Windows 11: Teure Prozessoren und Speicher bremsen den weltweiten Umstieg

Steigende Speicher- und Prozessorkosten drücken PC-Auslieferungen und Microsofts Windows-OEM-Umsatz; Analysten erwarten vorerst keine Entspannung.

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Der weltweite Wechsel auf das Betriebssystem Windows 11 gerät nach Einschätzung von Marktbeobachtern ins Stocken. Ursache für die Verzögerungen bei der Systemmigration sind vor allem stark gestiegene Kosten für Prozessoren und Speicherkomponenten. Branchenanalysten rechnen erst für die Jahre 2028 oder 2029 mit einer spürbaren Entspannung der Marktlage.

Obwohl der reguläre Support für den Vorgänger Windows 10 bereits seit einem Jahr beendet ist, zögern viele Anwender und Unternehmen bei der Hardware-Neuanschaffung.

Laut Daten des Analysedienstes StatCounter lief Windows 10 im September 2026 weiterhin auf 27,7 Prozent der weltweiten Windows-Rechner, nachdem der Wert im Februar 2026 bei 26,45 Prozent gelegen hatte. Windows 11 erreichte im September 2026 einen Anteil von 71,5 Prozent, nach 72,57 Prozent im Februar 2026 und rund 50 Prozent im Oktober 2025.

Einbruch bei PC-Auslieferungen und Komponentenkrise

Die Zurückhaltung der Kunden schlägt sich deutlich in den Marktdaten nieder. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IDC sanken die weltweiten PC-Auslieferungen im dritten Kalenderquartal 2026 um 20,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 62,7 Millionen Einheiten, was einem Rückgang um 15,8 Millionen Geräten entspricht.

Zahlen von Counterpoint zeichnen ein ähnliches Bild: Nach einem Plus von 3,2 Prozent im ersten Quartal 2026 fielen die Auslieferungen im zweiten Quartal um 4 Prozent und brachen im dritten Quartal um 21 Prozent ein. Für das vierte Quartal 2026 prognostiziert Counterpoint ein Minus von 27 Prozent im Vorjahresvergleich.

Verantwortlich für die Preissteigerungen bei Endgeräten ist primär die Situation auf dem Halbleitermarkt. Laut dem Marktforschungsinstitut Omdia sind die höheren Bauteilkosten inzwischen vollständig bei den Endkundenpreisen angekommen.

Ein zentraler Treiber ist die Fertigung: Speicherhersteller räumen HBM-Modulen für Rechenzentren im Bereich der künstlichen Intelligenz Vorrang vor herkömmlichem DRAM ein. Nach Omdia-Angaben machten DRAM und SSDs früher rund 15 Prozent der PC-Komponentenkosten aus, mittlerweile liegt dieser Anteil bei fast 40 Prozent.

Das Marktforschungsunternehmen TrendForce verzeichnete bei den DRAM-Vertragspreisen im vierten Quartal einen Anstieg um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal und sieht ein potenziell sinkendes PC-Angebot für das Jahr 2027 voraus.

Auch die Hardwarehersteller spüren die Belastung. David Kennedy, Finanzchef von Dell, verwies auf stark komprimierte IT-Budgets und hielt fest, dass über 400 Millionen Rechner bei Kunden älter als vier Jahre und damit ungeeignet für KI-Anwendungen seien.

Lip-Bu Tan, Vorstandsvorsitzender von Intel, sieht keine nachhaltige Markterholung, solange sich das Speicherangebot nicht verbessert und die Preise nicht normalisieren.

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AMD wiederum stellt sich infolge der teuren Komponenten auf einen weltweiten Absatzrückgang bei Personal Computern im zweistelligen Prozentbereich für 2027 ein. Analysten erwarten für 2027 keine Preisstabilisierung, während das Analysehaus Hyperframe sogar Engpässe bis 2029 für möglich hält.

Belastung für Microsofts OEM-Geschäft

Die Entwicklung trifft auch Microsofts Kerngeschäft. Wie Finanzchefin Amy Hood darlegte, brach der Windows-Umsatz mit PC-Herstellern im jüngsten Quartal um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 30. September endete, sank der Umsatz der Sparte Windows OEM and Devices um 22 Prozent auf 3,55 Milliarden US-Dollar.

Für das zweite Quartal warnte Hood vor einem weiteren Minus von rund 30 Prozent. Im Gegensatz dazu legte der Gesamtumsatz des Konzerns im Quartal bis September laut Bilanz vom 28. Oktober um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden US-Dollar zu.

Auf dem Canalys Forum in Barcelona regte Mark Linton, Vice President Windows Device Sales bei Microsoft, an, PC-Beschaffungen künftig aus Budgets für künstliche Intelligenz statt aus reinen Erneuerungstöpfen zu finanzieren. Kleinere KI-Modelle sollten lokal auf Rechnern laufen, da Frontier-Modelle hohe Kosten verursachten.

Parallel versucht Microsoft, Hardwareanforderungen softwareseitig abzufedern, da das Unternehmen die Komponentenpreise nicht direkt beeinflussen kann. Das Label Copilot+ PC stellte Microsoft im September 2026 ein.

Durch Software-Optimierungen soll Windows 11 auf Systemen mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher um bis zu 20 Prozent schneller reagieren als mit dem Stand vom Januar 2026. Neue Kompressionstechniken vergrößern den effektiven Arbeitsspeicher virtuell um bis zu 2 Gigabyte und reduzieren den Bedarf zentraler Anwendungen um bis zu 900 Megabyte.

Am Markt werden entsprechende Einstiegsmodelle bereits angeboten: Dell führt das XPS 13 mit 256 Gigabyte Speicher ab 699,99 US-Dollar, mit einem Rabattpreis von 599,99 US-Dollar für Studenten.

HP bietet das OmniBook 5 14 für 599,99 US-Dollar an, während das Swift Air 14 von Acer mit 512 Gigabyte für 699,99 US-Dollar gelistet ist. Für anspruchsvollere Aufgaben werden jedoch weiterhin Konfigurationen ab 16 Gigabyte empfohlen.

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Streit um Altgeräte und Support

Die strikten Systemvoraussetzungen von Windows 11 – darunter TPM 2.0 sowie mindestens 4 Gigabyte Arbeitsspeicher – schließen laut der Reparaturplattform iFixit bis zu 400 Millionen funktionstüchtige Geräte aus.

Für Windows 10 endeten die kostenlosen Sicherheitsupdates regulär am 14. Oktober 2025. Für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum stellt Microsoft bei regelmäßiger Anmeldung mit einem Microsoft-Konto ein zusätzliches Jahr kostenlose Updates bereit; Windows 10 IoT LTSC wird zudem bis 2032 gepflegt.

Angesichts der anhaltenden Bauteilkrise fordern Verbraucherschützer und Organisationen wie iFixit jedoch weiterhin eine generelle Verlängerung des Supports, um Elektroschrott zu vermeiden, oder verweisen Betroffene auf alternative Betriebssysteme wie Linux.