESP). Liegt dort weniger als 10 MB frei, scheitert das Update.

Für Privatanwender hat Microsoft einen „Known Issue Rollback“ (KIR) aktiviert, Unternehmen erhalten Gruppenrichtlinien-Workarounds. Die Timing könnte kaum ungünstiger sein: Sicherheitsforscher haben zwei ernste Bedrohungen identifiziert.

Der Zero-Day-Exploit „YellowKey“ soll Angreifern mit physischem Zugriff erlauben, die BitLocker-Verschlüsselung in unter fünf Minuten zu umgehen – durch Ausnutzung der Windows-Wiederherstellungsumgebung (WinRE). TPM- und PIN-Schutz werden dabei offenbar ausgehebelt. Ein massives Risiko für gestohlene oder verlorene Geräte.

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Ein zweites Tool namens „MiniPlasma“ nutzt eine Schwachstelle im Treiber cldflt.sys. Obwohl der zugrundeliegende CVE-2020-17103 bereits vor Jahren gepatcht wurde, zeigt der neue Exploit, wie anfänglicher Code-Zugriff – oft durch Phishing erlangt – zur vollständigen Systemkontrolle führen kann.

Sicherheitswende: Microsoft verabschiedet sich von SMS

Microsoft stellt die Zwei-Faktor-Authentifizierung für persönliche Konten um. SMS-basierte Codes werden schrittweise abgeschafft – das Unternehmen sieht darin eine Hauptquelle für Betrug. Stattdessen setzt der Konzern auf biometrische Passkeys über Windows Hello und die Microsoft Authenticator-App. Einziger Wermutstropfen: Passkeys funktionieren in virtuellen Maschinen derzeit nicht.

Preisschock für Unternehmen zum 1. Juli

Ab dem 1. Juli 2026 werden die Microsoft-365-Lizenzen teurer. Der M365 E3-Plan steigt von 36 auf 39 Euro pro Nutzer, der E5-Plan von 57 auf 60 Euro. Kleinere Business-Tarife legen um bis zu 16,7 Prozent zu. Analysten rechnen für manche Unternehmen mit einem effektiven Kostenanstieg von fast 20 Prozent – erst im November 2025 hatte Microsoft die Mengenrabatte gestrichen.

Zum Ausgleich packt der Konzern zusätzliche Sicherheits- und Produktivitätsfunktionen in die teuren Abos. Der E5-Tarif erhält erweiterte Data-Governance-Tools und den „Security Copilot“, E3-Kunden bekommen Defender für Office 365 Plan 1. Zudem testet Microsoft eine neue KI-Erfahrung namens „Frontier“ – mit tieferen Recherche-Fähigkeiten und strukturierteren Präsentationslayouts als der Standard-Copilot.

Entscheidender Juni für das Windows-Ökosystem

Der kommende Patch-Day im Juni wird zum Stresstest. Neben dem Performance-Boost durch den Low Latency Profile läuft eine entscheidende Frist ab: Sicherheits-Boot-Zertifikate aus dem Jahr 2011 verlieren ihre Gültigkeit. Microsoft hat in aktuellen Updates automatisierte PowerShell-Skripte integriert, um IT-Administratoren den Austausch dieser 15 Jahre alten Schlüssel zu erleichtern.

Die Finanzmärkte bleiben trotz der Update-Probleme optimistisch. Institute wie TD Cowen bestätigen ihre Kaufempfehlung für Microsoft – mit Verweis auf starke Wachstumsraten bei Azure und den Copilot-Integrationen. Ob der Juni-Rollout gelingt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob Microsoft die Partitionsfehler des Mai-Updates in den Griff bekommt.

Für Anwender und IT-Abteilungen heißt es: Vorbereiten auf ein schnelleres, aber auch komplexeres Betriebssystem. Die Balance zwischen Geschwindigkeit und Sicherheit der Treiber-Architektur bleibt die zentrale Herausforderung.