Auf der hauseigenen Konferenz Zoomtopia hat Zoom eine neue Technologiearchitektur namens Unified Context Layer präsentiert. Die Plattform verknüpft Gesprächsverläufe aus Zoom und angebundenen Drittanwendungen mit Dokumenten und Unternehmensdaten, um diesen Kontext sowohl menschlichen Mitarbeitern als auch KI-Agenten zugänglich zu machen.
Nach Angaben von Vorstandschef Eric Yuan entscheide der vorliegende Kontext maßgeblich über den tatsächlichen Nutzen künstlicher Intelligenz. Produktchef Russell Dicker betonte, der Fokus liege darauf, die Lücke zwischen gesprochenen Inhalten und anschließenden Handlungen zu schließen.
Wissensgraph und anwendungsübergreifende Suche
Der Unified Context Layer sammelt Informationen aus Konversationen, Dateien sowie Konnektoren und baut daraus einen kontinuierlich aktualisierten Graphen aus Personen, Themen und Beschlüssen auf. Als Datenbasis dienen Zoom-eigene Anwendungen wie Meetings, Phone, Team-Chat, Contact Center, Revenue Intelligence und Events. Gleichzeitig bestehen Schnittstellen zu Drittsystemen wie Salesforce, ServiceNow, Workday und Jira.
Darauf aufbauend hat das Unternehmen die Funktion Agentic Search freigeschaltet. Sie durchsucht neben den internen Zoom-Kommunikationskanälen über 40 externe Unternehmensanwendungen, darunter Google Drive, Microsoft OneDrive, ServiceNow und Workday.
Ebenfalls verfügbar sind sogenannte ZoomMate AI Agent Teams. Bei diesem System übernimmt ein übergeordneter Führungsagent die Aufteilung von Projektschritten an spezialisierte Unteragenten, die Aufgaben parallel abarbeiten. Die gebündelten Resultate werden anschließend zur Prüfung durch Menschen vorgelegt.
Die Integration von KI in die Unternehmenskommunikation bietet enorme Chancen, erfordert aber auch die Einhaltung komplexer neuer Regularien wie dem EU AI Act. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen den notwendigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Nach Angaben von Produktchef Russell Dicker habe dieser Ansatz in internen Leistungsmessungen die Kosten im Vergleich zu isoliert agierenden Agenten um 45% bis 65% gesenkt; eine unabhängige Prüfung dieser Werte liegt nicht vor.
Zeitplan für Workflows und Modellintegrationen
Für Oktober 2026 kündigte Zoom die Einführung von My Notes Workflows an, die Gesprächszusammenfassungen automatisiert an Zoom Chat oder Salesforce übermitteln. Für Dezember 2026 sind unter anderem personalisierte Transkripte unter dem Namen Follow the Meeting, Bildschirmaufnahmen in Transkripten sowie eine mobile Notizen-App geplant.
Hardware-Erweiterungen wie die DTEN Action Card sollen im November 2026 folgen, während Ergänzungen wie Bota Leaf und Bean für das erste Quartal 2027 angesetzt sind.
Zudem öffnet Zoom seine Plattform für externe KI-Modelle. Ab November 2026 lassen sich Zoom-Workflows direkt über Claude und Codex starten. Über neue Schnittstellen können externe Werkzeuge wie ChatGPT, Claude, Gemini und Muse den Context Layer abfragen. Die Entwicklerplattform wird durch Zoom AI Services um 15 Dienste ergänzt, darunter Werkzeuge zur Echtzeit-Sprachübersetzung, Zusammenfassung und Entscheidungsfindung.
Mit der zunehmenden Vernetzung von KI-Systemen und Unternehmensdaten wachsen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit und den rechtlichen Rahmen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche neuen Cyberrisiken und rechtlichen Pflichten durch moderne KI-Gesetze auf Ihr Unternehmen zukommen. Kostenlosen Cyber-Security-Report herunterladen
Ausbau im Kundenservice und Marktumfeld
Im Bereich Contact Center und Telefonie fungiert die Plattform als gemeinsames Gedächtnis für Kundeninteraktionen. Ein Customer Workflow Orchestrator steht ab sofort zur Verfügung, dynamische Kundenprofile folgen ab November 2026, und ein Kiosk-Kanal für den Virtual Agent ist ebenfalls für diesen Monat vorgesehen. Das Werkzeug Source Hub zur Fallbearbeitung in Fremdsystemen startet Anfang 2027 zunächst mit Salesforce-Anbindung.
Mit dem Ausbau reagiert Zoom auf das veränderte Arbeitsumfeld und die Konkurrenz durch Angebote wie Microsoft Teams Copilot oder Google Gemini in Google Meet. Laut Erhebungen von Deloitte berichten 94% der Beschäftigten von Problemen rund um Besprechungen, während unter 60% der Mitarbeiter mit KI-Zugang die Systeme täglich verwenden.
Zoom selbst verweist darauf, dass Anwender eigener KI-Funktionen Aufgaben doppelt so schnell erledigen und zu 72% von einem hohen oder extrem hohen geschäftlichen Nutzen berichten, verglichen mit einem Marktdurchschnitt von 63%. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Unternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 5 Mrd. USD in Aussicht.

