Weltraum-Krimi: Das Leck in der internationalen Raumstation

Vor einigen Tagen gab es auf der internationalen Raumstation (ISS) einen langsamen Druckabfall. Bei der Suche wurde ein kleines Loch in einer angedockten Sojus-Kapsel gefunden und provisorisch repariert. So langsam wird klar, was die Ursache war.


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Das Leck und erste Nachrichten

Momentan weilt der deutsche Astronaut Alexander Gerst (Astro Alex) auf der internationalen Raumstation (ISS). Vor einigen Tagen stellte die Bodenkontrolle fest, dass die Luft langsam aus der Raumstation entwich. Man gab keinen Alarm, da die Crew gerade schlief. Nach dem Aufwachen machte sich die Crew auf die Suche nach dem Leck, durch den die Luft der Raumstation ins All entwich. Schnell war klar, dass es eines der an der ISS angedockten russischen Sojus-Raumschiffe (MS-09) war – die parken dort für den Rückflug der Crew.

In obigem Tweet vermutet man noch, dass da 2 mm große Loch durch einen Mikrometeoriten verursacht worden sei.

Reparatur im All und erste Details

Die Crew dichtete das Loch provisorisch mit Klebeband ab (es gab sogar Meldungen, dass Alexander Gerst das Loch eine Zeit lang per Daumen abgedichtet habe). Nun werden langsam Details bekannt. Das Loch wurde hinter einer Abdeckung für die Toilette des Sojus-Orbitalmoduls gefunden (wie Golem hier schreibt). Aber das Ganze entwickelt sich zum Krimi – zuerst wurde nur bekannt, dass ein Techniker das Loch auf der Erde schon bemerkt aber nicht gemeldet habe.

Vielmehr hat er das Loch mit Kleber verschlossen, so dass die Raumkapsel die Tests in der Vakuumkammer passieren konnte. Nach dem Start und Flug in den Weltraum trocknete der Kleber aus und schrumpfte. Irgendwann drückte der Luftdruck der Station den Propfen ins All hinaus, das Leck war da. Jetzt ist das Loch zweifach mit Epoxid-Harz versiegelt und wohl dicht. Da die Orbitaleinheit vor der Landung abgetrennt wird, kann die Sojus zum Rückflug verwendet werden.

Fotos lassen Schlamperei offensichtlich werden

Die Verantwortlichen konnten die Details ein paar Tage lang unter Verschluss halten. Jetzt sind aber Fotos des Lochs bekannt geworden. Hier ein Foto auf Twitter.


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Dort sieht man Spuren eines abgerutschten Bohrers und das Loch, was durch die Hülle bis nach außen gebohrt wurde. In diesem Artikel ist von Produktionsfehlern die Rede. Inzwischen will man sogar bewusste Sabotage nicht ausschließen. Denn in der Raumfahrt gilt bei der Herstellung und Qualifizierung von Bauteilen das mehrere-Augen prüfen Prinzip. Und da kann nicht jemand einfach mal so mit einer Bohrmaschine nachträglich in einer Komponente herumbohren.

Von russischer Seite wird die Verschwörungstheorie gebracht, dass ein ‘verwirrter Astronaut’, der früher nach Hause wollte, das Loch heimlich gebohrt haben könnte. Ich sehe es aber als Verschwörungstheorie. Möglich ist aber auch, das es die übliche Schlamperei gewesen sein könnte. Ein US-Magazin zitiert in obigem Tweet einen Techniker, der Raumfahrtzeuge und Sojus-Landeeinheiten nach der Rückkehr inspizierte. Dort fand sich in einer Landeeinheit ebenfalls ein Loch, was durch die Hülle dieser Wiedereintrittseinheit gebohrt worden war. In diesem Fall war das Loch mit Epoxid-Harz verschlossen worden. Beängstigende Aussichten.


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