Der Sicherheitsdienstleister Kaspersky hat eine umfangreiche Analyse zur Bedrohungslage digitaler Arbeitsumgebungen vorgelegt. Laut den am 19. August 2026 veröffentlichten Daten wurden im Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 insgesamt 4.781.846 Angriffsversuche auf Software-Tools für den Arbeitsplatz registriert.
Die Angriffe zielen primär auf weit verbreitete Anwendungen für Kommunikation und Zusammenarbeit ab, wobei die Kriminellen ihre Methoden zunehmend an aktuelle Technologietrends anpassen.
Zoom und Outlook im Visier der Angreifer
Nach Angaben von Kaspersky ist der Videokonferenzdienst Zoom das am häufigsten missbrauchte Werkzeug. Mit 2.658.283 registrierten Angriffsversuchen entfällt mehr als die Hälfte des gesamten Volumens auf diese Plattform. Dahinter folgt die E-Mail-Lösung Outlook mit 1.546.122 Vorfällen. Weitere Ziele sind Cloud- und Office-Anwendungen wie OneDrive (197.030), Excel (151.948) und Teams (111.402).
Die Bedrohungen lassen sich in verschiedene Kategorien unterteilen. Mit 2.733.204 Fällen bilden sogenannte Downloader die größte Gruppe. Diese Programme dienen dazu, weitere Schadsoftware auf ein infiziertes System nachzuladen.
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Zudem identifizierten die Experten 989.377 Trojaner und 341.165 Exploits, die gezielt Sicherheitslücken in der Software ausnutzen. Die Angriffe werden häufig als legitime Arbeitswerkzeuge getarnt und insbesondere im Vorfeld intensiver Geschäftssaisons registriert, um die erhöhte Kommunikation in Unternehmen auszunutzen.
Künstliche Intelligenz als neuer Tarnmantel
Ein wachsender Trend in der Cyberkriminalität ist die Instrumentalisierung des Hypes um künstliche Intelligenz (KI). Im laufenden Jahr meldete Kaspersky bereits rund 92.000 Angriffe, die als KI-Dienste getarnt waren. Etwa die Hälfte dieser Versuche entfiel auf gefälschte Applikationen für ChatGPT. Die Dienste Claude und Gemini machten jeweils 18 Prozent der als KI-Tools maskierten Schadprogramme aus.
Besorgniserregend sei zudem die Entdeckung von über 15.000 Malware-Proben, die als sogenannte agentische KI-Software getarnt sind. Diese Form der Schadsoftware nutzt das Vertrauen der Nutzer in autonome KI-Assistenten aus.
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Als Hintergrund für die steigende Professionalisierung der Angriffe verwiesen die Analysten auf Vorfälle wie den Supply-Chain-Angriff auf Axios im März 2026, bei dem wöchentlich 100 Millionen Downloads verzeichnet wurden und rund 170.000 Pakete betroffen waren.
Fortschrittliche Angriffsmethoden und behördliche Warnungen
Neben breit gestreuten Kampagnen beobachten Forscher hochspezialisierte Methoden. Das im Juli 2026 entdeckte Python-Implantat TWINLOOT nutzt beispielsweise SharePoint Online, Teams-Relays und den Edge-Browser für die Kommunikation mit den Kontrollservern der Angreifer. Über Social Engineering in Teams verschaffen sich die Akteure initialen Zugang, um anschließend Windows-Zugangsdaten über gefälschte Sperrbildschirme zu stehlen.
Auch die Plattform Mirage2FA, die nach dem Modell „Phishing-as-a-Service“ operiert, stellt ein erhebliches Risiko dar. Sie ist darauf spezialisiert, Microsoft-365-Sitzungscookies selbst nach einer erfolgreichen Multifaktor-Authentisierung (MFA) zu entwenden. Bisher seien 9.426 Konten betroffen, wobei die Technologiebranche mit einem Anteil von 19,2 Prozent die Hauptzielgruppe bildet.
Angesichts der dynamischen Bedrohungslage hat die US-Sicherheitsbehörde CISA zur Eile gemahnt. Unternehmen sind aufgefordert, vier aktiv ausgenutzte Schwachstellen bis zum 21. August zu schließen.
Betroffen sind kritische Lücken in Windows IKE (CVE-2026-33824), SharePoint (CVE-2026-55040) und VMware vCenter (CVE-2026-59310), die jeweils mit hohen Schweregraden von bis zu 9,8 bewertet wurden. Zudem wurde eine Sicherheitslücke in der macOS-Bildschirmfreigabe (CVE-2026-65400) identifiziert.

