Abseits üblicher Pfade unterwegs sein

Gelegentlich sollte man die üblichen Pfade verlassen und neue Wege gehen. Bringt neue Einsichten und Erkenntnisse. Heute meine kleine Geschichte, die ich ganz spontan, quasi aus einer Laune heraus, dieser Woche erlebt habe.


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Ich lebe nun schon 37 Jahre an meinem Wohnort und bin viel unterwegs (spazieren gehen, Nordic Walking etc.). Und eine Nordic Walking-Strecke laufe ich seit Jahren. Diese führt schön durch den Wald, durch ein Tal zum Nachbarort. Unten im Tal fließt ein Bach und auf der anderen Talseite verläuft eine Bundesstraße. Die Nordic-Walking-Strecke verläuft aber an einem Berghang, gut 50 Meter oberhalb des Talgrunds – die Autos hört man nur in der Ferne und kann den Wald genießen.

Bei meinen Nordic-Walking-Gängen gibt der Wald immer mal wieder einen kurzen Blick auf den kleinen Bach, der durch das Tal fließt, und die Straße auf der anderen Talseite frei. Irgendwann meinte ich so zwischen den Bäumen auch die Andeutung eines Waldweges oder –pfads, der neben dem Bach verläuft, gesehen zu haben. So ganz sicher war ich mir nicht, da es in unseren Wäldern immer mal aufgegebene Wege gibt. Man erkennt zwar noch ein Stück des Weges, aber der endet irgendwann abrupt. Im Hinterkopf war der Gedanke: Irgendwann müsstest Du mal erkunden, ob da wirklich ein Weg ist und wie weit der verläuft …

Nimm mal einen anderen Weg

Auch jeden Dienstag nutze ich im Anschluss zur wöchentlichen Physiotherapie-Sitzung, wenn das Wetter passt, den gewohnten Weg zu einem ausgiebigen Spaziergang. Es geht von der Praxis zum Waldrand, dann auf dem Weg durch den Wald zum Nachbarort, und von dort dann über einen Berg wieder nach Hause. Das sind so 4,6 bis 5 km, die ich durch den Wald laufe.

Letzten Dienstag war es zwar schneidend kalt, aber ein sonniger Februar-Morgen begrüßte mich, als ich die Praxis verließ. Und da war der Gedanke ‘Du könntest heute mal die ausgetretenen Pfade verlassen und zum Spaziergang den neuen Weg versuchen. Aus dem Auto hatte ich bei Fahrten durch das Tal aus den Augenwinkeln gesehen, an welcher Stelle der unbekannte Weg beginnen könnte. Lag von der Praxis aus sogar ganz günstig, so dass ich die entsprechende Richtung einschlug.

Waldweg am Bach entlang

Ich fand auch sofort den ‘Einstieg’ und stellte nach ein paar Metern überrascht fest, dass es ein befestigter und beschilderter Wanderweg war, an dem nach wenigen Metern sogar eine Ruhebank stand. Und dann fühlte ich mich in die Jugendjahre versetzt: Abenteuer, Wege gehen, zu Orten, an denen man vorher noch nie war. Tausend mal war ich die Straße durch das Tal mit dem Auto gefahren. Ich wusste, da gibt es einen Bach, eine Pizzeria, einsam zwischen den beiden Orten im Fischbachtal an der Straße gelegen, ein paar Weiden im Talgrund, auf denen Schafe grasen. Alles immer nur kurz aus den Augenwinkeln erhascht, da man auf die Straße achten musste.

Bachlauf mit Eis


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Und jetzt gab es plötzlich eine neue Perspektive, die Straße verlief, getrennt durch den Bach und eine breite Weide, auf der anderen Seite des Tals. Der Weg bzw. der Pfad führte gut 10 Meter oberhalb des Bachs am Hang entlang. Rechts und links kahle Laubbäume, die den Blick auf den zugefrorenen Bach ermöglichten. Offenbar wurde der Weg nur selten begangen, da er (im Gegensatz zum zweiten, ca. 50 Meter höher verlaufenden Weg) komplett schnee- und eisfrei war. Und an jeder Wegbiegung eröffneten sich neue Ausblicke. Vorne der zugefrorene Bach, dahinter die von der Sonne beschienene Wiese im Tal.

Bachlauf im Winter

Das Ganze erinnerte mich an eine Wanderung, die ich mal vor einigen Jahren in Franken, von Volkach nach Fahr, entlang des Mains unternommen habe. Es ging vom Hinterhöfle in Volkach über den Main und dann flussabwärts durch ein Naturschutzgebiet bis zur Mainfähre Eisenheim-Fahr. Ständig gab es neue Ausblicke auf den Main, ein Eisvogel saß plötzlich mit einem Fisch im Schnabel auf einem Aststumpf. Natürlich war er weggeflogen, bevor ich meine Kamera aus dem Rucksack geholt hatte.

Gut, einen Eisvogel gab es auf meinem Spaziergang entlang des Tals nicht – und der Bach war auch deutlich kleiner als der Main. Aber ich konnte erstmals den Hof und die Wirtschaftsgebäude der im Tal gelegenen Pizzeria einsehen. Von der Straße auf der anderen Talseite war dies von den Gebäuden verdeckt. Dann gab es das Bienenhaus, welches sich am Waldrand, oberhalb des Bachlaufs, an den Hang schmiegte. War aber scheinbar aufgegeben worden. Gelegentlich gab es linker Hand haushohe Felsen, an denen gefrorenes Wasser wahre Kunstwerke gestaltet hatte. Und immer wieder gab es von der Sonne beschienene Stellen auf dem mit Laub bedeckten Weg.

Vom Leben eingeholt …

Das Ganze ging so fast 1,5 km, bis das Leben mich unsanft einholte. Eigentlich hatte ich vor, kurz vor dem Nachbarort die gut 50 Höhenmeter durch den Wald zum höher gelegenen Weg zu  kraxeln, um von dort über den Berg nach Hause zu gehen. Aber die Stelle habe ich verpasst, plötzlich waren haushohe Feldwände und dann die ersten Häuser, so dass ein querfeldein nicht mehr möglich war. Also ging ich notgedrungen weiter, bis ich auf die bergwärts verlaufende Straße gelangte. Und dort ging es dann ca. 500 Meter ziemlich steil bergan.

Insgesamt hatte mir der ‘neue Pfad’ einen Umweg von gut einem Kilometer eingebrockt. Da es an diesem Tag extrem kalt war, stellte das schon eine gewisse Herausforderung dar. Denn bei Kälte streikt meine Muskulatur und ist kaum belastungsfähig. Aber irgendwann kam ich zu der Stelle, wo der zweite Waldweg kreuzte und es in Richtung Heimat ging. Natürlich war dieser Weg teilweise arg durch festgetretenen und festgefahrenen Schnee heftig vereist. Wohlweislich hatte ich aber in einer Stofftasche nicht nur meine Therapiesachen, sondern auch zwei Spike-Überzieher für Schnee und Eis dabei. Also schnell über die Schuhe gezogen und nach weiteren 30 Minuten hatte mich das Leben und die Zivilisation wieder. Der Ausflug hatte gut einen Kilometer länger als geplant gedauert – kein Beinbruch, aber das hätte ich mir gerne erspart. Also: Neue Pfade gehen, ist gut, aber immer darauf achten, dass man nicht verloren geht.


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