Nach heftiger Kritik an neuen Gebührenmodellen stellt Kingsoft Office klare Regeln auf.
Der chinesische Softwarekonzern Kingsoft Office hat am Montag auf die wachsende Empörung seiner Nutzer reagiert. In einer offiziellen Stellungnahme verspricht der Entwickler der Bürosuite WPS Office, grundlegende Funktionen dauerhaft kostenlos zu halten. Der Schritt folgt auf tagelange Proteste in sozialen Netzwerken, wo Nutzer dem Unternehmen überhöhte Preise und eine Verschlechterung bestehender Mitgliedschaften vorwarfen.
Drei Kernversprechen an die Nutzer
Das Unternehmen adressierte den Trend „backstabbed by WPS“ („von WPS hintergangen“), der die Wut über Gebührenerhöhungen und vermeintliche Leistungskürzungen bündelte. In seiner Erklärung vom 6. Juli gab Kingsoft Office drei zentrale Zusagen ab.
Erstens: Die derzeit kostenlosen Basisfunktionen bleiben erhalten und werden nicht in kostenpflichtige Stufen verschoben. Zweitens: Bestehende Mitgliedervorteile werden weder auf teurere Tarife verlagert noch in ihrem Umfang beschnitten. Drittens: Neue KI-Funktionen wie WPS AI werden separat abgerechnet. Das Unternehmen begründet dies mit den hohen Kosten für Rechenleistung – Nutzer sollen nur für die Funktionen zahlen, die sie tatsächlich benötigen.
Streit um Speicherplatz und Cache-Dateien
Ein besonders heikler Punkt der Kritik betraf die technische Belastung der Nutzerrechner. Berichte über Cache-Dateien von über 47 Gigabyte machten die Runde. Einige Nutzer behaupteten zudem, die Software habe kostenpflichtige Upgrades zur Bereinigung dieser systemverstopfenden Dateien angeboten.
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Kingsoft Office wies diese Vorwürfe zurück und betonk, dass die Cache-Reinigung weiterhin ein kostenloser Dienst sei. Das Unternehmen verwies auf ein für Juli 2026 angekündigtes Update, das bereits am 27. Juni vorgestellt wurde. Es soll die Installationspfade optimieren und robustere Speicherverwaltungswerkzeuge bieten.
Branchenstimmen und finanzielle Erfolge
Die Debatte zog auch Kommentare von Branchengrößen an. Der CEO des chinesischen Twitter-Äquivalents Weibo mischte sich ein und argumentierte, dass Kingsoft Office als börsennotiertes Unternehmen primär seinen Aktionären verpflichtet sei. Die Situation habe die Erwartungen der Nutzer an heimische Softwarealternativen gedämpft.
Trotz der öffentlichen Kritik präsentierte Kingsoft Office beeindruckende Geschäftszahlen. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,613 Milliarden Yuan (rund 200 Millionen Euro) – ein Plus von 23,95 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn kletterte auf 2,195 Milliarden Yuan, ein Anstieg von 444,97 Prozent.
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KI als Wachstumstreiber
Besonders die Bereiche digitale Transformation und künstliche Intelligenz treiben das Wachstum. 2025 erwirtschaftete die Plattform WPS 365 720 Millionen Yuan, ein Plus von fast 65 Prozent. Die monatlich aktiven Nutzer von WPS AI überschritten Ende 2025 die Marke von 80,13 Millionen – ein Wachstum von über 300 Prozent.
Um diese Entwicklung zu stützen, erhöhte Kingsoft Office seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf 20,95 Milliarden Yuan, ein Plus von 23,57 Prozent. Weltweit nutzen rund 6,72 Milliarden Geräte WPS Office, davon über 41 Millionen zahlende Kunden allein in China. Analysten sehen in der separaten Abrechnung von KI-Diensten einen trend: Die steigenden Kosten für Rechenleistung zwingen Anbieter zu hybriden Geschäftsmodellen – kostenlose Basisnutzung gepaart mit nutzungsabhängigen Gebühren für Spitzentechnologie.

