Eine Welle schwerer Cyberangriffe hat in den ersten Augusttagen 2026 zahlreiche europäische Unternehmen und Behörden getroffen. Betroffen sind unter anderem Polens größte Convenience-Kette, britische Polizeidatenbanken und ein französischer Lebensmittelhändler. Die Angriffe legen offen, wie verwundbar kritische Infrastrukturen in Europa sind.
Żabka Polska: Datenleck bei 13.000 Filialen
Der polnische Convenience-Riese Żabka Polska hat am 3. August einen schwerwiegenden Sicherheitsvorfall bestätigt. Unbefugte verschafften sich über einen externen Dienstleister Zugang zu internen Systemen. Das Unternehmen blockierte umgehend den Zugriff, informierte die polnische Datenschutzbehörde UODO und benachrichtigt betroffene Personen.
Bereits einen Tag zuvor hatte ein als „Lumia“ bekannter Angreifer auf einem Darknet-Forum angebliche Firmendaten für 5.000 Euro zum Verkauf angeboten. Der Täter behauptet, 541.000 Jira-Tickets und 2,7 Millionen Nutzerreferenzen zu besitzen. Unabhängige Prüfungen von Datenproben legen nahe: Der Leak enthält interne Mitarbeiterdaten, Quellcode aus 89 GitLab-Repositorien sowie Zugangsdaten für Systeme wie SAP ERP, JIRA und das Kassensystem „Nowa Kasa“.
Besonders brisant: Ein einzelnes GitLab-Zugriffstoken wurde offenbar über mehrere Repositorien hinweg wiederverwendet. Zudem sollen aktive Schlüssel für Cloudflare-API und ein MongoDB-Administratorpasswort enthalten sein. Der Vorfall folgt nur Tage nach der Ankündigung eines 7,56-Milliarden-Euro-Übernahmeangebots durch den kanadischen Konzern Couche-Tard Ende Juli.
Großbritannien: Polizeidaten im Darknet aufgetaucht
Auch die britische Police National Legal Database (PNLD) meldete am 3. August einen massiven Datendiebstahl. Die Behörde, die als zentrale Rechtsdatenbank für Polizei und Justiz dient, entdeckte den Vorfall bereits am 26. Juli. Die Hackergruppe „ExfilSquad“ beansprucht die Tat für sich und gibt an, 135.000 Kontaktdatensätze mit einem Gesamtvolumen von 1,9 Gigabyte erbeutet zu haben.
Die gestohlenen Daten umfassen Namen und dienstliche E-Mail-Adressen von Polizeibeamten, Justizmitarbeitern und Regierungspartnern. Nach Registrierungsangaben sind mehr als 114.000 Abonnenten betroffen. Darunter: Kontaktdaten von 2.615 Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft (CPS), 617 des Innenministeriums, 588 der National Crime Agency (NCA) und 402 des Verteidigungsministeriums.
Zusätzlich wurden rund 21.000 E-Mail-Adressen der öffentlichen Plattform „Ask the Police“ kompromittiert. Zwar betont die PNLD, dass keine Passwörter betroffen seien, doch die Ermittlungen laufen: Sowohl die North East Regional Organised Crime Unit als auch die NCA haben Untersuchungen eingeleitet. Bereits zuvor soll dieselbe Gruppe über Social Engineering 607.000 Datensätze des Bildungsministeriums erbeutet haben.
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Weitere Angriffe: Frankreich, Liechtenstein, Ungarn
Die Angriffswelle erfasst weitere europäische Länder. Der französische Lebensmittelhändler Intermarché Drive meldete einen Cyberangriff in der vergangenen Woche, bei dem Daten von rund zwei Millionen Kunden abgegriffen wurden. Betroffen sind Namen, Geburtsdaten, Rechnungsadressen und Treuekartennummern – Bankdaten seien laut Unternehmen nicht betroffen.
In Liechtenstein legte ein Angriff auf das nationale Register der wirtschaftlichen Eigentümer die Behörden lahm. Die Regierung nahm das System am Donnerstag vom Netz. Rund 31.000 Personen sind in der Datenbank registriert, die Hintermänner von Unternehmen offenlegt. Offizielle Angaben deuten darauf hin, dass keine Daten gelöscht oder verändert wurden.
Ungarns Nationale Zahlstelle, die EU-Agrarsubventionen verwaltet, wurde Opfer einer Ransomware-Attacke, bei der interne Dateien verschlüsselt wurden. Die Spuren führen zu Servern in Russland. Kundendaten seien nicht abgeflossen, teilte das Finanzministerium mit. Der Nationale Cybersicherheitsdienst (NKI) ermittelt – im Kontext jüngster internationaler Sanktionen gegen Cyber-Ökosysteme.
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Europa im Visier: Ein alarmierender Trend
Die zeitliche Häufung der Angriffe wirft Fragen auf. Handelt es sich um koordinierte Aktionen oder um eine Welle von Gelegenheitsangriffen? Experten sehen in der Mischung aus Wirtschaftsspionage, Ransomware und politisch motivierten Attacken eine neue Qualität der Bedrohungslage. Besonders besorgniserregend: Die Angriffe zielen gezielt auf kritische Infrastrukturen – von Justizdatenbanken bis zu Zahlungssystemen.
Für Unternehmen und Behörden in Deutschland und Europa gilt: Die Sicherheitsarchitektur muss dringend überdacht werden. Wiederverwendete Zugangstokens, unzureichend geschützte Dienstleister-Schnittstellen und fehlende Segmentierung sind Einfallstore, die sich schließen lassen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die betroffenen Institutionen die Lehren daraus ziehen – und ob weitere Angriffe folgen.

