Arbeiten im höheren Lebensalter … warum nicht?

Im heutigen Blog-Beitrag möchte ich einen Blick auf das Thema ‘Arbeiten im höheren Alter’, entweder kurz vor der Rente/Pension oder nach dem Eintritt in den Ruhestand werfen. Wer will das schon? Wenn ja, was ist zu beachten, was sollte man wissen? Hier einige Gedanken und Informationen zum Thema.


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Keine Ahnung, ob das Thema für Sie als Blog-Leser-/in überhaupt relevant ist. Der eine oder andere Mensch im Rentenalter muss vielleicht noch arbeiten, weil die Ruhestandbezüge zu gering sind. Andere wollen noch nicht zum alten Eisen gehören und haben eine unbändige Lust, noch ein wenig zu arbeiten.

Und dann gibt es noch die Gruppe der Menschen, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, aber körperlich oder gesundheitlich vielleicht nicht mehr ganz so fit sind und bestimmte Maßnahmen ergreifen müssen, um weiter ohne Probleme arbeiten zu können. Es gibt ganz verschiedene Gründe, zu arbeiten.

Ich selbst falle in die letztgenannte Gruppe, und stand mit 60 Jahren nach einem Sportunfall mit Querschnittssymptomatik vor der Frage: Kannst Du noch weiter arbeiten. Denn nach 18 Monaten endete die Krankengeldzahlung der gesetzlichen Krankenkasse. Die Sportversicherung zahlte nur einen anteiligen Pauschalbetrag. Ein Renteneintritt wäre möglich gewesen, bot für mich aber (zu) viele Fallstricke. Gemeinsam mit meinem Arzt und meiner Krankenkasse habe ich ein Programm zur beruflichen Wiedereingliederung besprochen und absolviert. Da ich mein eigener Arbeitgeber bin, konnte ich die zunächst 2, dann 3 Stunden tägliche Arbeitszeit gut planen. Seit nunmehr etwas über einem Jahr arbeite ich wieder regulär bis zu 4 Stunden täglich.

Wer vor der Entscheidung ‘Arbeiten im Alter’ steht, sollte sich (aus meinen obigen Erfahrungen) mit einer Reihe an Fragen auseinander setzen. Neben dem schlichten ‘Klappt das so ohne weiteres mit dem Arbeiten im Alter?’ gilt es rechtliche und möglicherweise arbeitsmedizinische Fragestellungen zu klären.

Man darf auch nach 65 noch arbeiten!

Die gute Nachricht: Mit 65 Plus ist noch lange nicht (zwingend) Schluss. Niemand kann Ihnen im Alter die Arbeit verbieten. Wenn Sie arbeiten möchten und können, dürfen Sie dies auch tun. Selbst die Altersgrenze für Ärzte von 68 Jahren ist in Deutschland seit Jahren aufgehoben. Jeder Zehnte zwischen 65 und 74 arbeitet, laut statistischem Bundesamt, noch (wobei eine Stunde Arbeit als Minijobber pro Woche bereits zählt). Selbst der Ehrenamtliche, der eine Aufwandsentschädigung erhält, fällt in diese Gruppe.

Was darf ich neben der Rente verdienen?

Aber Obacht: Wer Rente erhält, muss gesetzliche Regeln im Hinblick auf die anrechnungsfreie Höchstgrenze beachten. Für Österreich, die Schweiz oder die deutschsprachigen Regionen in Südtirol, Luxemburg oder Belgien kenne ich persönlich die Regeln nicht. In Deutschland ist die Sachlage genau geregelt. Die Deutsche Rentenversicherung gibt die Hinzuverdienstgrenze für 2018 mit 6.300 Euro an. So viel dürfen Sie hinzuverdienen, ohne dass Ihnen von der Rente etwas abgezogen wird. Alles was Sie darüber hinaus verdienen, wird jährlich zu 40% angerechnet.

Bei Teilerwerbsunfähigkeit gelten andere Hinzuverdienstgrenzen. Auch bei Flexirente, bzw. sofern Sie Renteneintritt komplett verschieben möchten, gilt eine individuelle Hinzuverdienstgrenze. Erst mit dem Erreichen der Regelsaltersrente, in Deutschland gilt diesbezüglich die 65 Jahre Plus n Monate-Regel, fällt die Hinzuverdienstgrenze weg.

Ihre Rentenversicherer kann Ihnen den aktuellen Rahmen nennen. Hier empfehle ich dringend, die örtliche Rentenberatung der Deutsche Rentenversicherung zu kontaktieren und sich einen Termin geben zu lassen. Hinweise finden Sie beispielsweise in meinem Blog-Beitrag Tipp: Die Rentenberatung der Deutsche Rentenversicherung. Habe ich gemacht und wurde so vor einer folgenschweren Fehlentscheidung bewahrt.

Senioren bei Firmen gefragt!


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Wer sich fragt: ‘Wer will mich denn im Rentenalter noch weiter beschäftigen?’, für den gibt es eigentlich gute Nachrichten. Aktuell profitieren auch ältere Menschen von einem Fachkräftemangel, der bundesweit Arbeitgeber verzweifeln lässt. Wer auf seinem Fachgebiet gut ist, oder kurz vor der Rente noch einmal etwas Neues lernen möchte, dem kommen viele Firmen mittlerweile offen entgegen.

Handschlag
(Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

Große Firmen, zum Beispiel in der Automobilindustrie, stellen sich längst auf ältere Arbeitnehmer/innen ein. Durch entsprechende Gestaltung des Arbeitsplatzes und des Arbeitspensums versucht man die Arbeitskraft bis zum Eintritt in den Ruhestand zu erhalten.

Ich gehöre bestimmt schon zum alten Eisen?

Angst, zum alten Eisen abgestempelt zu werden und mit den Jungen nicht mehr mithalten zu können? Ich denke, jeder ab 50 Plus kennt es: Vieles läuft zwar nicht mehr so fix wie mit 30 oder 40 – aber die Erfahrung wiegt das Ganze oft auf. Wir älteren Semester kommen trotzdem oft schneller und vor allem fehlerfreier als Jüngere ans Ziel. Persönlich habe ich eine sehr schöne Erfahrung erleben dürfen, als ich zusammen mit meinem Sohn ein Buch über Programmierung schrieb. Ich hatte diese Tätigkeit ewig nicht mehr ausgeführt und war schon ein wenig ‘eingerostet’. Entsprechend langsam ging mir die Arbeit von der Hand.

Ich brauchte zwar meine Zeit, habe die Arbeiten aber im ersten Schuss bereits fehlerfrei erstellt. Mein Sohn war mit den zu lösenden Teilaufgaben in einem Drittel bis der Hälfte der Zeit fertig, musste aber viele Fehler nachbessern. Am Ende des Tages brauchten wir für die jeweiligen Arbeiten gleich lange.

Der Jugendwahn in Firmen ist vorbei, Senioren rocken

An dieser Stelle eine Anekdote: Vor vielen Jahren habe ich ehrenamtlich Computerkurse für die Zielgruppe der Senioren gegeben. Zu Kursbeginn habe ich die Teilnehmer/Innen immer erzählen lassen, was denn die Motivation zur Teilnahme sei. Eine Teilnehmerin erzählte “Wissen Sie, Herr Born, auf meiner Arbeit wollte ich einen Computerkurs machen. Aber der Chef meinte ‘Frau … sie sind zu alt, das wird nix mehr’. Aber jetzt bin ich in Rente und der Chef hat nix mehr zu sagen. Jetzt möchte ich meinen Computerkurs machen…”. Die Dame war eine der emsigsten Teilnehmerinnen und nachher richtig fit.

Herrschte vor einigen Jahren noch der Jugendwahn in den Firmen, dreht sich der Wind. Die Firmen, und vor allem die Personalabteilungen haben vielfach erkannt, dass die Erfahrungen der ‘jungen Alten’ und deren Arbeitskraft ein Plus ist, auf welches man als Arbeitgeber bauen kann. In Japan, wo ich vor vielen Jahren gearbeitet habe, konnte man diesen Trend bereits frühzeitig erkennen. Wurden vor 10 bis 15 Jahren noch ganze Belegschaften wegen entsprechendem Alter entlassen, änderte sich das. Den Firmen fehlten plötzlich die Arbeitskräfte und vor allem erfahrene Arbeitnehmer. Also wurden die Pensionäre aus dem Ruhestand zurück in die Firmen geholt – und das mit Erfolg.

Diese Entwicklung ist auch in Deutschland längst angekommen. Selbst die Politik reagiert und versucht pensionierte Lehrer zurück in den Schuldienst zu holen oder bietet Modelle wie die Flexi-Rente für einen gleitenden Ausstieg aus dem Berufsleben an.

Lieber etwas Eigenes?

Besonders attraktiv ist für Rentner oder Fast-Ruheständler allerdings die Selbständigkeit. Wenn Sie sich in Ihrem Berufsfeld jahrelang tätig waren, können Sie sich vielleicht damit auch unabhängig machen. Volkshochschulkurse für Gründer vermitteln Ihnen alles, was Sie dazu rechtlich und in Sachen Steuer wissen müssen.

Wichtig dabei ist, dass Sie sich selbst einschätzen können. Wie lange kann ich arbeiten? Wie lange auf einen PC-Bildschirm schauen? Kann ich noch im Stehen arbeiten? Nur Sie selbst können dies beantworten. Ganz wichtig: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz mit ergonomischen Möbeln ein, z. B. besonders rückenfreundlich. War meine erste Maßnahme, als ich während der Arbeitserprobung nach dem Unfall wieder mit einer Stunde, dann zwei Stunden Arbeitszeit pro Tag startete. Es wurde sofort ein ergonomischer Bürostuhl zur Unterstützung meiner Wirbelsäule beschafft.

Verringern Sie Ihre Arbeitszeit, falls Sie merken, es geht doch keine 40 Stunden mehr. Ich selbst kann zur Zeit nur zwischen 3 und 4 Stunden täglich arbeiten – als Freiberufler kein wirkliches Problem. Und wenn das Wetter besonders gut ist, mache ich mein Büro zu und gehe mit meiner Frau spazieren. Selbst ist der Chef.

Der Arbeitsplatz sollte außerdem etwas heller beleuchtet, gut klimatisiert und ruhig sein. Dann können Sie entspannt und nach eigenen Regeln noch lange selbstständig tätig sein, ganz wie Sie mögen. Wie sagte mein Neurologe: ‘Wer rastet, der rostet’ – und in den sogenannten Blue Zones arbeiten die Menschen oft bis ins hohe Alter (siehe mein Blog-Beitrag  “Blue Zones”– wo Menschen vital bis ins hohe Alter leben). Ihre Rente ist Ihnen trotzdem sicher.

Abschließend kann ich nur meine eigene Erfahrung wiedergeben: Sah es 2015, nach dem Unfall, noch so aus, als ob ich in die Erwerbsunfähigkeitsrente rutsche, hat sich das Ganze positiv entwickelt. Ich kann, dank entsprechend ausgestattetem Arbeitsplatz, wieder regulär (wenn auch mit reduzierter Stundenzahl) arbeiten. Und noch fühle ich mich nicht zum ‘alten Eisen’ zugehörig oder reif für die Rente. Im Gegenteil, ich habe mich inzwischen als erfolgreicher (Senior-)Blogger etabliert, der von dieser Tätigkeit leben kann. Etwas, was sonst eher dem ‘jungen Gemüse’ zugeschrieben wird. Inzwischen kristallisiert sich sogar wieder der Gedanke heraus, auch noch über die gesetzliche Altersgrenze hinaus zu arbeiten, jedenfalls solange es Spaß macht und die Gesundheit dies zu lässt.

Offenlegung: Dieser Beitrag ist mit finanzieller Unterstützung eines Sponsors (der die Texterstellung bezahlt hat) entstanden.

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1 Antwort zu Arbeiten im höheren Lebensalter … warum nicht?

  1. Al CiD sagt:

    Ein Beitrag aus dem Leben: zwischen dem Heißluftgebläse der Politik und dem realen Arbeitsmarkt

    https://diekolumnisten.de/2018/04/02/ue50-zu-alt-fuer-nen-neuen-job-fuers-sterben-zu-jung/

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