X-Angriff: Hunderttausende Konten durch Passwort-Reset-Spam gefährdet

Eine koordinierte Angriffswelle auf X’ Wiederherstellungsfunktion wurde unterbrochen. Behörden ermitteln, Hinweise auf Kontenübernahmen fehlen bislang.

Anfang September sah sich die Social-Media-Plattform X mit einer massiven Welle unerwünschter Passwort-Reset-E-Mails konfrontiert. Berichten zufolge zielten Unbekannte auf Hunderttausende von Nutzerkonten ab. Der Vorfall ereignete sich kurz nach der Einführung des neuen hauseigenen Zahlungsdienstes X Money, was nach Einschätzung von Beobachtern den Anreiz für kriminelle Aktivitäten auf der Plattform deutlich erhöht hat.

Gezielte Attacken auf Hunderttausende Konten

Die Angriffswelle begann am 1. September 2026, als zahlreiche Nutzer innerhalb weniger Minuten bis zu 10 Aufforderungen zur Passwort-Wiederherstellung erhielten.

Nach vorliegenden Informationen nutzten die Angreifer dabei öffentlich zugängliche Nutzernamen, um die automatisierten E-Mails auszulösen. Ein Sprecher des Unternehmens betonte jedoch, dass es sich nicht um einen klassischen System-Breach handelte, bei dem interne Datenbanken kompromittiert wurden.

Am darauffolgenden Tag bestätigte der US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche, dass ein koordinierter Angriff auf die Passwort-Wiederherstellungsfunktionen stattgefunden habe. X sei es jedoch gelungen, den Angriff am 2. September 2026 zu unterbrechen und damit eine Übernahme der betroffenen Konten zu verhindern.

Laut offiziellen Angaben des US-Justizministeriums (DOJ) gibt es bislang keine Hinweise auf tatsächlich kompromittierte Konten. Der X-Entwickler Mridul Singhai bestätigte ebenfalls, dass keine Beweise für einen erfolgreichen Einbruch in die Infrastruktur vorlägen.

Finanzielle Expansion als mögliches Motiv

Branchenanalysten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Attacke und der jüngsten strategischen Neuausrichtung von X. Etwa einen Monat vor dem Vorfall war der Zahlungsdienst X Money gestartet. Dieser Dienst ermöglicht es Nutzern, Finanztransaktionen direkt über die Plattform abzuwickeln.

Für Premium-Abonnenten bietet X Money eine Verzinsung von bis zu 6 % APY, während Standard-Nutzer 4 % erhalten. Das Guthaben ist dabei via Cash Sweep über die Cross River Bank mit bis zu 10 Millionen US-Dollar durch die FDIC versichert.

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Zudem hat X die Auszahlungsmodalitäten für Content-Ersteller grundlegend geändert. Während internationale Zahlungen weiterhin über den Dienstleister Stripe abgewickelt werden können, erfolgt die Vergütung für US-amerikanische Creator nun primär über X Money. Dabei entfällt die bisherige Mindestgrenze von 30 US-Dollar, und Auszahlungen werden sofort vorgenommen. Diese Bündelung von Finanzdienstleistungen und Nutzerguthaben macht X-Konten zu einem attraktiven Ziel für professionelle Hacker.

Behördliche Ermittlungen und Präventionsmaßnahmen

Das US-Justizministerium hat eine Untersuchung des Cyberangriffs eingeleitet. Generalstaatsanwalt Todd Blanche bezeichnete die Täter als hochgradig spezialisierte Cyberkriminelle, die gezielt die Schwachstellen im Identitätsmanagement der Plattform ausnutzen wollten.

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Das DOJ arbeite nach eigenen Angaben eng mit X zusammen, um die Hintermänner ausfindig zu machen. James Burnham, General Counsel bei X, kündigte zudem umfassende rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen an.

Als Reaktion auf den Vorfall und zur Sicherung der neuen Finanzfunktionen empfiehlt das Unternehmen seinen Nutzern dringend die Aktivierung der Funktion „Password Reset Protect“ sowie der Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA).

Sicherheitsexperten raten zudem zur Implementierung von Zero-Trust-Architekturen, um das Risiko künftiger Übernahmeversuche zu minimieren. Gleichzeitig wurde vor einer Zunahme von Krypto-Betrug gewarnt, der im Windschatten solcher Angriffe häufig auftritt.

Der aktuelle Vorfall weckt Erinnerungen an einen früheren Datenverlust im April 2025. Damals waren bei einem Vorfall 34 GB an Daten mit insgesamt 201.186.753 Datensätzen betroffen. Die nun erfolgte schnelle Reaktion des Unternehmens und der Behörden unterstreicht die gewachsene Sensibilität für die Sicherheit der Nutzerdaten im Kontext integrierter Finanzdienstleistungen.