Die KI-Visionärin Dr. Fei-Fei Li hat für ihr Start-up World Labs eine Milliarde Euro frisches Kapital eingesammelt. Die Finanzierungsrunde unterstreicht einen fundamentalen Trendwechsel in der KI-Branche.
Der Fokus verschiebt sich weg von textbasierten Sprachmodellen hin zu Systemen, die die dreidimensionale Welt verstehen. Diese sogenannten „World Models“ oder „Spatial Intelligence“-KI sollen Physik, Geometrie und räumliche Zusammenhänge begreifen. Sie gelten als Schlüsseltechnologie für Robotik, Architektur und das Metaverse.
Vom Text zur dritten Dimension: Eine neue KI-Ära bricht an
Die Investition, eine der größten im KI-Bereich in diesem Jahr, bewertet das in San Francisco ansässige Unternehmen mit rund fünf Milliarden Euro. Das ist eine Verfünffachung innerhalb von nur zwei Jahren. Angeführt wird die Runde vom Software-Riesen Autodesk, der 200 Millionen Euro beisteuert. Weitere namhafte Investoren sind die Chipkonzerne NVIDIA und AMD sowie der Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz.
„Dies ist mehr als nur eine Finanzierung. Es ist eine strategische Partnerschaft für die KI der physischen Welt“, erklärte ein Autodesk-Sprecher. Der Hersteller von AutoCAD und Revit sieht enormes Potenzial, die Technologie von World Labs direkt in die Werkzeuge von Architekten und Ingenieuren zu integrieren. Statt komplexe 3D-Modelle manuell zu entwerfen, könnten diese künftig durch einfache Sprachbefehle generiert werden.
Die Technologie: Marble erschafft begehbare Welten
Das Herzstück von World Labs ist das Multimodell „Marble“, das Ende 2025 vorgestellt wurde. Es kann aus simplen Textbeschreibungen oder einem einzelnen 2D-Bild detailgetreue, interaktive 3D-Umgebungen erzeugen. Der Clou: Das Modell inferiert selbst verdeckte Bereiche hinter Möbeln oder Wänden mit hoher Genauigkeit und schafft so ein konsistentes Raumgefühl.
Damit unterscheidet sich die Technologie fundamental von aktuellen Generativen-KI-Modellen. Während ChatGPT den nächsten Satz vorhersagt, trainiert World Labs seine Large World Models (LWMs) auf das Verständnis von Physik und Dimension. „Eine Tasse am Tischrand kippt um. Ein Gebäude hat eine Rückseite. Diese für Menschen trivialen räumlichen Logiken sind für reine Sprachmodelle eine enorme Hürde“, erläutert eine Branchenanalystin.
Wettlauf um die Vorherrschaft im „Physical AI“-Bereich
Die milliardenschwere Finanzspritze katapultiert World Labs in die direkte Konkurrenz zu den Forschungslaboren von Google und OpenAI. Während diese ebenfalls an der Generierung von 3D-Inhalten arbeiten, setzt World Labs stärker auf Interaktion und strukturelle Integrität für professionelle Anwendungen.
Der Markt dafür ist riesig: Von der Spieleentwicklung über industrielles Design bis hin zur Simulation digitaler Zwillinge für Fabriken. Die Beteiligung von NVIDIA, das seine „Omniverse“-Plattform ausbaut, und von Sea Limited, der Muttergesellschaft des Spielepublishers Garena, unterstreicht diese breiten Anwendungsmöglichkeiten.
Für 2026 plant World Labs eine aggressive Expansion. Mit der kürzlich gestarteten „World API“ will das Unternehmen Entwickler anlocken und tiefere Integrationen in gängige Game Engines wie Unity vorantreiben.
Für Entwickler und Unternehmen, die jetzt World Models, APIs oder 3D‑KI in Produktionssysteme integrieren, gelten bereits heute neue EU-Anforderungen. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt verständlich Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Dokumentationspflichten – praxisnah für Entwickler und Anbieter von KI‑Systemen. Kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden jetzt herunterladen
Die Message der Finanzierungsrunde ist klar: Die nächste Grenze der Künstlichen Intelligenz wird nicht nur gelesen, sie wird betreten.





