Eine kritische Sicherheitslücke in WinRAR bleibt sechs Monate nach dem Patch ein Einfallstor für Spionage und Erpressung. Staatliche Hacker und Cyberkriminelle nutzen die Schwachstelle weiterhin erfolgreich aus, weil Millionen Nutzer die Software nicht manuell aktualisieren.
Die als CVE-2025-8088 bekannte Sicherheitslücke erlaubt Angreifern die Ausführung von Schadcode, sobald ein manipuliertes RAR-Archiv geöffnet wird. WinRAR verfügt über keinen automatischen Update-Mechanismus – die Verantwortung für die Installation des Sicherheitsupdates liegt allein beim Nutzer. Diese Abhängigkeit von manuellen Updates wird von Bedrohungsakteuren systematisch ausgenutzt.
So funktioniert der Angriff
Die Schwachstelle ist ein Pfaddurchlauf-Fehler in der Windows-Version von WinRAR. Angreifer verschicken gezielt präparierte Archive, oft getarnt als harmlose E-Mail-Anhänge. Während der Nutzer ein entschlüsseltes Dokument – etwa eine PDF-Datei – sieht, arbeitet die Malware im Hintergrund.
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Der Clou: Die Schadsoftware nutzt Alternative Datenströme (ADS), um sich zu verstecken. Der Pfaddurchlauf ermöglicht es, Dateien an beliebige Stellen im System zu schreiben, unabhängig vom vom Nutzer gewählten Entpackort. Häufig landet die Malware im Windows-Startordner. Beim nächsten Systemstart wird sie automatisch ausgeführt – ohne weiteres Zutun des Nutzers.
Werkzeug für Spione und Erpresser
Laut dem Google Threat Intelligence Group (GTIG) nutzen unterschiedlichste Akteure die Lücke. Staatlich unterstützte Gruppen aus Russland und China setzen den Exploit für Cyber-Spionage gegen militärische, Regierungs- und Technologieziele ein. Russisch-alignede Gruppen haben insbesondere ukrainische Behörden ins Visier genommen.
Parallel dazu nutzen finanziell motivierte Kriminelle die Schwachstelle, um Schadsoftware wie Remote-Access-Trojaner (RATs) und Informationstealer zu verbreiten. Betroffen sind Unternehmen in Lateinamerika und Indonesien. Der niedrige Einstiegspreis für den Exploit – angeboten von Darknet-Händlern wie „zeroplayer“ – hat zu seiner raschen Verbreitung in der Cyberkriminal-Szene beigetragen.
Das Update-Dilemma: 500 Millionen potenzielle Ziele
Das Kernproblem: WinRAR hat über 500 Millionen Nutzer weltweit. Die Schwachstelle wurde erstmals am 18. Juli 2025 als Zero-Day-Exploit entdeckt. Der Hersteller RARLAB veröffentlichte am 30. Juli 2025 einen Patch in Version 7.13. Doch viele Nutzer arbeiten weiterhin mit veralteten, anfälligen Versionen.
Diese Situation zeigt ein grundlegendes Sicherheitsproblem auf: Die Abhängigkeit von manuellen Updates für kritische Patches. Angreifer nutzen diese „N-Day“-Lücke – eine Schwachstelle, für die zwar ein Patch existiert, die aber nicht flächendeckend installiert wurde. Die anhaltenden Angriffserfolge beweisen: Selbst nach Veröffentlichung eines Fixes bleibt das Fenster für Angreifer monatelang offen.
Was Nutzer jetzt tun müssen
Die dringendste Empfehlung von Sicherheitsexperten: WinRAR sofort auf Version 7.13 oder höher aktualisieren. Unternehmen sollten ihre Systeme patchen und die von Google veröffentlichten Indikatoren für Kompromittierung (IOCs) nutzen, um nach verdächtigen Aktivitäten zu suchen.
Die anhaltende Ausnutzung von CVE-2025-8088 unterstreicht die Bedeutung konsequenter Patch-Verwaltung und Nutzersensibilisierung. Angreifer kombinieren geschickt Social Engineering via Phishing-Mails mit bekannten Software-Schwachstellen. Die erste Verteidigungslinie bleibt: Software aktuell halten.
Nutzer können ihre installierte Version überprüfen, indem sie WinRAR öffnen und zu „Hilfe“ und dann „Über WinRAR“ navigieren. Ohne proaktives Patchen wird diese sechs Monate alte Schwachstelle wohl noch lange ein beliebtes Werkzeug für Hacker bleiben.
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