Methadon zur Schmerzbehandlung bei Krebs

GesundheitMethadon ist ein opioides Schmerzmittel und ist vor allem als Ersatzdroge für Heroinabhängige bekannt. Dabei kann Methadon als opioides Schmerzmittel zur Behandlung von Personen mit durch Krebs verursachten Schmerzen eingesetzt werden.


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Eine von zwei oder drei Personen, die an Krebs erkranken, leidet an moderaten oder schweren Schmerzen. Der Schmerz verschlimmert sich häufig bei fortschreitender Krebserkrankung. Methadon wird seit vielen Jahren, als eines von mehreren Schmerzmitteln, gegen durch Krebs verursachte Schmerzen, verwendet.

Oral (durch den Mund) eingenommenes Methadon führt zu einer guten Schmerzlinderung für die meisten Erwachsenen mit moderaten oder schweren Krebsschmerzen. Das hat jetzt ein Cochrane-Review aus insgesamt 6 Studien mit insgesamt 388 erwachsenen Teilnehmern ergeben.

Studienmerkmale

Im aktualisierten Cochrane-Review wollte man wir herausfinden, wie gut Methadon wirkt, wie viele Menschen Nebenwirkungen hatten, und wie schwer diese Nebenwirkungen waren. Beispielsweise: Gibt es Nebenwirkungen, die so schwerwiegend waren, dass die Teilnehmer die orale Einnahme von Methadon beendeten.

Im Mai 2016 fanden die Cochrane-Reviewer lediglich sechs Studien mit insgesamt 388 erwachsenen Teilnehmern. Die Studien waren oft klein, und verglichen verschiedene Präparate. Daher wird die Qualität der Evidenz von den Reviewern als niedrig oder sehr niedrig (d.h. als weniger verlässlich) eingestuft.

Die Hauptergebnisse des Reviews

Bei der Linderung von Schmerzen scheint es keinen großen Unterschied zwischen Methadon und Morphium zu geben. Bei den meisten Personen wurde der Schmerz mit Methadon von moderat bis stark zu mild oder keinem Schmerz reduziert. Unerwünschte Wirkungen, verbunden mit Methadon, sind vor allem Schlafstörungen, Verstopfung und ein trockener Mund. Diese können so schwerwiegend sein, dass die Menschen aufhören Methadon zu nehmen. Es gab keine Daten zur Behandlung von Kindern mit Methadon.

Die Cochrane-Reviewer schreiben: Wir würden gerne mehr Konsistenz im Studiendesign sehen, und vor allem in der Berichterstattung der Studien. Diese sollte Informationen über unerwünschte Wirkungen und den Endpunkt einer Schmerzlinderung bis zu einem tolerierbaren Niveau umfassen. D.h. nicht schlimmer als leichte Schmerzen, so dass Menschen mit Krebs durch den Schmerz nicht gestört sind.

Nicholson AB. Methadone for cancer pain. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 4. Art. No.: CD003971. DOI: 10.1002/14651858.CD003971.pub3

Nachtrag: Methadon zur Krebsbekämpfung?


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Die Intension des Artikels war ursprünglich, die Verwendung von Methadon als Schmerzmittel in der Krebstherapie darzustellen. Es gibt aber eine Ulmer Wissenschaftlerin, die Methadon eine Wirksamkeit bei der Bekämpfung von Krebs nachsagt. Bei SWR ist der Beitrag Methadon: Eine echte Hilfe gegen Krebs? (gelöscht) veröffentlicht worden, der einige Informationen enthält.

Eine gute Übersicht zu diesem Thema findet sich in diesem Artikel bei scinexx.de. Zudem ist in der Sendung ‚Hauptsache gesund‘ des MDR das Thema behandelt worden. Botschaft der Sendung: Offenbar hat die Pharmaindustrie kein Interesse am Thema, weil diese Therapie – im Vergleich zur viel teureren Behandlung mit Krebsmedikamenten – sehr preiswert ist. Auch auf NDR ist hier das Thema aufgegriffen worden.

Ergänzende Stellungnahme des Uniklinikum Ulm

In den Medien scheint es Berichte gegeben zu haben, dass Methadon auch die Wirkung bei der Behandlung von Krebserkrankungen verstärke. Dies basiert wohl auf vorklinischen Experimenten an Zellkulturen, die am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm durchgeführt wurden.

Das Thema hat zwar wenig mit der oben erwähnten Cochrane-Studie zu tun, die auf mehreren anderen Studien aufsetzt. Aber ich stelle die betreffende Information an dieser Stelle ebenfalls ein. Denn in einer gemeinsamen Stellungnahme gehen die Medizinische Fakultät der Universität Ulm, das Universitätsklinikum Ulm und dasComprehensive Cancer Center Ulm auf das Thema ‚Methadon zur Tumorbehandlung‘ ein. Sie schreiben: ‚

Durch aktuelle Beiträge in Print- und Online-Medien, Rundfunk und Fernsehen entstand bei Patienten und manchen Ärzten der Eindruck, dass es gute klinische Evidenz dafür gäbe, dass eine Behandlung mit Methadon bei Patienten mit verschiedenen Tumorerkrankungen (insbesondere Glioblastomen und Leukämien) die Wirkung von Chemotherapien verstärkt. Es wurde dargestellt, dass dieses Therapiekonzept sich insbesondere bei Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung bewährt habe, insgesamt seien über 80 Patienten erfolgreich behandelt worden.‘

Diese Patienten wurden nicht am Universitätsklinikum Ulm und nicht im Rahmen einer klinischen Studie behandelt, sondern erhielten Methadon entweder als Schmerztherapeutikum bei Tumorschmerzen oder im Rahmen eines  „Off Label“-Einsatzes des Medikaments.

Die wissenschaftlichen Daten, die von der Arbeitsgruppe der Chemikerin Frau Dr. Friesen, die am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm als Wissenschaftlerin tätig ist, erhoben wurden, beziehen sich ausschließlich auf vorklinische Experimente, d.h. Experimente in Zellkulturen oder wenige tierexperimentelle Studien. Diese Daten lassen sich nicht automatisch auf die Situation beim Patienten übertragen. Es gibt in der Fachliteratur zahlreiche Berichte zur möglichen Wirkungsverstärkung von Chemotherapeutika, oder zur Resensitivierung von Tumoren für eine bestimmte Systemtherapie. Viele dieser vorklinischen Konzepte zeigten allerdings in kontrollierten Studien bei Patienten dann nicht den gewünschten Effekt.

Bei den bisher vorliegenden retrospektiven Analysen von Einzelfällen, bei denen eine Kombination aus Chemotherapie und Methadon eingesetzt wurde,  bleibt unklar, ob die beobachteten Therapieverläufe direkt auf die Methadon-Einnahme zurückzuführen sind. Um die Wirksamkeit des Einsatzes von Methadon zur Co-Therapie von Tumoren tatsächlich zu beurteilen, ist es daher unbedingt notwendig, prospektive, kontrollierte, randomisierte Studien durchzuführen.

Wir stimmen daher mit der kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) verfassten Stellungnahme überein, dass die Wirksamkeit von Methadon in kontrollierten Studien überprüft werden muss und eine unkritische Off-Label-Anwendung von Methadon nicht gerechtfertigt ist. Dies gilt umso mehr, wenn Patienten im Glauben an die Wirksamkeit von Methadon gut etablierte und  wirksame Therapiekonzepte für ihre Tumorerkrankung ablehnen, da sie mit Methadon behandelt werden wollen.

Überdies ist festzuhalten, dass Methadon als Opioid, dessen Verschreibung dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, deutliche Nebenwirkungen haben kann, die u.a. die Lebensqualität von Patienten beeinträchtigen können.

Die Medizinische Fakultät der Universität Ulm, das Universitätsklinikum Ulm und das Comprehensive Cancer Center Ulm unterstützen daher nachdrücklich die Durchführung kontrollierter klinischer Studien, um auf der Basis von belastbaren präklinischen Daten die Frage der Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Methadontherapie bei Patienten mit Tumorerkrankungen nach etablierten wissenschaftlichen Standards zu klären. Außerhalb klinischer Studien unterstützen die genannten Institutionen jedoch aus den oben genannten Gründen den unkontrollierten Einsatz von Methadon in der Tumortherapie nicht.


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