Wrench Attacks: Krypto-Besitzer im Visier von Entführern

Physische Angriffe auf Krypto-Investoren häufen sich weltweit. Berichte zeigen steigende Verluste und neue Schutzstrategien gegen Erpressung.

Jüngste Analysen von Sicherheitsunternehmen wie HEAL Security Inc. weisen auf eine besorgniserregende Zunahme physischer Angriffe auf Besitzer von Kryptowährungen hin. Bei diesen sogenannten „Wrench Attacks“ (Schraubenschlüssel-Angriffen) nutzen Kriminelle Gewalt, Drohungen, Hausinvasionen oder Entführungen, um Opfer zur Freigabe ihrer digitalen Vermögenswerte zu zwingen. Ziel dieser Taktiken ist es, technische Verschlüsselungen und Sicherheitsbarrieren durch direkten physischen Zwang zu umgehen.

Systematische Gewaltanwendung in Europa und Nordamerika

Die Berichte dokumentieren eine Häufung solcher Vorfälle in Frankreich, den USA, Großbritannien und Kanada. Besonders in Frankreich scheint sich die Lage zugespitzt zu haben. Laut Angaben von Branchenkennern wie Pavel Durov wurde seit Anfang 2026 alle 60 Stunden ein Krypto-Investor entführt, was einer Gesamtzahl von 41 Fällen in diesem Zeitraum entspricht.

Ein prominentes Beispiel ist die Entführung des Ledger-Mitbegründers David Balland im Januar 2025, für dessen Freilassung eine Lösegeldsumme von 10 Millionen Euro gefordert wurde. Weitere Vorfälle in Frankreich umfassen die Entführung des Vaters eines Krypto-Unternehmers im Mai 2025, der nach 58 Stunden befreit werden konnte, sowie eine versuchte Entführung der Tochter eines Geschäftsführers aus der Branche. In einem Fall Ende 2024 wurde der Vater eines Influencers nahe der Schweizer Grenze mit Benzin übergossen und in einen Kofferraum gesperrt, um Kryptowährungen im Wert von 5 bis 7 Millionen Euro zu erpressen.

Ermittlungen legen nahe, dass Kriminelle teilweise auf kompromittierte Steuerdatenbanken zugreifen konnten. Im Juni 2025 wurde eine ehemalige Mitarbeiterin der Steuerbehörden, Ghalia C., festgenommen, die verdächtigt wird, Investorendaten an kriminelle Gruppen verkauft zu haben.

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Bewaffnete Überfälle und hohe Schadenssummen in den USA

Auch in den Vereinigten Staaten nimmt die Brutalität der Angriffe zu. Im Dezember 2025 wurden drei Männer aus Tennessee festgenommen, denen eine gewaltsame Raubserie in Kalifornien vorgeworfen wird. Die Täter gaben sich als Lieferanten aus und setzten Schusswaffen, Klebeband und Kabelbinder ein, um Opfer in San Francisco, San Jose, Sunnyvale und Los Angeles auszurauben. Dabei wurden Kryptowährungen im Wert von rund 6,5 Millionen US-Dollar entwendet. Den Verdächtigen droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Bereits im September 2024 wurde Gilbert St. Felix in den USA zu 47 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er an einer Hausinvasion beteiligt war, die gezielt auf Besitzer digitaler Währungen abzielte. Statistiken verdeutlichen den wirtschaftlichen Schaden: Während im gesamten Jahr 2025 weltweit etwa 70 bis 72 Fälle mit Verlusten von über 40 Millionen US-Dollar registriert wurden, stiegen die Verluste in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 bei lediglich 34 gemeldeten Fällen bereits auf etwa 101 Millionen US-Dollar an.

Strategien zur Risikominimierung und rechtliche Grauzonen

Sicherheitsexperten und Analysten von TRM betonen, dass Angreifer meist einem festen Schema aus Profiling, Überwachung und Annäherung folgen. Als Gegenmaßnahmen werden Diskretion über das eigene Vermögen, die Nutzung von Multi-Signatur-Wallets sowie verstärkte Haussicherheit empfohlen.

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Unternehmen reagieren zudem mit technischen Lösungen. Unstoppable Wallet bietet beispielsweise einen sogenannten „Duress Mode“ an. Dabei zeigt eine sekundäre PIN eine Täuschungs-Wallet mit geringem Guthaben an, während die eigentlichen Bestände verborgen bleiben. Ledger forderte Nutzer angesichts steigender Risiken dazu auf, Vermögenswerte in die Selbstverwaltung zu überführen, und führte eine physische Verifizierung für bestimmte Transaktionen ein.

Die rechtliche Handhabung von Sicherheitsfunktionen wie der Notfall-Löschung (Duress Wipe) bleibt indes umstritten. In den USA wurde im Januar 2025 ein Mann aus Atlanta angeklagt, nachdem er während einer Zollkontrolle eine spezielle PIN eingegeben hatte, die sein Smartphone über das Betriebssystem GrapheneOS vollständig löschte. Der Fall wird als Test für die Legalität solcher Schutzmechanismen bei behördlichen Durchsuchungen gewertet.