Windows und Edge: Bericht dokumentiert zehn Hürden für Browser-Wechsel

Eine Untersuchung beschreibt, wie Windows-Funktionen den Wechsel zu anderen Browsern erschweren; in Europa gelten abweichende Regeln.

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Die Browser Choice Alliance hat einen 46-seitigen Bericht des Verhaltensforschungsunternehmens Behavioural Insights Team vorgelegt, der zehn manipulative Gestaltungsmuster in Windows zugunsten des hauseigenen Browsers Edge dokumentiert.

Dem Branchenbündnis gehören unter anderem die Entwickler von Opera, Vivaldi, Google Chrome, Midori, Wavebox sowie Waterfox beziehungsweise BrowserWorks an. Die Organisation kritisiert die Maßnahmen des Betriebssystemherstellers als gezielte Hürden beim Wechsel zu alternativen Browsern.

Dokumentierte Taktiken im Betriebssystem

Der Bericht beschreibt detailliert, wie Microsoft Anwender durch sogenannte Dark Patterns zur Nutzung von Edge bewegen wolle. Wer beispielsweise über die Suchmaschine Bing innerhalb von Edge nach einem Alternativbrowser suche, erhalte ein großformatiges Banner mit Werbebotschaften zur Überlegenheit von Edge, während die Download-Verweise der Mitbewerber erst darunter aufgeführt würden.

Zudem leiteten Systemfunktionen von Windows – darunter die Windows-Suche, Widgets und der Sperrbildschirm – sowie Anwendungen wie Outlook und Teams externe Verknüpfungen gezielt an Edge weiter und ignorierten dabei den vom Nutzer gewählten Standardbrowser. Unter Windows 10 gelte dies ebenso für den Bereich Neuigkeiten und interessante Themen.

Ferner offeriere das Betriebssystem nach Aktualisierungen von Windows 11 die Option zur Übernahme empfohlener Browsereinstellungen optisch deutlich prominenter als die Beibehaltung bisheriger Einstellungen, wodurch Edge wieder als Standardanwendung gesetzt werde.

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In einer Testphase untersuchte Microsoft zudem Hinweise beim Herunterladen von Konkurrenzprodukten wie Chrome oder Firefox, wonach Anwender mit Edge bereits den schnelleren und günstigeren Browser besäßen. Dieses Vorgehen war von Testern als aufdringlich bewertet worden.

Folgen für Nutzer und regulatorische Unterschiede

Nach Einschätzung des Behavioural Insights Team entfalten derartige Muster eine besonders starke Wirkung bei Personen ohne festgelegte Präferenzen, bei einer Erstkonfrontation sowie beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Methoden.

Die Verfasser kommen zu dem Schluss, dass die Gestaltungsweisen die Autonomie der Anwender verringern, kognitive Belastungen sowie Zeitverluste erzeugen und informierte Entscheidungen beeinträchtigen.

Untermauert wird dieser Befund durch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Savanta im Auftrag der Allianz unter 2.000 Windows-Nutzern in den Vereinigten Staaten: Demnach stießen 72 Prozent derjenigen, die in den vergangenen ein bis zwei Jahren einen Browserwechsel versucht hatten, auf spürbare Hindernisse.

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In Europa stellt sich die Situation unterdessen anders dar. Im Europäischen Wirtschaftsraum gilt seit der Umsetzung des Gesetzes über digitale Märkte im Jahr 2025 ein gesonderter Standard für zusätzliche Formate mit Ausnahme von PDF-Dateien.

In diesem Geltungsbereich respektieren der Sperrbildschirm, die Suchfunktion und Widgets die getroffene Standardbrowser-Wahl, während Bing-Werbebanner unterbleiben. Microsoft gilt im Rahmen der europäischen Regulierung als Gatekeeper für das Betriebssystem Windows, nicht jedoch für Edge selbst; gegen diese Einstufung hatte Opera Klage eingereicht.

Eine Stellungnahme von Microsoft zu der Veröffentlichung lag nicht vor. Laut Angaben des Behavioural Insights Team stammten sämtliche analysierten Daten von der Browser Choice Alliance. Nach Erhebungen des Marktforschers Statcounter lag der Marktanteil von Microsoft Edge im Vormonat bei fast 15 Prozent, nachdem er sich zuvor im Jahresverlauf bei rund 10 Prozent bewegt hatte.