Deutsche trinken zu viel Alkohol

GesundheitAlkoholkonsum verursacht der Gesellschaft direkte und indirekte Kosten von rund 39 Milliarden Euro im Jahr. Dem gegenüber stehen Einnahmen durch die Alkoholsteuer von nur 3,2 Milliarden Euro. Doch wer trinkt und in welchem Maße?


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Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren – und der Verzicht auf Alkohol fällt vielen schwer. Nur um die 3 % der Erwachsenen in Deutschland verzichten komplett auf Alkohol. Das geht aus dem ersten Alkoholatlas für Deutschland hervor, den Forscher des Krebsforschungszentrums (DKFZ) jetzt vorgestellt haben. Ein weiteres Ergebnis:  9,5 Millionen Menschen trinken zu viel Alkohol. Riskanter Alkoholkonsum ist in gehobenen sozioökonomischen Schichten stärker verbreitet als etwa unter Arbeitslosen. Darüber hinaus gibt es enorme regionale Unterschiede beim Trinkverhalten und bei den gesundheitlichen Folgeschäden.

  • So konsumieren rund 70 Prozent der Männer mit hohem Sozialstatus mindestens einmal in der Woche Alkohol, 58 Prozent der Männer mit mittlerem Sozialstatus und nur 49 Prozent der Männer mit niedrigem Sozialstatus.
  • Von den Frauen mit hohem Sozialstatus trinkt rund die Hälfte mindestens wöchentlich Alkohol und 21 Prozent trinken wöchentlich sogar riskante Mengen. Von den Frauen mit niedrigem Sozialstatus konsumiert lediglich ein Viertel mindestens wöchentlich Alkohol und nur rund neun Prozent tun dies in riskanten Mengen.

Was bedeutet ein riskanter Alkoholkonsum genau? Wie viel und wie oft kann man alkoholische Getränke zu sich nehmen? Hier definieren die Forscher die Grenze für einen riskanten Alkoholkonsum folgendermaßen:

  • Wenn Frauen mehr als ein Glas Bier (0,3l) oder 0,1l Wein pro Tag trinken.
  • Wenn Männer mehr als zwei Gläser (0,6l) Bier oder 0,2l Wein täglich zu sich nehmen.

Der Alkoholkonsum sinkt zwar in Deutschland, aber immer noch trinkt etwa ein Sechstel der Erwachsenen riskante Mengen Alkohol. Insgesamt ist die Anzahl derer, die Alkohol in gesundheitlich problematischer Menge zu sich nehmen, enorm – allein in Deutschland gilt der Alkoholkonsum von etwa 9,5 Millionen Menschen als riskant. Ganz abstinent legen nur knapp 3 % der Deutschen Erwachsenen. Hier noch einige Fakten aus dem Alkoholatlas.

  • Der Pro-Kopf-Verbrauch von Reinalkohol der über 15-jährigen Bevölkerung lag im Jahr 2014 bei 11,0 Litern (5,9 l Bier, 3,1 l Wein/Schaumwein, 2,1 l Spirituosen). Damit liegt Deutschland etwas über dem durchschnittlichen Alkoholkonsum der EU-Mitgliedstaaten von 10,6 Litern.
  • Der durchschnittliche Alkoholkonsum sank bei 18- bis 59-jährigen Männern von 22 g Reinalkohol/Tag im Jahr 2000 auf 16 g im Jahr 2015. Bei den gleichaltrigen Frauen hat sich die getrunkene Menge kaum verändert und lag im Jahr 2015 bei 9 g Reinalkohol/Tag.
  • 18 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen nehmen riskante Mengen Alkohol zu sich (>20 g Reinalkohol/Tag für Männer und >10 g Reinalkohol/Tag für Frauen), vor allem unter 25-Jährige und Personen zwischen 45 und 65 Jahren.
  • Der Anteil der Risikokonsumenten ist bei den Männern, die wöchentlich Alkohol trinken, in Thüringen, Sachsen und Berlin (je 22 %) am höchsten, in Bremen (15,5 %) und Schleswig-Holstein (14,7 %) am niedrigsten; bei den Frauen findet sich der größte Anteil der Risikokonsumentinnen in Hamburg (16,7 %) und Berlin (16,0 %), der niedrigste Anteil in Brandenburg (9,4 %).
  • Bei Jungen sank der regelmäßige Alkoholkonsum von 2004 bis 2015 von 26 auf 14 %, bei Mädchen von 16 auf 6 %.
  • Im Jahr 2015 trinken immer noch jeweils 4 % der Jungen und Mädchen Alkohol in Mengen, die bei Erwachsenen als riskanter Konsum eingestuft werden – allerdings deutlich weniger als noch im Jahr 2007, als 13 % der Jungen und 11 % der Mädchen riskante Alkoholmengen tranken.

Das Problem beim riskanten trinken von Alkohol: Dieser ist an der Entstehung von über 200 Krankheiten beteiligt und kann abhängig machen

  • Sowohl ein hoher kurzfristiger als auch ein langfristiger Alkoholkonsum können beim Konsumenten körperliche, psychische und soziale Schäden verursachen und durch Unfälle und Aggression andere Personen schädigen.
  • Ein erhöhter Alkoholkonsum steigert das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und verschiedene Krebsarten, schädigt das Gehirn und das Nervensystem, schwächt das Immunsystem und schädigt die Leber.
  • Während der Schwangerschaft kann ein erhöhter Alkoholkonsum eine fetale Alkoholspektrumstörung verursachen, bei der die Kinder schwere bleibende geistige und körperliche Beeinträchtigungen erleiden.
  • Alkoholkonsum kann unter dem Einfluss verschiedener Faktoren zu einer Alkoholabhängigkeit führen.

Gut zwei Prozent aller Todesfälle sind auf Alkoholkonsum zurückzuführen, wobei deutliche regionale Unterschieden bestehen. Am häufigsten werden ausschließlich alkoholbedingte Krankheiten bei Männern in Mecklenburg-Vorpommern diagnostiziert, am seltensten in Baden-Württemberg; bei Frauen wurden die meisten solcher Diagnosen in Bremen gestellt, die wenigsten in Baden-Württemberg.

Eine Alkoholabhängigkeit wurde im Jahr 2015 bei über 100000 Männern und rund 36000 Frauen diagnostiziert. Im Jahr 2012 starben in Deutschland rund 21000 Menschen im Alter von 16 bis 64 Jahren an alkoholbedingten Erkrankungen – dies entspricht 2,3 % aller Todesfälle in diesem Jahr. Weitere Details lassen sich hier herunterladen (PDF-Datei).


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