Yandex-Rechenzentrum beschädigt: Mehr als 80 Dienste fallen teilweise aus

Der Angriff beschädigte Yandex’ Standort in Wladimir; zahlreiche Cloud- und Verbraucherangebote fielen aus, die Aktie verlor rund vier Prozent.

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Ein nächtlicher Drohnenangriff hat ein Rechenzentrum des Technologiekonzerns Yandex in der russischen Region Wladimir beschädigt. Die im Distrikt Energetik rund 180 Kilometer nordöstlich von Moskau gelegene Anlage stellte ihren Betrieb in der Folge vollständig ein. Laut Berichten vom 11. Oktober 2026 gab es bei dem Vorfall keine Verletzten.

Massive Störungen im Cloud-Betrieb und bei Verbraucherdiensten

Der Ausfall des Standorts löste weitreichende technische Probleme aus. Nach dem Wegfall der Verfügbarkeitszone ru-central1-a wechselte Yandex Cloud in einen Notfallmodus. Virtuelle Server werden derzeit nur noch über die Reserve-Zonen ru-central1-d und ru-central1-e bereitgestellt.

Die Ressourcenkonfiguration gilt als instabil; der Objektspeicher S3 lässt Lesezugriffe zu, während Schreibvorgänge nur intermittierend funktionieren und der Dienst Monium nicht verfügbar ist.

Insgesamt verzeichnen mehr als 80 Dienste und Infrastrukturkomponenten erhebliche Beeinträchtigungen. Dazu gehören unter anderem Compute Cloud, Virtual Private Cloud, Managed Service for Kubernetes, Cloud Functions, Load-Balancing, Netzwerkmanagement und Object Storage.

Ebenso betroffen sind Datenbanksysteme wie PostgreSQL, ClickHouse, MySQL, YDB und OpenSearch sowie Schnittstellen wie die YandexGPT API, SpeechKit, Vision OCR, DataLens, Yandex AI Studio, Tracker, Wiki, Forms und Cloud Desktop.

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Auf Seiten der Endnutzer fielen zahlreiche Kernangebote aus, darunter der Sprachassistent Alisa, Yandex Music, Telemost, Smart-Home-Dienste wie Yandex Home und Dom s Alisoy sowie Yandex Food. Auch die Mobilitätsplattform Yandex Go, der Bezahldienst Yandex Pay und die App Yandex Pro für Fahrer und Kuriere waren betroffen. Die ersten Störungen traten gegen 04:00 Uhr Moskauer Zeit auf.

Um 06:50 Uhr meldete Yandex Go rund 2.100 Beschwerden pro Stunde, Yandex insgesamt rund 1.800 und Yandex Pay etwa 1.300. Neben russischen Metropolen wie Moskau, St. Petersburg, Perm und Krasnojarsk reichten die Ausfälle bis nach Belarus, Kasachstan und Armenien. Yandex Qazaqstan bestätigte entsprechende technische Einschränkungen.

Schäden vor Ort und regionale Stromabschaltungen

Die Anlage in Wladimir verfügt über eine Leistungskapazität von 40 bis 50 Megawatt und ist für bis zu 2.800 beziehungsweise 2.880 Server-Racks ausgelegt. Der Standort beherbergt den dritten Supercomputer des Unternehmens, der für das Training von künstlicher Intelligenz und Cloud-Anwendungen genutzt wird.

Gouverneur Alexander Avdeyev bestätigte Drohnentreffer auf eine Infrastrukturanlage am Stadtrand von Wladimir, die zu einem Brand führten. Zwei Umspannwerke wurden abgeschaltet, wodurch rund 5.000 Anwohner zeitweise ohne Strom waren. Bewohner aus der direkten Umgebung wurden evakuiert; Wohngebäude seien nicht zerstört worden.

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Rund 80 Prozent der regionalen Stromversorgung konnten laut Avdeev bis zum Sonntagmorgen wiederhergestellt werden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, über Nacht seien 479 ukrainische Drohnen in 16 Regionen abgefangen worden.

Yandex nannte weder einen Zeitplan für die Wiederherstellung noch das genaue Ausmaß der Schäden und erklärte, es sei sehr schwer vorherzusagen, wann die Systeme wieder voll einsatzfähig seien. An der Moskauer Börse gaben Yandex-Aktien um rund 4 Prozent nach.

Dritter Angriff auf die Server-Infrastruktur binnen weniger Tage

Der Vorfall in Wladimir reiht sich in eine Serie von Treffern auf Standorte des Konzerns ein. Bereits am 8. Oktober 2026 war das größte Yandex-Rechenzentrum in Sasovo in der Region Rjasan attackiert worden, was zu einem Großbrand und der Abschaltung führte; dort waren zwei Supercomputer mit Nvidia-A100-Chips betroffen.

Am selben Tag entfernte Yandex Rechenzentren in vier russischen Regionen von seinen Kartendiensten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am 8. Oktober mitgeteilt, dass sein Land damit auf Angriffe auf ukrainische Rechenzentren reagiere.

Am 9. Oktober 2026 beschädigte ein Drohnenangriff zudem Teile des Yandex-Rechenzentrums in der Region Kaluga. Am 10. Oktober 2026 reagierte Yandex auf die Bedrohungslage und nahm Drohnen- sowie Raketenangriffe als Fälle höherer Gewalt in die eigenen Nutzungsbedingungen auf.