Microsofts Umsatz wächst dank Cloud und Software – doch der PC-Markt zeigt ein geteiltes Bild. Der Zwang zum Windows-10-Abschied beflügelt die Nachfrage nach Windows 11 stärker als jede KI-Innovation.
Der Countdown läuft: Am 14. Oktober 2025 endete der offizielle Support für Windows 10 – und genau dieser Druck treibt den Umstieg auf Windows 11 inzwischen stärker an als alle neuen KI-Funktionen. Microsofts Geschäftszahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 zeigen ein differenziertes Bild: Während Software-Übergänge für ordentliches Wachstum sorgen, kämpft das Hardware-Geschäft weiter mit Gegenwind.
Cloud-Geschäft glänzt, PC-Verkäufe schwächeln
Mit rund 90 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Plus von 18 Prozent kann Microsoft auf ein starkes Quartal zurückblicken. Besonders die Azure-Cloud legte mit 43 Prozent Wachstum ordentlich zu. Auch Microsoft 365 entwickelt sich prächtig: Über 30 Millionen zahlende Copilot-Lizenzen zählt der Konzern inzwischen.
Doch im klassischen PC-Geschäft läuft es alles andere als rund. Die Erlöse mit Windows-Lizenzen für PC-Hersteller sanken um fünf Prozent, gemeinsam mit den Geräteverkäufen sogar um sieben Prozent. Microsoft führt dies auf das starke Vorjahresquartal zurück, das noch von der ersten Welle der Windows-10-Abwanderung profitiert hatte. Branchenbeobachter sehen den aktuellen Umstieg weniger von KI-PCs getrieben als von der schlichten Notwendigkeit, ein unterstütztes Betriebssystem zu nutzen. Dell etwa hatte seine KI-PC-Kampagnen auf großen Branchenmessen Anfang 2026 deutlich heruntergefahren.
Verlängerte Unterstützung für zögerliche Nutzer
Microsoft hat den endgültigen Ruhestand von Windows 10 mehrfach nach hinten verschoben. Über das Programm „Extended Security Updates“ (ESU) erhalten Nutzer noch bis Oktober 2027 Sicherheitsupdates, einzelne Spezialpfade sogar bis 2028 und darüber hinaus. Für Privatkunden außerhalb der EU kostet die einjährige Verlängerung 30 US-Dollar für bis zu zehn Geräte – EU-Bürger bekommen die Updates kostenlos.
Die Notwendigkeit dieser Verlängerung zeigt sich in den Bestandszahlen der Hersteller. HPs Finanzchef bezifferte den Anteil der noch aktiven Windows-10-Geräte im eigenen Bestand zuletzt auf rund 30 Prozent. Marktdaten bestätigen den Wandel: Innerhalb eines Jahres fiel der Windows-10-Anteil von 53 auf unter 30 Prozent. Bei den Spielern läuft der Wechsel schneller – eine Steam-Umfrage vom Dezember 2025 verortete Windows 11 bei 70,83 Prozent, Windows 10 kam nur noch auf 26,70 Prozent.
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Rekord-Patchday und neue Entwickler-Werkzeuge
Parallel zur Umstellung arbeitet Microsoft weiter an der technischen Basis. Im Juli 2026 veröffentlichte der Konzern das umfangreichste Patch-Tuesday-Update seiner Geschichte: 570 Schwachstellen wurden geschlossen, darunter drei Zero-Day-Lücken in BitLocker, Active Directory Federation Services (ADFS) und SharePoint.
Zudem erschien das Windows App SDK 2.2 mit KI-gestützter Video-Hochskalierung und neuen Speicher-APIs, die bis Windows 10 Version 1809 abwärtskompatibel sind. Konzernchef Satya Nadella kündigte außerdem ein großes Qualitätsupdate für Windows 11 an, das die Systemleistung grundlegend verbessern soll. Ganz reibungslos läuft der Betrieb aber nicht: Einige Dell-PCs mit aktuellen Windows-11-Versionen sollen wegen USB-C-Treiberproblemen vorübergehend keine Updates erhalten haben.
E-Waste-Proteste und Googles Konter
Der erzwungene Umstieg hat längst eine ökologische und politische Dimension erreicht. Ende Juli 2026 protestierten Aktivisten in Philadelphia mit einem „Elektroschrott-Friedhof“ gegen die drohende Entsorgung von Millionen funktionsfähiger PCs, die die Windows-11-Hardwareanforderungen nicht erfüllen. Sie fordern unter anderem ein Recht auf Reparatur – etwa durch Pennsylvanias Gesetzentwurf HB 1512, der Ende 2025 das Repräsentantenhaus passierte, im Senat aber festhängt.
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Google wittert derweil seine Chance: Für die Hunderte Millionen Nutzer, deren Hardware für Windows 11 zu alt ist, bewirbt der Konzern sein Betriebssystem ChromeOS Flex. Zusammen mit dem Refurbishment-Anbieter Back Market bietet Google ein USB-Installationskit für drei US-Dollar an, um alte Windows-10-Rechner in ChromeOS-Geräte zu verwandeln. Weltweit könnten so rund 500 Millionen Geräte vor dem Elektroschrott gerettet werden.

