Der US-Softwarekonzern Workday hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme des Identitäts- und Governance-Spezialisten C1.ai, ehemals bekannt als ConductorOne, bekannt gegeben.
Die Ankündigung erfolgte am 13. Oktober 2026 im Rahmen der Hauskonferenz Workday Rising in Las Vegas. Wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, wurde der Vertrag bereits am 12. Oktober 2026 unterzeichnet. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht offengelegt.
Der Abschluss der Übernahme wird für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet, das am 31. Januar 2027 endet, und steht unter dem Vorbehalt der üblichen Vollzugsbedingungen. Die vollständige Integration der Technologien steht noch aus.
C1.ai, das von früheren Okta-Managern gegründet wurde und im Vorfeld 111 Millionen US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt hatte, konzentriert sich auf Zugriffs- und Identitätsverwaltung sowohl für menschliche Mitarbeiter als auch für autonome Softwaresysteme.
Governance für KI-Agenten und Unternehmenssysteme
Mit dem Zukauf beabsichtigt Workday, personelle Ereignisse und das unternehmenseigene Agentenverzeichnis direkt mit der automatisierten Vergabe und dem Entzug von Zugriffsrechten zu koppeln. Die Plattform von C1.ai verwaltet digitale Berechtigungen über unterschiedliche IT-Bereiche hinweg, darunter E-Mail-Dienste, CRM-Plattformen, Code-Repositories, Finanzsysteme sowie Cloud-Umgebungen.
Der Schritt zielt auf eine wachsende Kontrolllücke in der Unternehmens-IT ab. Nach Erhebungen von C1.ai setzen bereits 95 Prozent der großen US-Unternehmen autonome Agenten ein.
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Gleichzeitig verfügen laut Deloitte bislang lediglich 21 Prozent der Unternehmen über eine ausgereifte Governance-Struktur für solche Systeme. Workday, dessen Software von mehr als 65 Prozent der Fortune-500-Konzerne genutzt wird, baut damit seine Position im Bereich der Identitätsverwaltung aus.
Positionierung im Wettbewerb und Markteinschätzungen
Hinsichtlich der Marktstellung erklärte Workday-Vertriebschef Rob Enslin auf einer Diskussionsrunde in Las Vegas, dass die Konkurrenz für C1.ai eher bei SailPoint als bei Okta liege. Während Okta primär den reinen Zugriff bereitstelle, sei C1.ai schwerpunktmäßig auf Governance ausgerichtet.
Vorstandschef Aneel Bhusri betonte in diesem Zusammenhang die Abhängigkeit von Okta-Schnittstellen und stellte eine kartellrechtliche Freigabe für die Übernahme innerhalb eines Monats in Aussicht.
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Analysten von RBC Capital Markets stuften die Akquisition als strategisch positiv für Workdays Profil bei der Identity Governance ein. Das Analysehaus KeyBanc stufte die Workday-Aktie hingegen von einer Übergewichtung auf eine neutrale Branchenbewertung ab.
Die neuen KI- und Agentenangebote seien zwar vielversprechend, dürften jedoch kurzfristig keinen wesentlichen Ergebnisbeitrag leisten. KeyBanc-Analyst Jason Celino verwies darauf, dass ein spürbarer Umsatzbeitrag noch in einer frühen Phase stecke, die Strategie die Unternehmensziele für das Geschäftsjahr 2028 jedoch stützen könne.
Im operativen Geschäft nutzen derzeit 25 Prozent der Workday-Kernkunden mindestens ein KI-Produkt, verglichen mit 10 Prozent im Vorjahr. Rund 900 Kunden führten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einen KI-Agenten ein, was laut Unternehmensangaben einem Effekt auf die jährlich wiederkehrenden Erlöse von rund zwölf Prozent entspricht.

