Ikea-Bett: Was Boris Johnsons Brexit-Pläne bedeuten

Im Oktober diesen Jahres werden wir wissen, ob Boris Johnson britischer Premierminister ist und es wird dann auch hoffentlich klar, wie der Brexit ausgeht. Aber Johnsons ‘No deal’-Ansatz bzw. der Traum von einem Freihandelsabkommen mit der EU wurde von der Financial Times gerade genüsslich an einem Beispiel des Kaufs eines Ikea-Betts zerpflückt.


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Der Beitrag ist leider in Englisch, daher ziehe ich die wichtigsten Aussagen heraus. Hintergrund ist, dass ein Freihandelsabkommen zwischen EU und Großbritannien gibt, von dem Boris Johnson träumt. Wie wirkt sich das praktisch aus, wenn die Grenze zu Nordirland offen bleibt. Das Beispiel: Ein Bett von Ikea und die Reise Johnsons nach Belfast in Nordirland in dieser Woche. 

Von Bettenpreisen und Brexit-Träumen

Die Financial Times rechnet vor, dass Johnson ein Ikea-Bett ‘Malmö’ in Belfast aktuell ganze 315 englische Pfund kosten wird (laut Umrechnungskurs wird das Bett also ca. 350 Euro kosten). Fährt er über die Grenze, in Irlands Hauptstadt Dublin, kann er das Bett für genau diese 350 Euro kaufen.

Euro-Noten
(Quelle: Pexels CC0 Lizenz)

In Belfast, wo HM Revenue & Customs 20 Prozent Mehrwertsteuer berechnet, fallen 52,50 Pfund an. In einem der beiden Ikea-Geschäfte in der Nähe der irischen Hauptstadt berechnet Irland Steuern (23 % Mehrwertsteuern) und Zölle in Höhe von 65,45 Euro.

Nach dem Brexit könnten Personen aus Nordirland nach Dublin fahren und dort das Bett kaufen (die Grenzen sollen ja offen bleiben). Da sie dann aber außereuropäisches Ausland sind, hätten sie Anrecht auf mehrwertsteuerfreien Einkauf. Sie müssten lediglich nachweisen, dass sie in Nordirland wohnen und die gekaufte Ware außerhalb der EU verbracht wird. Im aktuellen Fall bekämen sie 20% des Kaufpreises (70 Euro) als Mehrwertsteuer-Erstattung zurück. Eine Reise von etwas mehr als 100 km und etwas Bürokratie, das war es, schon viel gespart. Die Briten wollen die eingeführten Waren von Privatleuten für den eigenen Gebrauch nicht besteuern.

Alles legal, spart richtig Geld. Nur die Händler in Nordirland sollten bei diesem Szenario anfangen, sich Sorgen zu machen. Denn das funktioniert nicht nur mit einem Ikea-Bett, sondern faktisch mit allen Waren aus Irland. So etwas gab es bereits in den 1990s und 2000er Jahren, als CDs mehrwertsteuerfrei von den Kanalinseln importiert werden konnten. Hat die Händler in Großbritannien ziemlich gebeutelt.

Die irische Regierung könnte, abweichend von den EU-Zoll-Regeln, beschließen, einfach auf die Mehrwertsteuer zu verzichten. Das würde einen Warenstrom gegen Norden provozieren – wobei man sich sagen könnte, dass die Einnahmeverluste gering blieben. Oder man setzt Zoll-Kontrollen an der nordirischen Grenze in Kraft, um Mehrwertsteuer zu erheben. Das verstößt aber gegen das Karfreitagsabkommen mit offenen Grenzen, welches Nordirland befriedet hat. Denkbar wäre natürlich auch, dass Kontrollen hinter der Grenze, um die Warenflüsse zu kontrollieren. Alles keine wirklichen Optionen, wenn die Grenzen nach Nordirland offen bleiben sollen – und der kommerzielle Warenverkehr ‘elektronisch’ erfasst werden muss (Privatkäufe sind dann außen vor).


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Das fiktive Beispiel zeigt, dass die Ideen der Briten für Nordirland im Hinblick auf die offene Grenze praktisch nicht funktionieren. Die Ideen von Boris Johnson sind schlicht Humbug. Genau diese Knackpunkte waren es aber, die die Verhandlungen nach 2016 so schwierig machten und die EU einen Backstopp in den Vertrag einführten. Die Briten haben alles immer vom Tisch gewischt, werden jetzt aber von der Wirklichkeit eingeholt. Mal schauen, wie der Brexit ausgeht.


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