Der Streaming-Anbieter Zattoo erweitert sein Gratis-TV-Angebot um zwei neue SPIEGEL-Kanäle. Damit reagiert er auf den wachsenden Markt für werbefinanzierte Streaming-Dienste (FAST).
Der Kampf um die Zuschauer im deutschen Streaming-Markt wird härter. Während die großen Abo-Dienste um Kunden ringen, setzen Plattformen wie Zattoo verstärkt auf kostenlose, werbefinanzierte Inhalte. In dieser Woche hat der Anbieter seine Strategie bekräftigt und zwei neue Kanäle in sein Portfolio aufgenommen: SPIEGEL TV und SPIEGEL TV action+crime. Die Dokumentations- und True-Crime-Sender sind ab sofort für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar – ohne zusätzliche Kosten.
Mit diesem Schritt stärkt Zattoo sein Angebot im schnell wachsenden Segment der Free Ad-Supported Streaming TV (FAST)-Kanäle. Diese bieten ein lineares Fernseherlebnis im digitalen Gewand, finanziert durch Werbung. Für Zuschauer, die keine weiteren Abos abschließen möchten, wird das Gratis-Angebot damit deutlich attraktiver. „Content ist König, aber Zugänglichkeit ist entscheidend“, lautet die Devise in der Branche.
Strategischer Schachzug im FAST-Markt
Die Integration der renommierten SPIEGEL-Marken ist mehr als nur eine Erweiterung der Mediathek. Sie verleiht dem kostenlosen Dienst von Zattoo zusätzliche Glaubwürdigkeit und Strahlkraft. Der Anbieter baut sein FAST-Portfolio damit gezielt aus, um ein breiteres Publikum mit unterschiedlichen Interessen anzusprechen.
Hinter der Expansion steht eine klare Geschäftslogik. Im Gegensatz zum Abo-Modell, das bei Zuschauern zunehmend zu „Subscription Fatigue“ führt, senkt das werbefinanzierte Modell die Einstiegshürde auf null. Für Plattformen eröffnet es eine lukrative Einnahmequelle durch programmatische Werbung. Zattoo diversifiziert so sein Geschäftsmodell und macht sich weniger abhängig von Abo-Gebühren. Gleichzeitig positioniert es sich im wachsenden Markt für digitale Werbebudgets.
Branchenkenner sehen in umfangreichen Gratis-Angeboten einen Schlüssel zum Wettbewerbsvorteil. Live-Nachrichten, Sport und spezielle Genre-Kanäle ohne monatliche Rechnung sind ein mächtiges Instrument, um neue Nutzer zu gewinnen. Mit jedem zusätzlichen Kanal wird die Plattform attraktiver – sowohl für Zuschauer als auch für Werbepartner.
Wettbewerb heizt sich weiter auf: Vodafone, Telekom & Co.
Zattoos Expansion findet in einem dynamischen Umfeld statt. Andere große Player im deutschsprachigen Raum verfolgen ähnliche Strategien. So hat etwa Vodafone Mitte 2025 erstmals FAST-Kanäle in seine GigaTV-Plattform integriert.
Die Konkurrenz wurde diese Woche durch eine weitere Großankündigung angeheizt. Die Medienriesen ProSiebenSat.1 und Deutsche Telekom haben eine neue Langfristkooperation vereinbart. Damit ist die Verbreitung aller ProSiebenSat.1-Inhalte auf MagentaTV gesichert. Besonders bedeutsam: Die Partnerschaft vertieft auch die Integration des Streaming-Dienstes Joyn und erstreckt sich auf das lukrative Geschäft mit adressierbarer TV-Werbung.
Diese Allianz signalisiert eine Machtkonsolidierung und führt zu einem Wettlauf um die besten Inhalte. Für Verbraucher ist der schärfere Wettbewerb jedoch ein Gewinn. Er führt zu mehr Auswahl, besserem Content und verschiedenen Preismodellen – darunter auch starke Gratis-Optionen.
Warum Gratis-Streaming immer beliebter wird
Der Aufstieg der FAST-Kanäle ist keine Eintagsfliege, sondern eine Reaktion auf verändertes Nutzerverhalten und wirtschaftliche Faktoren. Bei angespannten Haushaltsbudgets ist die Attraktivität von kostenloser, hochwertiger Unterhaltung so groß wie nie. Immer mehr Zuschauer sind bereit, Werbung in Kauf zu nehmen, um an spannende Inhalte zu gelangen.
Dieser Trend markiert eine Reifung des Streaming-Marktes. Die anfängliche Phase, dominiert von einigen großen Abo-Diensten, weicht einem fragmentierteren und vielfältigeren Ökosystem. Aggregatoren wie Zattoo spielen hier eine zentrale Rolle. Sie bündeln bezahlte und kostenlose Kanäle in einer benutzerfreundlichen Oberfläche und vereinfachen so das Seherlebnis. Die Aufnahme von Premium-Marken wie SPIEGEL in Gratis-Paketen hebt zudem das Image der FAST-Dienste und positioniert sie als echte Alternative zum Bezahlfernsehen.
Die Zukunft dürfte noch mehr Gratis-Kanäle bringen. Im Fokus steht die Balance: Das Angebot muss gut genug sein, um ein großes Publikum anzulocken, und gleichzeitig eine werbefreundliche Umgebung für engagierte Zuschauer bieten. Für Zattoo sind die neuen SPIEGEL-Kanäle wohl nur der Anfang weiterer Expansionen. Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der europäischen Zuschauer geht in die nächste Runde.





