Mit dem selbst entwickelten Server „Nathu La“ will das Unternehmen die explodierenden Kosten für Künstliche Intelligenz in den Griff bekommen – und seine Unabhängigkeit von ausländischen Technologie-Lieferanten stärken.
Während Unternehmen wie Zoho eigene Hardware für KI-Anwendungen entwickeln, müssen sich deutsche Firmen vor allem mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der neuen Technologie auseinandersetzen. Dieser kostenlose E-Book-Download bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. Kompakten Leitfaden zum EU AI Act jetzt kostenlos sichern
Fünf Jahre Entwicklung in Nagpur
Zwischen dem 10. und 12. Juni 2026 präsentierte Zoho eine Reihe von Neuerungen – die spektakulärste: ein eigenständig entwickelter Server, speziell zugeschnitten auf Large Language Models (LLMs) und KI-Inferenz. Das Besondere: Das Projekt entstand nicht in einem Tech-Hub wie Bangalore, sondern in Nagpur. Unter dem Namen SETU („Self-Empowerment through Training and Upskilling“) wurden Hunderte Studenten ausgebildet und beschäftigt, um eine vollständige Technologie-Infrastruktur aufzubauen.
Fünf Jahre dauerte die Forschung und Entwicklung. Das Ziel: die gesamte Wertschöpfungskette selbst zu kontrollieren. Denn die Kosten für KI-Rechenleistung explodieren – und Zoho will seine Kunden davor schützen.
1.000 Server bereits im Einsatz
Schon heute laufen rund 1.000 dieser Server in Zohos indischen Rechenzentren. Bis Jahresende soll sich die Zahl auf 2.000 verdoppeln. Doch wer auf einen Verkauf der Hardware hofft, wird enttäuscht: Zoho will die Server ausschließlich für die eigene Cloud-Infrastruktur nutzen. Ein kommerzieller Vertrieb an Dritte ist nicht geplant.
Die technischen Daten können sich sehen lassen. „Nathu La“ basiert auf Intel Xeon 6-Prozessoren und setzt auf ein modulares Chassis-Design. Die Effizienzgewinne gegenüber Standard-Hardware sind beachtlich:
- Energieverbrauch: 12 bis 18 Prozent weniger Strom als herkömmliche Server
- Gesamtbetriebskosten (TCO): 20 bis 30 Prozent niedriger – vor allem durch optimierte Hardware-Software-Abstimmung
- Patente: Mehr als fünf Anmeldungen, darunter für das „Data Center Secure Control Module“ (DC-SCM)
Die technische Unabhängigkeit bei KI-Systemen ist ein wichtiger Trend, doch auch die Sicherheit der genutzten Software bleibt für Betriebe erfolgskritisch. Erfahren Sie im Gratis-Report, wie Sie Sicherheitslücken schließen und gleichzeitig die neuen gesetzlichen Anforderungen an Ihre IT erfüllen. Gratis-E-Book: Cyber Security Trends für Unternehmen
Die Server sind zudem kompatibel mit den Standards des Open Compute Project (OCP). Bei kritischen Komponenten wie DDR-Speicher und SSDs setzt Zoho weiterhin auf Partner wie Intel – die Komplexität der Lieferketten bleibt eine Herausforderung.
Ein Signal für Indiens digitale Souveränität
Für Branchenbeobachter ist der Schritt mehr als nur eine Kostenfrage. Zoho stärkt damit die digitale Souveränität Indiens. Wer seine eigenen Server baut, kann eigene Sicherheitsaudits durchführen, die Firmware kontrollieren und ist nicht auf externe Zertifizierungen angewiesen, die Sicherheitslücken offenbaren könnten.
Gleichzeitig verändert sich die Wettbewerbslandschaft im SaaS-Sektor (Software as a Service). Während Konkurrenten wie Salesforce oder SAP auf fremde Cloud-Infrastruktur angewiesen sind, besitzt Zoho jetzt die gesamte Kette – vom Chip bis zur Anwendung. Das könnte dem Unternehmen einen entscheidenden Kostenvorteil verschaffen und seine Kunden vor Preissprüngen bei KI-Diensten schützen.
Doch der vielleicht wichtigste Effekt ist ein symbolischer: „Nathu La“ beweist, dass hochwertige Elektronik „Designed in India“ möglich ist – und das außerhalb der traditionellen globalen Fertigungszentren. Ein Projekt, das weit über Zoho hinausweist.

