Arbeiten im Ruhestand–immer mehr tun es

Im Jahr 2014 ist jede vierte ehrenamtlich engagierte Person im Alter von 50 bis 85 Jahren in einer Seniorengruppe aktiv: Jüngere engagieren sich seltener in seniorenspezifischen Gruppen als Ältere. Zwischen den Jahren 1996 und 2014 ist der Anteil von Engagierten in Seniorengruppen an der Bevölkerung von 2,1 Prozent auf 5,6 Prozent gestiegen. Früher war es so, dass bis zum Eintritt ins Rentenalter gearbeitet wurde. Danach war Schluss, Feierabend. Zwischenzeitlich gibt es einen neuen Trend: Menschen im Ruhestand arbeiten nebenher. Was treibt sie? Not oder Lust, etwas zu schaffen?


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Die Studie Deutscher Alterssurvey (DEAS): Die zweite Lebenshälfte hat genauer hingeschaut und Daten bis 2014 erhoben (Befragungen erfolgten 2002, 2008, 2011 und 2014). Befragt wurden Personen, die älter als 40 Jahre sind, sich also in der zweiten Lebenshälfte befinden.

Die teilnehmenden Personen wurden jeweils umfassend zu ihrer Lebenssituation befragt, unter anderem zu ihrem beruflichen Status oder ihrem Leben im Ruhestand, zu gesellschaftlicher Partizipation und nachberuflichen Aktivitäten, zu wirtschaftlicher Lage und Wohnsituation, zu familiären und sonstigen sozialen Kontakten sowie zu Gesundheit, Wohlbefinden und Lebenszielen. Hier einige Kernaussagen der Studie:

  • Ein zunehmender Anteil an Menschen ist auch nach dem Eintritt in den Ruhestand erwerbstätig: Der Anteil der Erwerbstätigen im Ruhestand nimmt von 5,1 Prozent im Jahr 1996 auf 11,6 Prozent im Jahr 2014 zu. Erwerbstätig sind im Jahr 2014 vor allem Männer zwischen 60 und 71 Jahren sowie Personen mit einem hohen Bildungsniveau.
  • Der Anteil von Personen, die ein ehrenamtliches Engagement ausüben, hat sich unter den 40- bis 85-Jährigen zwischen den Jahren 1996 und 2014 verdoppelt: Während im Jahr 1996 etwa jede zehnte Person (11,7 Prozent) ist es im Jahr 2014 schon fast jede vierte (22,2 Prozent).
  • Im Jahr 2014 ist jede vierte ehrenamtlich engagierte Person im Alter von 50 bis 85 Jahren in einer Seniorengruppe aktiv: Jüngere engagieren sich seltener in seniorenspezifischen Gruppen als Ältere. Zwischen den Jahren 1996 und 2014 ist der Anteil von Engagierten in Seniorengruppen an der Bevölkerung von 2,1 Prozent auf 5,6 Prozent gestiegen.
  • Das durchschnittliche Einkommen ist zwischen 1996 und 2014 stetig gestiegen, es bestehen aber weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Das reale Einkommen ist unter Berücksichtigung der Preisentwicklung allerdings relativ stabil geblieben. Die Einkommensentwicklung ist seit 1996 für Ost- und Westdeutschland ähnlich. Allerdings liegt das Einkommen in Ostdeutschland in allen Befragungsjahren unter dem Niveau Westdeutschlands. Ältere Menschen sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht überdurchschnittlich von Armut gefährdet.
  • Der Anteil der Menschen, die in der Lebensform der Ehe ins Alter kommen, ist gesunken: Während von den 40- bis 54-Jährigen im Jahr 1996 noch 82,6 Prozent verheiratet zusammenlebend waren, sind es im Jahr 2014 nur 67,4 Prozent. Bei den unter 70-Jährigen hat zudem der Anteil der unverheiratet oder in zweiter Ehe Zusammenlebenden und der Menschen ohne Paarbeziehung zugenommen. Die über 70-Jährigen sind dank der steigenden Lebenserwartung häufiger verheiratet und seltener verwitwet als 1996. Unter den Ältesten (70 bis 85 Jahre) lag der Anteil Verwitweter im Jahr 1996 bei 39,1 Prozent, im Jahr 2014 bei nur noch 24,0 Prozent.
  • Die Erwerbsarrangements der Paare mittleren Alters (Frau 40 bis 65 Jahre alt) haben sich verändert: Der Anteil der ‚Hausfrauenehen‘ (nur Mann erwerbstätig) ist zwischen 1996 und 2014 von 25,7 auf 15,4 Prozent gesunken. Zugenommen haben im gleichen Zeitraum Arrangements, bei denen auch die Frau erwerbstätig ist – im Westen allerdings häufig nur teilzeitbeschäftigt, im Osten überwiegend in Vollzeit. Bei rentennahen Altersgruppen sind häufiger Konstellationen anzutreffen, bei denen der Mann schon im Ruhestand ist, während die Frau noch arbeitet.

Leider wurden die Gründe, warum Senioren im Ruhestand noch arbeiten, von der Studie nicht erhoben. Allerdings gibt es indirekte Hinweise, dass es am “wollen” und nicht am “müssen” liegen könnte. Der Bildungsgrad hat einen Einfluss auf die Tätigkeit im Alter zwischen 40 und 65 Jahre. Bei niedrigem Bildungsniveau sind lediglich 50,6 % (also nur jeder zweite) erwerbstätig. Bei mittlerem Bildungsniveau steht es auf  70,8 % und bei Menschen mit hohem Bildungsabschluss bei liegt die Erwerbstätigkeit bei 81,5 % (also 4 von 5 Personen). Es deutet also vieles darauf hin, dass der Wille “noch etwas zu tun” und der Spass an der Tätigkeit, der Grund für die gestiegene Erwerbstätigkeit im Rentenalter sein kann.

In der Regel handelt es sich um Teilzeitarbeit, die nicht unbedingt an den früheren Arbeitgeber gebunden ist. Allerdings arbeitet 1/4 der Ruheständler für die ehemaligen Arbeitgeber. Im Bereich der Seniorenerwerbstätigkeit gehen die Ruheständler aber häufiger einer selbständigen Tätigkeit nach. Als da allerdings eine politische Botschaft lanciert und gestützt werden soll – regulär Arbeiten bis 70 – vermag ich nicht zu beurteilen. Einige Schlussfolgerungen der Studie lassen sich bei Spiegel Online nachlesen. Die Studie Deutscher Alterssurvey (DEAS): Die zweite Lebenshälfte gibt zusätzlich Auskunft zu weiteren Fragen wie Wohnsituation, Gesundheit, Zufriedenheit im Alter. Bei Interesse also einfach mal nachlesen (die PDF-Datei ist aber recht lang).

Abschließend die Frage: Arbeiten Sie noch im Ruhestand oder stehen eher Hobbies bzw. ehrenamtliche Tätigkeiten auf dem Tagesplan?


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