Keine Patente auf Leben

Melone, Tomate, Gurke und Kartoffel: Eigentlich ist die Vergabe von Patenten auf Pflanzen seit 2017 verboten. Der niederländische Agrarkonzern ENZA hat sich die Patente dafür trotzdem gesichert.


Anzeige

Wem gehört die Natur? Großkonzernen. Jedenfalls wenn es nach dem Europäischen Patentamt (EPA) geht. Zuletzt hat sich ein niederländischer Agrarriese das Recht auf eine Melonenart gesichert. Und das ist nur die Spitze – Weinrebe, Tomate, Gurke, Kartoffel: Ein halber Gemüsegarten ist schon in seinem Besitz. Schuld ist ein Schlupfloch im aktuellen EU-Gesetz.

Die Folge: Agrarkonzerne wie Monsanto und Bayer kontrollieren bald komplett, was gezüchtet, angebaut und gegessen wird. Melonen und Kartoffeln, die resistent gegen einen bestimmten Pilz sind: eigentlich ein Traum für Landwirt/innen. Die Pflanzen brauchen weniger Pestizide und wachsen besser. Der Haken: Das Saatgut ist patentiert. Agrarkonzerne besitzen das Monopol an immer mehr Kulturpflanzen.

Alles, was als Erfindung definiert werden kann, ist patentierbar. So auch im Fall der Melone – weil es sich bei ihr um eine sogenannte „zufällige Mutation“ handeln soll. Tatsächlich sind Vorteile wie Pilzresistenz natürlich kein Zufall: Agrarkonzerne durchsuchen das Pflanzen-Erbgut gezielt danach.

Für Unternehmen ist so ein Fund lukrativ. Haben sie erst das Patent auf die Pflanze, verkaufen sie das Saatgut überteuert weiter: Bäuerinnen und Bauern dürfen diese Samen nur ein Mal aussäen – züchten oder gar wiederverwerten der Saaten ist verboten. Dadurch werden die Landwirt/innen immer abhängiger von den weniger als zehn Agrarfirmen, die den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide dominieren. Das bedroht die Existenz von Landwirt/innen und die Artenvielfalt der Natur. Für Verbraucher/innen werden Obst und Gemüse teurer.

SPD-Justizministerin Katarina Barley kann Patente auf Leben jetzt stoppen. Am 27. Juni tagt der Verwaltungsrat des Europäischen Patent Amts (EPA) in Den Haag. Wenn sie Ministerin Barley vor den anderen Mitgliedstaaten für ein vollständiges Verbot stark macht – ohne Lücken und Schlupflöcher, kann man diesen Wahnsinn stoppen.

Campact hat sich das Ziel gesetzt, mit einer Petition die Patente auf Leben zu stoppen. Die geforderten mindestens 175.000 Unterschriften für einen Appell direkt an die Justizministerin sind erreicht. Trotzdem kann man weiter den Appell hier unterzeichnen, um sich gegen die Patentierung natürlicher Pflanzen auszusprechen.


Anzeige

Dieser Beitrag wurde unter Natur abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.