Zertifikatsausfälle: 250.000 Dollar Schaden pro Vorfall im IT-Betrieb

Abgelaufene Zertifikate verursachen teure Ausfälle, während kürzere Laufzeiten den Automatisierungsdruck in Unternehmen weiter erhöhen.

Ein aktueller Branchenbericht zur Verwaltung digitaler Zertifikate verdeutlicht die erheblichen finanziellen und operativen Risiken für Unternehmen. Laut dem DigiCert Certificate Management Outlook führen abgelaufene Zertifikate und fehlerhafte Managementprozesse zunehmend zu kostspieligen Serviceausfällen. Fast jeder vierte Befragte gab an, dass der schwerwiegendste Zertifikatsvorfall in seinem Unternehmen Kosten von über 250.000 US-Dollar verursachte.

Massive Kosten und operative Stillstände

Die Zuverlässigkeit digitaler Zertifikate stellt für viele Organisationen eine wachsende Herausforderung dar. Den Daten zufolge erlebten 34 Prozent der Unternehmen bereits einen Serviceausfall, der direkt auf ein abgelaufenes Zertifikat zurückzuführen war. Bei 40 Prozent kam es zu einer Downtime aufgrund von allgemeinem Zertifikats-Mismanagement.

Die zeitlichen Auswirkungen dieser Ausfälle sind erheblich: Fast drei Viertel der Unternehmen verzeichneten im vergangenen Jahr eine Downtime von mindestens fünf Stunden. Für 21 Prozent der Betroffenen lag die Ausfallzeit sogar bei 25 Stunden oder mehr.

Die Wahrnehmung dieser Vorfälle innerhalb der Unternehmen variiert dabei. Während 57 Prozent Zertifikatsausfälle primär als Problem der IT-Infrastruktur betrachten, stufen 17 Prozent solche Ereignisse als Sicherheitsvorfall ein.

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Hoher Aufwand durch manuelle Prozesse

Die schiere Menge der zu verwaltenden Zertifikate belastet die IT-Abteilungen. Über die Hälfte der befragten Unternehmen muss mehr als 1.000 Zertifikate kontrollieren. Dies führt zu einem hohen administrativen Aufwand: 49 Prozent der Verantwortlichen befassen sich mindestens zwölfmal im Jahr mit dem Zertifikatsmanagement, während 39 Prozent diesen Prozess sechs- bis zehnmal jährlich durchlaufen.

Besondere Sorgen bereitet dabei 52 Prozent der Unternehmen die gleichzeitige Verwaltung von internen und externen Systemen. Die Komplexität wird dadurch verschärft, dass die manuelle Bearbeitung weiterhin dominiert, obwohl die Anforderungen stetig steigen.

Zukünftige Herausforderungen durch kürzere Laufzeiten

Für die kommenden Jahre wird mit einer weiteren Verschärfung der Situation gerechnet. Fast drei Viertel der Unternehmen gehen davon aus, dass das Zertifikatsvolumen in den nächsten zwei Jahren weiter steigen wird. Parallel dazu bereiten sich 70 Prozent auf verkürzte Lebensdauern von Zertifikaten vor.

Ein entscheidender Wendepunkt wird für das Jahr 2029 erwartet, wenn voraussichtlich 47-Tage-TLS-Zertifikate eingeführt werden. Diese Umstellung bedeutet eine über achtmal häufigere Erneuerung der Zertifikate im Vergleich zu aktuellen Standards. Zudem wird die Anzahl der notwendigen Domain-Validierungen um das 40-fache ansteigen.

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Strategische Priorität gegen mangelnde Automatisierung

Trotz der offensichtlichen Risiken klafft eine Lücke zwischen der strategischen Planung und der operativen Umsetzung. Das automatisierte Lebenszyklusmanagement von Zertifikaten wird zwar als dritthöchste Priorität im Bereich der Cybersecurity eingestuft, doch die Implementierung hinkt hinterher. Bisher haben lediglich 10 Prozent der Unternehmen eine entsprechende Automatisierung bereits im Einsatz.

Finanziell spiegelt sich die Bedeutung des Themas bereits in den Budgets wider. Über die Hälfte der Unternehmen wendet mehr als 10 Prozent ihres gesamten Security-Budgets für das Zertifikatsmanagement auf. Angesichts der bevorstehenden Verkürzung der Gültigkeitsdauer wird der Druck auf Unternehmen zunehmen, von manuellen Prozessen auf automatisierte Lösungen umzustellen, um künftige Ausfälle und die damit verbundenen hohen Kosten zu vermeiden.