Lithiumchlorid gegen Varrosa-Milben bei Bienen

Es scheint, als ob Forscher zur Zufall ein sehr wirksames Mittel gegen den Befall mit Varrosa-Milben bei Bienen gefunden haben. Lithiumchlorid tötet die Parasiten ab, ist leicht anzuwenden und verträglich. Neue Hoffnung für Imker.


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Bienensterben ist eines der Themen bei Imkern und Naturliebhabern. Ohne Bienen wird die Bestäubung von Obst gravierend zurückgehen. Das Bienensterben geht einerseits auf den Einsatz von Insektiziden und Monokulturen in der Landwirtschaft zurück. In diesem Artikel finden sich Hinweise, wie Landwirte den Bienen als Bestäuber mit einfachen Maßnahmen helfen können.

Das zweite Problem, mit dem Imker kämpfen, ist der Befall der Bienenvölker durch die Varrosa-Milbe. Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen: innerhalb von ein bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk komplett ausrotten. Bislang mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemisch hergestellten Milbenbekämpfungsmitteln behandeln, die Resistenzprobleme und Rückstände verursachen.

Biene auf Blume
(Quelle: Eigene Aufnahme)

Einfaches und kostengünstiges Mittel entdeckt

Bettina Ziegelmann von der Universität Hohenheim und ihren Kollegen von der Universität Hohenheim haben nun zufällig ein Mittel gegen diese Milben entdeckt. Mit dem Mittel können befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann. Wie die Forscher in diesem Artikel schreiben, kann man Lithiumchlorid in Zuckerwasser aufgelöst an die Bienen verfüttern.

Bei Lithiumchlorid handelt es sich um ein Salz, welches in der Humanmedizin als Anti-Depressiva verwendet wird. Es gilt als gut verträglich. Auch die Verfügbarkeit spricht für den Wirkstoff: Die weltweiten Vorräte des Leichtmetalls Lithium werden auf über 40 Millionen Tonnen geschätzt, als Lithiumchlorid-Salz findet es sich in Salzlaugen, Salzseen und Heilquellen, und das zum Teil in erstaunlich hoher Konzentration. Das leicht in Wasser lösbare Salz wird unter anderem auch als Trocknungsmittel und Enteiserlösung verwendet.

Entdeckt durch Zufall

Eigentlich hatte das Team um Dr. Rosenkranz einen viel komplexeren Ansatz verfolgt: „Gemeinsam mit dem Biotechnologie-Startup SiTOOLs Biotech haben wir versucht nach dem RNA-Interferenz-Verfahren, kurz RNAi-Verfahren, gezielt bestimmte Gene auszuschalten. Dieses Verfahren erhielt 2006 den Nobelpreis für Medizin und ist seitdem weltweit zur Bekämpfung von Krankheiten in Anwendung.“

Die Idee: RNA-Bruchstücke werden an die Biene gefüttert und dann von der Varroa-Milbe beim Blutsaugen aufgenommen. In der Milbe schalten die Bruchstücke gezielt lebenswichtige Gene des Parasiten aus. „Für die Bienen sind diese RNA-Bruchstücke ungefährlich, da sie ausschließlich mit varroaspezifischen Genen interagieren. Bei der Varroa-Milbe jedoch werden zentrale Stoffwechselprozesse gestört und die Milbe schließlich abgetötet“, so Dr. Rosenkranz.


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Der Ansatz zeigt Erfolg, doch dann bemerkten die Wissenschaftler etwas Seltsames: „Bei Kontrollexperimenten konnten wir auch mit unspezifischen RNA-Bruchstücken, die weder bei den Bienen noch bei den Milben ein genetisches Ziel finden sollten, die Milben abtöten“, berichtet Dr. Rosenkranz. „Etwas in unserer „Genmischung“ bekam den Milben nicht, während die Bienen keinen Schaden nahmen.“

Fast zwei Jahre dauerte es, bis das Lithiumchlorid als die geheime Wunderwaffe gegen den Parasiten gefunden war. Die Forscher hatten die Chemikalie als Hilfsmittel bei der Isolierung der RNA-Bruchstücke verwendet, mit deren Hilfe die Gene im Bienenkörper ausgeschaltet werden.

Eine folgenreiche Entdeckung, denn die RNAi-Methode würde zwar wohl funktionieren, wäre allerdings teuer und aufwendig. „Lithiumchlorid hingegen ist einfach herzustellen, relativ preiswert, und unkompliziert zu lagern.“

Im Versuch hatte das Lithiumchlorid überraschende Folgen. “Bei unseren Versuchen haben bereits geringe Mengen der Salzlösung ausgereicht, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten – ohne Nebenwirkungen für die Bienen”, berichtet Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde. Im Honig scheint sich das Lithiumchlorid nicht anzureichern.

Bevor der Wirkstoff nun als Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, sind dennoch weitere Tests nötig, um die beste Dosierung zu bestimmen und Nebenwirkungen für Bienen und Anwender sowie das Risiko von Rückständen auszuschließen.


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