Ü50 und selbstständig in der IT? Warum nicht!

Kurz vor dem Ruhestand nochmals etwas anderes machen und als Selbständiger durchstarten? Oder arbeitslos geworden und die Zeit bis zur Rente als Freiberufler überbrücken? Es sind viele Situationen denkbar, in denen man vom Arbeitnehmer in die Selbständigkeit wechseln sollte oder kann. Gerade im IT-Bereich sind traditionell recht viele Freiberufler und deren weibliche Pendants als Selbständige unterwegs.


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Gründungen im IT-Bereich benötigen gegenüber anderen Firmengründungen weniger Startkapital, keine Immobilien und wenig kostspielige Technik. Wer sich für das Thema IT begeistert und den Einstieg in den Ruhestand langsam und selbstgesteuert gestalten will, hat hier perfekte Bedingungen.

Den großen Schritt wagen?

Aus der Arbeitslosigkeit heraus, mit Aussicht auf eine baldige Rente, aufgrund von Einschränkungen in der Ausübung des bisherigen Broterwerbs (beispielsweise Probleme mit dem Bewegungsapparat oder dergleichen) und aus jedem anderen Grund kann man sich für eine Gründung auch im Alter von 50+ entscheiden. Das ist risikoärmer als so manch anderes Abenteuer, zu dem die bei Arbeitslosigkeit zuständigen Ämter bisweilen raten.

Selbständig mit 50+
(Quelle: Pexels Matthias Zomer)

Der Schritt in die Selbständigkeit will allerdings gut überlegt sein! Nicht jeder ist für so etwas geeignet. Es gehört Selbstdisziplin, eine Mentalität ‘jetzt packen wir es an’, Fachwissen auf dem angestrebten Arbeitsgebiet und auch etwas Glück dazu. Denn als Gründer ist man für alles selbst verantwortlich, vom Vertrieb über Auftragsabwicklung und Buchhaltung bis hin zu Steuern. Trotzdem: Nur wer etwas wagt, kann gewinnen.

Eigene Erfahrungen

Ich selbst bin diesen Schritt bereits im Alter von 38 Jahren gegangen und habe mich als Autor im Bereich Computerbücher selbständig gemacht. Trotzdem erinnere ich mich noch sehr gut an die Wochen und Monate der Vorbereitung. Vieles wollte bedacht und abgewogen werden. Zum 1. Oktober 2018 sind das 25 Jahre her, und ich möchte diese Zeit samt den gewonnenen Erfahrungen nicht missen.

Auch die oben skizzierte Situation im Hinblick auf Einschränkungen in der Ausübung des bisherigen Erwerbstätigkeit kann ich aus eigener Anschauung gut nachvollziehen. Ein schwerer Sportunfall mit Schädigung der Halswirbelsäule und partieller Querschnittssymptomatik  änderte im März 2015 mein Leben schlagartig. Die Krankengeldzahlung endete nach 18 Monaten, das Schreiben von Büchern hatte ich in dieser Zeit wegen der gesundheitlichen Einschränkungen aufgegeben. Ende 2016 stand die Frage ‘was nun?’ und die Entscheidung, Erwerbsunfähigkeits- oder Frührente zu beantragen, im Raum.

Ich entschied mich für den Versuch, weiter zu arbeiten und führte im Vorfeld mit der Krankenkasse eine berufliche Wiedereingliederung über fünf Monate durch. Da ich seit 11 Jahren auch als Blogger aktiv war, habe ich in diese Tätigkeit über den Zeitraum schrittweise ausgebaut. Das Bloggen ermöglicht mir (im Gegensatz zu einer Tätigkeit als Angestellter) eine freie Einteilung, wann und wie lange ich am Schreibtisch verbringe.


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Inzwischen lebe ich von meiner freiberuflichen Tätigkeit als IT-Blogger und bin nach drei Jahren gesundheitlich wieder so weit, dass ich auch wieder eingeschränkt als Buchautor im IT-Bereich arbeiten kann.

Fragen für Gründer mit 50+

Erscheint die Gründung eines Unternehmens oder die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit als realistische Option, gilt es sich mit den Details und den erforderlichen Schritten zu befassen. Hier einige Anregungen aus diesem Themenfeld.

Welche Möglichkeiten bietet gerade der IT Bereich für Selbstständige?

Der Bereich IT ermöglicht vielfältige Geschäftsaktivitäten, vom Programmieren von Apps oder Anwendungen für Desktops, Smartphones oder Tablets, über das Testen und Überarbeiten von Anwendungen, bis hin zur graphischen Gestaltung von Anwendungen oder Webseiten. Aber auch Dienstleistungen wie Beratung, die Betreuung von Computersystemen oder der Aufbau und die Pflege von Netzwerken sind denkbar. Es gibt einfach unglaublich viele Möglichkeiten, die irgendetwas mit IT zu tun haben. Da die Computerisierung und Automatisierung der Arbeitswelt immer weiter um sich greift, ist das ein stark wachsendes Geschäftsfeld. Ich denke, hier kann jeder ab 50+ einschätzen, wo seine Stärken und Möglichkeiten für eine freiberufliche Tätigkeit liegen.

Was ist bei einer Gründung mit über 50 zu beachten?

Nichts entwickelt sich so schnell wie IT. Daher gilt: Fortbilden, fortbilden, fortbilden. Gerade mit 50+ muss man außerdem Auftraggeber erst davon überzeugen, dass man in Sachen IT auch wirklich fit und über die neuesten Entwicklungen im Bilde ist.

Außerdem ist es ratsam, sich vor einer Gründung um Dinge wie Kranken- und Rentenversicherung und die Möglichkeiten der Absicherung für Selbständige zu kümmern. Informationen gibt es im Internet, sowie bei den Gründungsberatungen der verschiedenen Kammern.

Welche rechtlichen Fragen sind noch zu beachten?

Selbständige und Freiberufler müssen klären, ob ein Gewerbe anzumelden ist. Das ist nicht bei jeder Tätigkeit erforderlich. Wer irgendetwas produziert und/oder verkauft, das nicht im weitesten Sinn unter Kunst fällt, muss das aber normalerweise tun. Aber auch da gibt es Ausnahmen. Und für beratende Berufe sowie erzieherische/lehrende Berufe gelten nochmals andere Regelungen.

Auch die Rechtsform der Firma oder Tätigkeit sollte geklärt werden. Ein Steuerberater ist zu suchen sowie ggf. die Aufnahme der Tätigkeit beim Finanzamt anzuzeigen. Der Abschluss einer beruflichen Haftpflichtversicherung ist ebenfalls ratsam. Vor allem dann, wenn man oft mit Firmen und nicht mit Privatkunden zu tun hat, kann das sonst bei Fehlern teuer werden. Ob eine berufliche Rechtsschutzversicherung nötig ist, ist im Einzelfall zu klären, auch das hängt von der genauen Tätigkeit ab.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für Gründer?

Gründer können Kredite von Banken oder von Privatpersonen erhalten. Möglicherweise sind auch Zuschüsse des ‘Arbeitsamts’ (in Deutschland die Bundesagentur für Arbeit) erhältlich. Selbst eine Finanzierung über Crowd-Investing wäre denkbar. Im Bereich IT ist das aber alles eher unüblich. Denn außer genügend Know-how und einem leistungsstarken Rechner sowie einer potenten Internetverbindung braucht es nicht viel an Kapital. Was dann noch hilft: Kontakte, Kontakte und nochmals Kontakte.

Was ist bei der Büro-Ausstattung zu beachten?

Wer selbständig ist, muss sich auch selbst um die Einrichtung eines Arbeitsplatzes kümmern. Das Büro sollte, so es denn eines gibt und nicht beim Kunden gearbeitet wird, ergonomisch eingerichtet sein. Dazu gehören ein ergonomischer, höhenverstellbarer, wippender Stuhl mit Rücken- und Armlehne sowie ein höhenverstellbarer Schreibtisch. Beim Fachhändler gaerner findet man komplette Büromöbelserien, so dass alles aufeinander abgestimmt und passend ist.

Reicht es nur die Firma zu registrieren und Home Office zu machen?

In den meisten Fällen reicht das reine Arbeiten im Home Office nicht. Außendarstellung, Kontakte knüpfen und Auftrags-Akquise sind angesagt. Das passiert idealerweise auf den einschlägigen Messen, Konferenzen und über Ausschreibungen. Mit etwas Glück, Können und Mut lassen sich auch mit 50Plus noch Welten bewegen oder die Zeit bis zur Rente als Selbständiger überbrücken. Ich habe diesen Schritt jedenfalls nicht bereut.

Offenlegung: Dieser Beitrag ist mit freundlicher Unterstützung der gaerner GmbH entstanden, die als Sponsor den Text bezahlt hat.


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1 Antwort zu Ü50 und selbstständig in der IT? Warum nicht!

  1. Pater sagt:

    Ein sehr gelungener Beitrag. Zwar nicht selbst betroffen (70+), aber sehr gutes Echo bei Betroffenen, denen ich gestern diesen Artikel empfohlen habe. Danke!

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