Die Personalsoftware-Branche erlebt eine Zeitenwende: Während Workday-Gründer Aneel Bhusri die Führung übernimmt, dämpft Konkurrent Paycom die Erwartungen. Neue Daten zeigen, wie Künstliche Intelligenz nicht nur die Software, sondern die Belegschaften selbst umkrempelt.
Workday: Gründer Bhusri übernimmt wieder das Ruder
Überraschend kehrte Workday-Mitgründer Aneel Bhusri diese Woche als alleiniger CEO zurück. Sein Co-Chef Carl Eschenbach verließ das Unternehmen. Der Wechsel kommt in einer heiklen Phase: Das Unternehmen aus Pleasanton baut gerade um.
Erst kündigte Workday an, etwa 400 Stellen – rund 2 Prozent der Belegschaft – abzubauen. Die Kürzungen in der Kundenbetreuung sollen Ressourcen für die „höchsten Prioritäten“ bis 2027 freimachen. Bereits 2025 hatte der Konzern 8,5 Prozent der Jobs gestrichen. Analysten sehen einen Branchentrend zur Effizienz.
Bhusris Rückkehr soll Innovation und Strategie in den Fokus rücken. Besonders spannend wird sein, wie er den KI-Kurs steuert. Workday setzt aggressiv auf KI-gesteuerte „Workforce Agents“ und eine vereinheitlichte Plattform. Erste Hinweise könnte die Bilanzpressekonferenz am 24. Februar liefern.
Paycom: Vorsichtige Prognose trotz KI-Boom
Während Workday die Führung wechselt, bremst der Mitbewerber Paycom die Erwartungen. Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal 2025 einen Umsatz von 544,3 Millionen US-Dollar und einen Nettogewinn von 113,8 Millionen. Der Ausblick für 2026 ließ jedoch Anleger aufhorchen.
Paycom rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem Umsatz von nur 2,18 bis 2,20 Milliarden US-Dollar. Diese Prognose bleibt hinter einigen Erwartungen zurück. Hohe Zinsen und knappe Unternehmensbudgets verzögern offenbar Investitionen in HR-Software.
Dennoch betont Paycom seine Stärken: Eine Kundenbindungsrate von 91 Prozent und die wachsende Nutzung seiner automatisierten „IWant“-Engine. Die Strategie scheint sich von purem Wachstum hin zu Profitabilität zu verschieben. Die bereinigte EBITDA-Marge soll 2026 auf 43-44 Prozent steigen.
Branchentrend: 30.000 Jobkürzungen durch „KI-Restrukturierung“
Die Entwicklungen bei Workday und Paycom sind Teil eines größeren Musters. Branchendaten zeigen, dass der Technologiesektor in den ersten sechs Wochen 2026 bereits fast 30.000 Stellen gestrichen hat. Neben Workday reduzierten auch Amazon und Salesforce ihre Belegschaften.
Anders als während der Pandemie werden diese Kürzungen zunehmend als „KI-Restrukturierung“ bezeichnet. Unternehmen investieren in KI und Automatisierung, während sie Stellen in veralteten Abteilungen abbauen. Für die Personalsoftware-Branche entsteht ein zwiespältiges Narrativ: Anbieter verkaufen KI-Tools zur Arbeitsoptimierung – und nutzen sie gleichzeitig für den eigenen Personalabbau.
Über 80 Prozent der Kürzungen entfallen auf die USA, doch der Trend ist global. Die Integration generativer KI in Zeiterfassungs- und Planungssysteme automatisiert komplexe Verwaltungsaufgaben. Das könnte den Bedarf an großen Support-Teams langfristig verringern.
Die Umstellung auf KI-gestützte Zeiterfassung bringt nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch rechtliche Pflichten – seit dem BAG-Urteil ist die Erfassung von Arbeitszeiten für Arbeitgeber wichtiger denn je. Ein kostenloses E-Book erklärt praxisnah, wie Sie die Arbeitszeiterfassung rechtssicher umsetzen und liefert fertige Mustervorlagen für den sofortigen Einsatz. Arbeitszeiterfassung in 10 Minuten rechtssicher umsetzen
Neuer Fokus: Vom „Employee Engagement“ zur „Employee Enablement“
Hinter den Finanzmeldungen vollzieht sich ein philosophischer Wandel. Der Branchenführer UKG identifiziert in seinem „Megatrends“-Report 2026 einen Shift weg von klassischen Mitarbeiterzufriedenheits-Metriken hin zur „Employee Enablement“.
Es geht nicht mehr darum, Stimmung zu messen, sondern Mitarbeitern die spezifischen Tools, Autonomie und das Vertrauen zu geben, ihre Arbeit bestmöglich zu erledigen. Neue Software-Features im ersten Quartal 2026 setzen auf:
- Vertrauenswürdige KI: Systeme, die erklären, warum ein Schichtplan so erstellt oder eine Urlaubsanfrage abgelehnt wurde.
- Kompetenzbasierte Planung: Algorithmen, die Schichten nicht nur nach Verfügbarkeit, sondern nach Qualifikationen und Karrierezielen besetzen.
- Vereinheitlichte Plattformen: Die Zusammenführung von Zeiterfassung, Gehaltsabrechnung und Talentmanagement in ein einziges System, um Datensilos zu vermeiden.
Beobachter betonen: Wenn KI-Assistenten von passiven Chatbots zu aktiven Verhandlern für Schichttausche oder Prüfern von Gehaltsabrechnungen werden, wird Vertrauen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.





