Vor 40 Jahren: letzte VW-Käfer in Deutschland gefertigt

VW-KäferAm 19. Januar 1978 gab es ein besonderes Jubiläum im VW-Werk Emden zu feiern: Der letzte in Deutschland gefertigte VW-Käfer lief vom Band. Die Farbe: Dakota-Beige. Das Ende einer Legende? Hier ein kleiner Rückblick mit eigenen Erinnerungen und Anekdoten.


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Ich erinnere mich noch dunkel an dieses Ereignis – damals war ich junger Ingenieurstudent und plante meinen Abschluss für 1978. In den Fahrzeugbau wollte ich nie – Luft- und Raumfahrt schienen eher interessant. Trotzdem stellte sich das Gefühl eines ‘Abschieds von einem alten Bekannten’ ein. Ich hatte nie einen VW besessen. Aber der Vater hatte einen Käfer als erstes Auto in den 60er Jahren gekauft. Sonntags wurden wir drei Kinder auf die Rückbank gepackt und dann ging es auf Tour – einen Sonntagsausflug machen.

Erinnerungsfetzen …

Der Käfer hatte kein Brezelfenster mehr auf der Rückseite, sondern schon ein großes Rückfenster. Aber Blinker gab es keine – sondern einen Winker an der Seite des Türholms. Klappte beim Abbiegen, wenn der Fahrer ‘blinkte’, ein und aus.

Winker(Foto: Gemeinfrei)

Und dann kam die gesetzliche Auflage, dass der Winker bis zum 1. Juli 1963 durch Blinker zu ersetzen war. Der Onkel, der mal Automechaniker gelernt hatte, baute die Blinker in der heimischen Garage ein.

Was noch in Erinnerung blieb? Der Käfer hatte den Kofferraum vorne, unter der Fronthaube (neben dem Reserverad). Mein Vater transportierte schon mal einen Sack Kartoffeln unter der Fronthaube zu seinen Kunden. Und es gab eine Ablage hinter dem Rücksitz. Der Heckmotor war Anlass für zahlreiche Witze (Frau klappt vorne die Motorhaube auf und ruft ‘man hat mir den Motor geklaut’, meine eine zweite VW-Fahrerin, die angehalten hatte ‘nicht schlimm, ich habe in meinem Auto hinten noch einen Ersatzmotor’). Der VW-Motor, der im Heck eingebaut war, arbeitete mit Luftkühlung. Die Innenraumheizung arbeitete daher nur bei Vollgasfahrt halbwegs.

Dann gab es bei ‘unserem’ Modell keine Tankanzeige. Aber es gab eine Art Reservertank, ging der Benzinvorrat zur Neige, stotterte der Motor kurz wegen Spritmangel. Dann musste ein Hebel im Fußraum auf Reserve umgestellt werden. Mutter machte das immer ganz hektisch während der Fahrt. Dann reichte es bis zur Tankstelle im nächsten Ort gut aus. Um solche Überraschungen zu vermeiden, gab es noch ein per Magnet am Amaturenbrett angebrachtes Zählwerk. Dort wurde der Kilometerstand beim Tanken eingestellt. So konnte man am Kilometerzähler abschätzen, wie viele Kilometer man bereits seit dem letzten Tanken zurück gelegt hatte.

Ach ja, dann gab es noch das ‘Blumenväschen’ am Amaturenbrett, mit einer Kunstblume drin. Und die dreieckigen Ausstellfenster an den vorderen Türen sind mir noch in Erinnerung. Hatte aber nichts mehr mit dem letzten VW-Käfer, der in Emden vom Band rollte, zu tun.

VW-Käfer, eine Erfolgsgeschichte


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Nachdem der letzte VW-Käfer in Emden vom Band gerollt war, wurde dieser noch bis Mitte 2003 im VW-Werk in Mexiko gefertigt. Eine Modelle wurden importiert. Insgesamt war der VW-Käfer ein Erfolgsmodell sondergleichen.

VW-Käfer
(Quelle: Pexels Burak Kebapci CC0 License)

Einfache Technik, die man mit wenig Werkzeug selbst reparieren konnte. Generationen von Studenten fuhren (neben der Ente von Citroen) mit dem Käfer zur Uni oder in Urlaub, sogar auf Fernreisen (obwohl dort der VW Bully seine Vorteile hatte). So manches Kind verdankte sein Dasein einem VW-Käfer. Es ranken sich sicherlich unzählige Geschichten um den VW-Käfer.

In der dritten Welt laufen heute noch viele VW-Käfer wegen ihrer robusten Technik. Insgesamt wurden 21,5 Millionen VW-Käfer gefertigt und in alle Welt verkauft. VW führte den Golf als Nachfolgemodell ein – recht erfolgreich, aber auch mit massiven technischen Problemen bei einigen Modellen. Heute müssen wir uns über gehackte Keyless Systeme Gedanken machen und einfach mal am Auto schrauben, geht auch nicht mehr – schlicht die Perversion der Technik, die uns als Fortschritt verkauft werden soll. Der VW-Abgasskandal zeigt, wohin das führt.

Ein Abriss der Geschichte dieses Autos lässt sich auf Wikipedia nachlesen. Der später vorgestellte Hipster VW Beetle erinnerte wegen der Karrosserieform an den VW-Käfer. Damit möchte ich den Rückblick abschließen. Hat jemand von Ihnen noch Erinnerungen an den VW-Käfer?


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