Die Fledermaus, die nicht altert

Biologen der Universität Greifswald haben gemeinsam mit Forschern des Max-Planck-Instituts für Demographische Forschung (MDIPR) aus Rostock eine interessante Erkenntnis gewonnen: Bechsteinfledermäuse altern nicht!


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Normalerweise gilt ja, dass fast alle Lebewesen eine ungleiche Sterblichkeitsrate über das Alter aufweisen. Bei Säugetieren ist die Sterblichkeit kurz nach der Geburt recht hoch, sinkt dann, um mit steigendem Alter wieder anzusteigen.

„Jedes Tier hat, aus evolutionärer Sicht, das Bestreben möglichst viele Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Um das zu erreichen gibt es verschiedene evolutionäre Anpassungsstrategien. Bei den kleinen Säugetieren ist es häufig so, dass sie nicht sehr lange leben und in dieser kurzen Lebensspanne viele Junge bekommen”, erklärt Alexander Scheuerlein, einer der beteiligten Forscher. Größere und langlebigere Arten, wie zum Beispiel der Elefant, leben deutlich länger und bekommen wenige Junge, für die sie dann aber ihre ganzen Ressourcen einsetzen.

Bechsteinfledermäuse altern nicht

Bechsteinfledermäuse sind sehr klein und nur 10 Gramm schwer, aber besonders langlebig. Das älteste je erfasste Tier brachte es auf stolze 21 Jahre, eine verwandte Art, die Brandt-Fledermaus wurde sogar mindestens 42 Jahre alt. Die Fledermäuse fallen also aus dem Muster, dass kleine Tiere nur sehr kurz leben und viele Junge bekommen, heraus. Die Fledermäuse und haben sich wohl eine andere evolutionäre Strategie angeeignet: Bechsteinfledermäuse bekommen maximal ein Junges pro Jahr und ihre Sterblichkeit nimmt bis ins hohe Alter kaum zu. Sie altern also scheinbar nicht.

Fledermäuse
(Bechsteinfledermäuse – Foto: Gerald Kerth – Quelle: Uni Greifswald)

„Von den rund 1.000 Fledermaus-Arten, die es weltweit gibt, sind schätzungsweise ein Viertel langlebig. Bei denen vermuten wir, dass sie ähnliche Muster in der Alterung aufzeigen. Eng miteinander verwandt sind diese langlebigen Arten aber nicht. Vermutlich hat sich die Langlebigkeit der Fledermäuse mehrere Male unabhängig im Lauf der Stammesgeschichte der Fledermäuse entwickelt”, sagt Alexander Scheuerlein.

Wie die Fledermäuse es schaffen, so außerordentlich alt zu werden, dafür haben die Forscher mehrere mögliche Erklärungen. Eine ist, dass die langlebigen Arten vor allem in den temperierten Zonen vorkommen und einen Winterschlaf machen, bei dem sie ihre Körpertemperatur massiv herabsetzen, nämlich auf etwa zwei bis zehn Grad Celsius. Der Stoffwechsel ist bei diesen Temperaturen extrem heruntergefahren, was zu einer Verringerung der molekularen Schäden und demnach zu einer Verlangsamung der Alterung führen könnte. Allerdings werden auch tropische Fledermausarten ungewöhnlich alt, so dass noch andere Mechanismen die hohe Lebenserwartung von Fledermäusen bewirken müssen.

Die Erkenntnisse der Forscher sind nicht nur für die Altersforschung wichtig, sondern auch, um die Tiere besser schützen zu können. Bei Interesse lassen sich einige Details in der Information der Universität Greifswald sowie der Zeitschrift Nature (Englisch) entnehmen.


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