Also doch: Glyphosat ist ein Bienenkiller

Was wurde diskutiert und gerungen, um die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat. Ungiftig und sehr wirkungsvoll soll es sein. Und jetzt enthüllt eine Studie: Monsantos Glyphosat trägt zum Bienensterben bei.


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Entwarnung von Bayer

Auf der Webseite hier-sind-die-fakten.de der Bayer AG (die haben Monsanto kürzlich gekauft), liest man unter IST GLYPHOSAT WIRKLICH GEFÄHRLICH?:

Glyphosat ist das am weitesten verbreitete Herbizid der Welt. Es wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt und dient Bauern auf der ganzen Welt dazu, Felder vor der Aussaat beziehungsweise Neubepflanzung von unerwünschtem Pflanzenbewuchs zu befreien.

Und auf dieser Seite:

Glyphosat selbst wirkt nur auf pflanzliche Organismen. Bayer ist keine einzige Studie bekannt, die negative Auswirkungen von Glyphosat auf Insekten oder sonstige Tiere belegen würde.

Der Hersteller ist also im Glauben, dass seine Glyphosat-haltigen Produkte ungefährlich für die Tierwelt und speziell Insekten sind. Daran gibt es aber Zweifel, wie nachfolgende Studien nahelegen. Beim SWR gibt es hier einen Faktencheck zum Thema Glyphosat, der aber auf diese Fragestellungen nicht eingeht.

Glyphosat schädigt die Darmflora von Bienen

Es ging bereits Ende September 2018 durch die Presse: So ungefährlich ist Glyphosat nicht, sondern trägt bei Bienen zum Bienensterben bei. Das Herbizid Glyphosat schädigt die Darmflora von Bienen und ist schädlicher als angenommen. Die Webseiten hier und hier berichten über eine Studie des Teams um Erick Motta und Prof. Nancy Moran von der University of Texas. Deren Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1803880115) veröffentlicht.

Biene

Bienen, die über die Nahrung Glyphosat ausgesetzt sind, verlieren Darmbakterien. Diese Darmbakterien sind aber nützlich, um Infektionen durch Viren und schädliche Bakterien abzuwehren. Glyphosat und dessen massenhafte Anwendung trägt daher zu einem nicht geringen Anteil zum Bienensterben bei. Aber es gibt wohl noch einen anderen Effekt, wie die Pressemitteilung von millifera e.V., eines Imker-Verbands, zeigt. 

Wissenschaftler zeigen den Einfluss auf Honigbienen

Eine Studie von Wissenschaftlern aus Argentinien und Deutschland zeigt, dass Glyphosat das Navigationsverhalten der Honigbienen stört.

  • Nach erstmaligem Kontakt mit einer Futterquelle, die 10mg/l Glyphosat enthielt, verlängerte sich die Rückkehr von Bienen zum Stock signifikant im Vergleich zu Tieren, die dem Herbizid nicht oder nur in geringeren Mengen ausgesetzt waren.
  • Bei wiederholtem Besuch der Futterquelle mit Glyphosat ist der Lernprozess für den direkten Heimflug deutlich gestört.

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„Es ist besorgniserregend, dass sogar wenige kurzzeitige Kontakte mit Glyphosat solche Beeinträchtigungen hervorrufen, denn eine wiederholte Aufnahme bei den Bienen ist zu erwarten“ so Imkermeister Thomas Radetzki vom Verein Mellifera e. V. und Sprecher des Bündnisses zum Schutz der Bienen.

Tausende Tonnen Herbizid in Deutschland eingesetzt

In Deutschland werden jährlich mehrere Tausend Tonnen Herbizid auf 39% der Ackerflächen eingesetzt. Darüber hinaus kann sogar im Nektar von Wildpflanzen in der Umgebung behandelter Felder das Herbizid nachgewiesen werden.

Der Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes e. V., Manfred Hederer, beklagt: „Wir müssen davon ausgehen, dass auch die Brut der Bienen über die Fütterung mit dem wasserlöslichen Wirkstoff in Kontakt kommt. Die Belastung der Bienengesundheit, insbesondere im Cocktail mit den anderen problematischen Pflanzenschutzmitteln, ist nicht mehr abschätzbar.“

m Sinne des Vorsorgeprinzips fordern die Imkerverbände, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für ein Verbot von Glyphosat einsetzt. Nicht zuletzt auch, weil die Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für Menschen bewerten („probably carcinogenic to humans“). Notwendig ist eine umgehende Neubewertung von Glyphosat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung, bei der auch unabhängige Studien zur Gefährdung von Bienen angemessen einbezogen werden.

Eine weitere Auswirkung des Totalherbizids in der Agrarlandschaft zeigt sich im Verlust der Begleitflora und dem daraus resultierenden Nahrungsmangel für alle Blüten besuchende Insekten und Feldvögel. „Die unzureichende Nektar- und Pollenversorgung spielt besonders im Sommer ein bedeutende Rolle und hat Einfluss auf die Bienengesundheit“, so Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes e. V. (D.I.B.).

Leider wird auch für Hausgärten im Handel immer noch die Unkrautbeseitigung mit „Roundup“ als besonders erfolgreich empfohlen. „Wir hoffen, dass Baumärkte und Gartencenter wie bereits im Frühjahr angekündigt, spätestens ab 01.01.2016 neben neonicotinoidhaltigen Pflanzenschutz-mitteln auch „Roundup“ aus ihrem Angebot nehmen“, so Maske. In den Niederlanden und Frankreich werden glyphosathaltige Unkrautvertilgungsmittel in Supermärkten nun verboten. Für die Landwirtschaft sind weitgehende Verbote ebenso geboten – zum Schutz von Biene, Mensch und Natur. Jeder kann also durch den Verzicht auf Glyphosat & Co. im heimischen Garten, sowie durch geeignete Bepflanzung zum Erhalt des Lebensraums von Bienen beitragen.

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