X unter Beschuss: Irlands Regulator leitet formelle Untersuchung ein

Irlands Medienaufsicht prüft X wegen möglicher Defizite beim Jugendschutz. Parallel verschärfen mehrere Länder ihre Regeln für Plattformen.

Irlands Medienregulierer Coimisiún na Meán (CnaM) hat eine formelle Untersuchung gegen die Plattform X eingeleitet. Anlass sind Bedenken hinsichtlich unzureichender Altersverifikation für Erwachseneninhalte sowie ineffektiver elterlicher Kontrollen. Es handelt sich um die erste formelle Untersuchung, die die Behörde auf Grundlage des irischen Online Safety Code durchführt, wie am 8. September 2026 berichtet wurde.

Vorwurf: Mängel bei Altersprüfung und Kindersicherung

Im Zentrum der Untersuchung steht laut den Berichten die Frage, ob X ausreichende Mechanismen zur Altersverifikation für Erwachseneninhalte bereitstellt und ob die angebotenen elterlichen Kontrollfunktionen tatsächlich wirksam sind. Sollte CnaM einen Verstoß gegen den Online Safety Code feststellen, drohen dem Unternehmen Geldstrafen von bis zu 10 Prozent des Umsatzes oder 20 Millionen Euro.

Teil einer breiteren internationalen Regulierungswelle

Die irische Untersuchung reiht sich in eine Serie aktueller regulatorischer Vorstöße zum Schutz Minderjähriger im Netz ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte in einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein EU-weites Verbot sozialer Medien für unter 15-Jährige.

In Australien stellten Premierminister Anthony Albanese und Kommunikationsministerin Anika Wells einen Gesetzesentwurf zur sogenannten Digital Duty of Care vor. Dieser sieht vor, dass soziale Plattformen Nutzern die Wahl zwischen algorithmischen und chronologischen Feeds ermöglichen müssen – unter dem Titel „My Feed, My Way“.

Für unter 16-Jährige sollen personalisierte Algorithmen ganz abgeschaltet werden. Der Entwurf erfasst neben sozialen Medien auch KI-Chatbots, Suchmaschinen und Apps und benennt fünf konkrete Schadensbereiche: Pornografie, Essstörungen, Frauenfeindlichkeit, Verherrlichung von Kriminalität und Mobbing.

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Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 109,2 Millionen australischen Dollar, umgerechnet rund 78 Millionen US-Dollar. Die Aufsichtsbehörde eSafety soll zudem befugt sein, etwa sogenannte Nudify-Apps innerhalb von 24 Stunden entfernen zu lassen.

Nach eigenen Angaben der australischen Regierung wurden bereits über 5 Millionen Konten von unter 16-Jährigen entfernt. Die Opposition warnt vor Gefahren für die Meinungsfreiheit und kritisiert den Entwurf als Zensur; bislang gab es nach Angaben der Regierung keine Strafen im Zusammenhang mit dem bestehenden Social-Media-Verbot für Minderjährige.

Auch in Großbritannien kündigte Kulturministerin Lisa Nandy im Parlament eine Gesetzgebung an, die Tech-Plattformen zu Geräte-Schutzmaßnahmen für Kinder verpflichten soll. Apple und Google haben demnach bereits entsprechende Änderungen zugesagt. Als Hintergrund nannte das zuständige Ministerium, dass 91 Prozent der beschlagnahmten Missbrauchsbilder mittlerweile selbst generiert seien und es jährlich rund 9.000 Straftaten mit Online-Bezug gebe.

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Meta gerät in Indien unter Druck

Parallel dazu lud die indische Kinderschutzkommission NCPCR den Geschäftsführer von Meta India sowie den dortigen Public-Policy-Verantwortlichen für den 9. September 2026 vor. Hintergrund ist ein BBC-Eye-Report sowie eine Studie der Organisation TTP, wonach auf Meta-Plattformen über 300 Anzeigen mit sexuellem Kindesmissbrauchsmaterial geschaltet wurden, die rund 29.000 Nutzer erreichten.

TTP-Forscher identifizierten nach eigenen Angaben sogar over 350 Anzeigen mit KI-generiertem Missbrauchsmaterial, teils unter Verwendung echter Kinderfotos – darunter Bilder eines europäischen Königshauses. US-Politiker und Regulierungsbehörden kündigten daraufhin eigene Untersuchungen an.

Die parallel laufenden Verfahren in Irland, Indien sowie die Gesetzesinitiativen in Frankreich, Australien und Großbritannien zeigen, dass der Schutz Minderjähriger vor schädlichen Online-Inhalten derzeit auf mehreren Kontinenten gleichzeitig zum regulatorischen Schwerpunkt wird.