Y Combinator Demo-Day: 76% der Start-ups arbeiten an KI-Projekten

Garry Tan befürwortet kontrollierte Modellübertragung in den USA, während Behörden vor chinesischer Industriespionage und Sicherheitsrisiken warnen.

Der CEO des Start-up-Beschleunigers Y Combinator, Garry Tan, hat sich für einen neuen regulatorischen Ansatz beim Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgesprochen. In einem Gespräch mit dem US-Sender CNBC erläuterte Tan, dass er die Destillation von sogenannten Frontier-Modellen durch heimische Open-Weight-KI-Labore befürworte.

Statt restriktiver Verbote schlug er die Einführung eines spezifisch amerikanischen Destillations-Regimes vor, um die technologische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Monopolbildungen in der Branche zu verhindern.

Wettbewerb durch kontrollierte Wissensübertragung

Tan betonte, dass er gegenwärtig keine Veranlassung sehe, die Destillation von KI-Modellen innerhalb der USA einzuschränken. Bei diesem Verfahren werden die Fähigkeiten und das Wissen großer, leistungsstarker Modelle auf kleinere, effizientere Modelle übertragen.

Laut dem YC-Chef sei es entscheidend, dass kleinere US-amerikanische Open-Weight-Labs diese Technik nutzen dürfen, um die Leistungsfähigkeit nationaler Frontier-Modelle zu übernehmen. Dies solle jedoch durch die Vordertür geschehen, also auf offiziellem Wege und ohne den Einsatz gestohlener Zugangsdaten.

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Ziel dieses Vorstoßes sei ein breiterer Zugang zu leistungsfähigen KI-Werkzeugen sowie die Stärkung eines heimischen Open-KI-Ökosystems. Als Bedingung für ein solches Modell nannte Tan den Erhalt eines Preisaufschlags für die ursprünglichen Frontier-Modelle, um die Innovationsanreize für die Entwickler der Basismodelle zu wahren.

Ein Albtraumszenario sei für ihn die Entstehung eines einzigen monopolistischen KI-Unternehmens. Die aktuelle Entwicklung bezeichnete er als wissenschaftliche Tatsache und nicht als Science-Fiction, wobei er insbesondere die Cybersicherheit als dringliches Handlungsfeld hervorhob.

KI-Dominanz bei Start-ups und Sicherheitsbedenken

Die Relevanz des Themas spiegelte sich auch auf dem jüngsten Demo-Day von Y Combinator wider. Von den insgesamt 196 teilnehmenden Start-ups waren 149 Unternehmen im Bereich Maschinelles Lernen und KI tätig, was einem Anteil von 76,0 % entspricht.

Während Tan für eine kontrollierte Öffnung innerhalb der USA wirbt, weisen Berichte von Branchenakteuren auf eine zunehmende Problematik durch unautorisierte Destillation hin. Ein Bericht von Anthropic wirft chinesischen Laboren vor, illegale Destillationsangriffe durchzuführen.

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Demnach blockierte Anthropic zwischen Mai und Juli 2026 mehr als 151 Millionen Austauschversuche durch Operatoren des chinesischen Unternehmens Alibaba. Diese Zugriffe seien über mehr als 3.500 Betrugskonten erfolgt, wobei das tägliche Volumen bis zu etwa 3 Millionen Anfragen erreichte. Ziel dieser Aktivitäten sei die Verbesserung des Modells Alibaba Qwen gewesen.

Staatliche Warnungen vor industrieller Spionage

Neben Alibaba nannten Anthropic und US-Behörden wie die NSA, das FBI und die CISA weitere chinesische Entitäten, darunter Moonshot AI, DeepSeek und MiniMax, die ohne Erlaubnis Destillationsverfahren anwendeten.

In einem behördlichen Advisory wurden zudem die Firmen StepFun und Z.AI angeführt. Die Behörden sprachen in diesem Zusammenhang von Destillation in industriellem Maßstab, die sich gegen westliche Modelle wie Claude, GPT, Gemini und Grok richte.

Auch Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle: Anthropic gab bekannt, den Zugriff auf das Modell Claude in fünf Fällen blockiert zu haben, in denen ein Zusammenhang mit Pathogen-Forschung bestand. OpenAI äußerte zudem die Vermutung, dass die chinesischen Modelle DeepSeek V3 und R1 unter Verwendung von Daten aus GPT-4 und GPT-4o destilliert wurden.

Die rechtliche Lage bleibt derweil komplex. Die Nutzungsbedingungen von OpenAI vom 1. Januar 2026 untersagen es explizit, Output des Systems für die Entwicklung konkurrierender Modelle zu verwenden.

Auch bei Anthropic ist eine Destillation laut der Richtlinie vom 15. September 2025 nur mit vorheriger Genehmigung gestattet. Branchenbeobachter merken jedoch an, dass der offizielle Weg für eine solche Autorisierung in den Dokumentationen des Unternehmens bisher nicht eindeutig dargelegt wird.