Microsoft hat am 3. November 2026 im hauseigenen Windows Experience Blog weitreichende Anpassungen angekündigt, die das Betriebssystem Windows 11 auf Rechnern mit 8GB RAM spürbar beschleunigen sollen.
Laut einem Beitrag von Pavan Davuluri, Executive Vice President für Windows und Devices, soll das System auf solchen Geräten um bis zu 20 Prozent reaktionsschneller agieren. Beim Multitasking stellt der Konzern sogar Geschwindigkeitszuwächse von bis zu 40 Prozent in Aussicht.
Telemetriedaten und Labormessungen als Grundlage
Die angegebene Steigerung der Reaktionsfähigkeit um 20 Prozent stützt sich laut Berichten auf Telemetriedaten im Vergleich zu einem Build vom Januar 2026. Dieser Vergleich beruhe auf Build 26300.9550 gegenüber Build 26200.7628 und betreffe alltägliche Funktionen wie den Start, die Windows-Suche, die Einstellungen, den Datei-Explorer, das Rechtsklick-Kontextmenü sowie das Snipping Tool.
Die Multitasking-Steigerung um 40 Prozent beruhe hingegen auf einem Vergleich zwischen Build 26200.7623 und Build 26200.9445. Microsoft habe diesen Wert in einem einzelnen Labortest auf einem HP OmniBook 3 mit Snapdragon X Plus und 8GB RAM ermittelt.
Bei diesem Test liefen 20 Edge-Tabs, ein 4K-Video, große Word-, PowerPoint- und Excel-Dateien sowie Outlook und der Datei-Explorer parallel. Das Unternehmen stufte dieses Ergebnis ausdrücklich nicht als allgemein vergleichbaren Leistungstest ein.
Speicherkompression und gezieltes Ressourcenmanagement
Um den Arbeitsspeicher zu entlasten, setzt Microsoft auf eine Speicherkompression, die seit Juli schrittweise ausgerollt wird. Diese Technik hält bis zu 2GB mehr aktive Daten direkt im RAM, anstatt sie auf SSDs oder Festplatten auszulagern.
Gleichzeitig sinkt das Wachstum des zugesicherten Speichers (Committed Memory) um bis zu 900MB. Davon entfallen rund 360MB auf die Office-Anwendungen Word, Excel, PowerPoint und Outlook sowie circa 200MB auf die Widgets.
Auf Rechnern mit 8GB RAM werden Widgets künftig erst beim eigentlichen Öffnen geladen, was rund 200MB spart. Zudem versetzt der Browser Edge ungenutzte Tabs auf solchen Systemen bereits nach 15 Minuten statt nach zwei Stunden in den Ruhezustand. Der Browser ab Version 150 starte dadurch bis zu 33 Prozent schneller, während Teams Zuwächse von bis zu 20 Prozent verzeichne.
Auf 8GB-Geräten ist der Effizienzmodus von Teams standardmäßig aktiviert. Als künftige Schritte plant Microsoft zudem eine gemeinsame Web-Engine für die Suche und Widgets sowie für OneDrive und die Fotos-App. Ebenso sollen WinUI-3-Anwendungen wie Notepad, Paint und der Datei-Explorer weiter optimiert werden.
Voraussetzungen und unabhängige Messwerte
Die Nutzung der Neuerungen setzt Windows 11 26H2 ab Build 26300.9818 voraus, das über das optionale Update KB5127936 vom 28. Oktober 2026 bereitgestellt wird.
Unabhängige Messungen des Fachportals Windows Central bestätigen Einsparungen. Auf einem Rechner mit 8GB RAM belegte Windows 11 26H2 im Leerlauf rund 4,1GB RAM gegenüber 5,3GB unter Version 25H2. Unter Last sank der Bedarf um etwa 0,4GB, während der zugesicherte Speicher von 15,2GB auf 10,4GB zurückging.
Bei Tests auf einem Acer Swift Air 14 mit Intel Core 5 320 und 8GB LPDDR5x zeigte sich ein Leerlaufverbrauch von 4,1GB (26H2) gegenüber 5,3GB (25H2). Bei moderater Last lag der Speicherbedarf bei 6,6GB statt 7,0GB und bei schwerer Last bei 6,8GB statt 7,3GB. Der zugesicherte Speicher bei schwerer Last reduzierte sich dabei von 14,7GB auf 9,8GB.
Gestiegene Hardwarekosten als Hintergrund
Hintergrund der Softwareanpassungen ist eine anhaltende Speicherknappheit, die zu stark gestiegenen RAM-Preisen geführt hat. Laut Daten von PCPartPicker verteuerten sich Kits mit 32GB (DDR-6000, 2x16GB) von rund 100 US-Dollar auf Werte ab etwa 500 US-Dollar. Das Marktforschungsunternehmen Gartner warnt davor, dass das Segment für PCs unter 500 US-Dollar bis zum Jahr 2028 gänzlich verschwinden könnte.
Microsoft hält 8GB RAM für die Mehrheit der alltäglichen Aufgaben weiterhin für ausreichend. Ein modernes 8GB-Gerät arbeite in Alltagsszenarien wie Web-Browsing, KI-Aufgaben im Browser oder dem Export von 4K-Videos heute auf einem ähnlichen Leistungsniveau wie ein 16GB-PC im Jahr 2021. Dennoch betont der Softwarekonzern, dass Rechner mit 16GB oder 32GB RAM weiterhin leistungsfähiger bleiben und für anspruchsvolle Arbeitslasten wie 3D-Modellierung und Videoschnitt mindestens 16GB RAM empfohlen werden.
Auch Hersteller passen ihr Angebot an: Bei Samsung ist das Galaxy Book 6 ab 799 US-Dollar mit Intel Core 5, 256GB Speicher und einem 14-Zoll-IPS-Display aktuell das einzige Modell mit 8GB RAM. Teurere Modellvarianten beginnen ab 16GB RAM, sollen aber ebenfalls von den Systemoptimierungen profitieren.
Mehr zum Thema bei t-online: „Windows 11 mit 8 GB RAM und weniger: Multitasking soll schneller werden“

