Microsoft hat eine umfassende Aktualisierungswelle für Windows 11 gestartet. Im Zentrum stehen tiefgreifende Leistungsoptimierungen und erweiterte Anpassungsmöglichkeiten.
Der Technologiekonzern veröffentlichte am Dienstag und Mittwoch dieser Woche eine Reihe von Preview-Builds und optionalen Updates. Diese zielen darauf ab, die Reaktionsfähigkeit des Betriebssystems zu verbessern und den Weg für eine stärker KI-integrierte Zukunft zu ebnen. Die Updates – vor allem KB5089573 für die Versionen 24H2 und 25H2 sowie KB5089570 für den 26H1-Entwicklungszyklus – führen ein sogenanntes „Low Latency Profile“ und neue Steuerungsmöglichkeiten für Startmenü und Taskleiste ein.
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Hintergrund ist die strategische Initiative „Project K2“. Damit will Microsoft Systemverzögerungen minimieren und die Effizienz moderner Hardware maximieren – insbesondere bei Geräten mit Neural Processing Units (NPUs). Die Updates sind derzeit optional, geben aber einen Ausblick auf die stabile Version von Windows 11 25H2, die Branchenbeobachter für Herbst 2026 erwarten.
Project K2: Bis zu 70 Prozent schnellere Menüs
Im Kern der Neuerungen steht ein massiver Leistungsschub. Microsoft setzt auf ein „Low Latency Profile“, das durch aggressives CPU-Frequenzmanagement Benutzerinteraktionen priorisiert. Interne Tests und Preview-Versionen zeigen beeindruckende Ergebnisse: Systemmenüs sollen bis zu 70 Prozent schneller reagieren, die Startgeschwindigkeit von Apps um rund 40 Prozent gestiegen sein.
Besonders Spieler profitieren von der neuen Technologie „Advanced Shader Delivery“ (ASD). Die Funktion, die sich derzeit in der öffentlichen Vorschauphase befindet, verkürzt Ladezeiten in rechenintensiven Anwendungen drastisch. Tests auf Systemen mit AMD RDNA-3, 3.5 oder 4 Architekturen belegen dies eindrucksvoll:
- „Forza Horizon 6“: Ladezeit von 48 Sekunden auf nur 2 Sekunden reduziert
- „The Outer Worlds 2“: Wartezeit von fast drei Minuten auf rund neun Sekunden gesunken
Auch die allgemeine Shell-Erfahrung – Startmenü, Windows-Suche und Action Center – wurde optimiert. Animationen laufen flüssiger, Kontextmenüs erscheinen nahezu verzögerungsfrei. Microsoft reagiert damit auf langjährige Nutzerkritik an der gefühlten Trägheit der Windows-11-Oberfläche.
Startmenü im Umbau: Mehr Freiheit, aber auch Probleme
Das Startmenü, Herzstück der Windows-Bedienung, erhält ein umfassendes Update. In den aktuellen Builds (etwa 26200.8524) testet Microsoft die Möglichkeit, einzelne Bereiche des Startmenüs hinzuzufügen oder zu entfernen. Dies folgt auf zahlreiche Nutzerwünsche nach mehr Kontrolle über das Layout.
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Doch der Vorstoß sorgt für gemischte Reaktionen. Einige Tester berichten von spürbaren Einbußen bei der Reaktionsfähigkeit im neuen Startmenü-Layout. Microsoft prüft nun das Verhältnis zwischen neuen Funktionen und den Performance-Zielen von Project K2.
Weitere Verbesserungen im Überblick:
- Schnellere Suche: Windows Search liefert bereits nach zwei eingegebenen Zeichen Ergebnisse
- Benutzerordner: Bei der Installation können jetzt eigene Ordnernamen vergeben werden
- Shared Audio: Zwei Kopfhörer gleichzeitig nutzbar über Bluetooth LE
- Multi-App-Kamera: Verbesserte Unterstützung für Kameranutzung über mehrere Anwendungen hinweg
- Screen Tint: Neue Barrierefreiheitsfunktion zur Anpassung der Farbtemperatur
- Magnifier und Narrator: Verbesserte Stabilität bei Bildschirmvergrößerung und Sprachausgabe
KI direkt auf dem Gerät: Phi Silica und Copilot+
Microsofts übergeordnete Strategie zielt darauf ab, Windows 11 bis Mitte 2026 als „intelligente Leinwand“ zu positionieren. Am Dienstag veröffentlichte der Konzern KB5096573, das die KI-Komponente Phi Silica (Version 1.2604.515.0) für Qualcomm-basierte Copilot+-PCs bereitstellt. Anders als Cloud-Lösungen läuft Phi Silica als lokales Small Language Model direkt auf dem Gerät – für Textverständnis, Zusammenfassungen und Umschreibungen.
Der Task-Manager wurde um eine NPU-Überwachung erweitert. Nutzer und Administratoren können die Auslastung des KI-Chips in Echtzeit verfolgen – ähnlich wie bei CPU und GPU.
Microsoft testet zudem fortschrittliche KI-Tools wie „Webwright“. Dieses erreichte im Odysseys-Benchmark mit GPT-5.4 eine Erfolgsquote von 60,1 Prozent. Die Kosten pro Aufgabe liegen bei etwa 2,20 Euro. Diese Funktionen richten sich zunächst an „Frontier Firms“ und Nutzer von Copilot+-Hardware.
In Zukunft soll die klassische Taskleisten-Suche durch ein „Ask Copilot“-Interface ersetzt werden. „Click to Do“ wiederum kann Daten aus PDFs und Bildern direkt in Excel-Tabellen extrahieren – ebenfalls über die lokale NPU.
Sicherheit und Stabilität im Blick
Neben neuen Funktionen adressiert Microsoft auch kritische Infrastruktur- und Sicherheitsthemen. Secure-Boot-Zertifikate aus dem Jahr 2011 laufen im Juni 2026 aus – die aktuellen Preview-Builds enthalten daher notwendige Aktualisierungen für das Secure-Boot-Management. Der Datei-Explorer erhielt Stabilitätspatches, die Abstürze reduzieren, die Suchindizierung beschleunigen und die Zuverlässigkeit von Netzwerkfreigaben über das SMB-Protokoll verbessern.
Die Verteilung folgt dem „Week D“-Preview-Zyklus. Das optionale Update KB5089573 wird voraussichtlich in den Juni-2026-„Patch Tuesday“ einfließen und damit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.
Für Early Adopter stehen die 26H1-Builds (etwa Build 28000.2179) bereit. Sie repräsentieren die nächste Entwicklungsstufe, in der viele experimentelle KI- und Anpassungsfunktionen verfeinert werden. Die stabile Version von 25H2 wird für September bis Oktober 2026 erwartet.
Ausblick: Windows 11 als Plattform für Geschwindigkeit und lokale KI
Microsoft positioniert Windows 11 zunehmend als Plattform, die durch Schnelligkeit und lokale KI-Fähigkeiten überzeugt. Der Wechsel von Cloud-basierten Diensten zu NPU-gesteuerten lokalen Modellen wie Phi Silica verspricht mehr Privatsphäre und geringere Latenzen bei KI-Aufgaben.
Gleichzeitig zeigt der Fokus auf „Project K2“, dass Microsoft auf die Forderungen der Nutzer nach einem schlankeren, reaktionsschnelleren Betriebssystem hört. Indem der Konzern Kernleistung der Oberfläche und hochkarätige KI-Features parallel vorantreibt, will er die Relevanz von Windows 11 in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld sichern. Die kommenden Monate werden entscheidend sein: Microsoft muss das Feedback zu den experimentellen Startmenü-Layouts aufnehmen und sicherstellen, dass sich die Leistungsgewinne aus den Preview-Builds auf die breite Nutzerbasis übertragen lassen.

