Italien, Orecchiette und der Zoff um die Nudel

Es ist ein skurriler Streit, der sich um den Verkauf ‘in Heimarbeit’ hergestellter Pasta (die Orecchiette) in der italienischen Stadt Bari abspielt. Für den Hausgebrauch ok, aber im Verkauf unmöglich. Jetzt kommen die auf die grandiose Idee, eine Gesetzesänderung müsse her.


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Orecchiette, die Öhrchen-Nudeln

Orecchiette, die Öhrchen-Nudeln, ist eine Spezialität die aus Apulien in Italien stammt. Man nennt sie daher auch Orecchiette pugliesi, weiß die Wikipedia. Sie sind das Symbol der Stadt Bari, werden jedoch in allen Teilen Apuliens verzehrt und sind quasi ein Nationalgericht. Hergestellt wird diese Pasta-Variante von den sogenannten ‘Nudelfrauen’ in der Altstadt von Bari. Diese stellen ihre Tische auf die Straßen und fertigen die Nudeln in Handarbeit. Der Artikel hier und dieser Beitrag beschreiben das. Und nachfolgendes YouTube-Video zeigt Impressionen aus der ‘Pasta-Herstellung’.

(Quelle: YouTube)

Soweit so gut – ein wenig Italien-Sehnsucht schwingt in obigen Artikeln mit. Einheimische kaufen dann die Orecchiette in kleinen Plastiktütchen von den Nudelfrauen, um diese zu kochen und zu essen.

Il problema: Unetikettierte Nudeltüte in Restaurant-Küche

Jetzt gibt es aber ‘Il problema’, denn Geschäftsinhaber sind auf die Idee gekommen, die quasi in Heimarbeit gefertigten Orecchiette in ihren Läden zu verkaufen. Und Lokale kaufen die Nudeln auch, um diese ihren Gästen vorzusetzen. Wo die Nudeln herkommen, ob da mit Chemikalien versetzter Hartweizengrieß verarbeitet wurde, ob die Nudel vom Boden aufgekehrt wurde oder die Herstellerin gerade an Grippe litt – interessiert die Italiener herzlich wenig – da kann sich nur ein ‘Erbsenzähler nördlich der Alpen’ sich einen Kopf drüber zerbrechen. Und so kam es, wie es kommen musste. Verbot, Vernichtung, Strafe und ein Sturm der Entrüstung. Die italienische La Republica berichtet bereits im November 2019 über den ‘Krieg der Orecchiette’.

Der Sachverhalt: In einem Lokal war ein Tütchen dieser Nudeln ‘wegen unklarer Herkunft bzw. Rückverfolgbarkeit des Nahrungsmittels’ beschlagnahmt worden. Zum Thema wurde das Ganze, als Beamte der lokalen Ordnungs-/Finanzpolizei ein Lokal darauf hin kontrollieren wollten, ob die Tische vor dem Lokal auch nur die genehmigte Fläche einnahmen. Als sie einen Blick in die Küche warfen, fanden sie eine 3-Kilo-Tüte mit den handgemachten Orecchiette. Es folgten Beschlagnahme, da die Ware nicht etikettiert war, und wohl eine Geldstrafe sowie ein Verbot, diese Nudeln anzubieten. Die 3 Kilo wurden vernichtet.

Nudelkrieg, macht mir neue Gesetze

Ein nach EU-Recht sinnvolle Sache, denn Kunden sollten nur Nahrungsmittel, bei denen Herstellung und in der Lieferkette kontrollierbar sind, erreichen. Trotz Lebensmittelskandalen birgt das wenigstens einen gewissen Schutz. Das rief aber die Pasta-Herstellerinnen auf die Barikaden – und selbst die New York Times berichtete, wie La Republica schreibt. Der neueste Artikel von Januar 2020 ist hier abrufbar – eine der Herstellerinnen ist mit ihrem Video im Internet viral gegangen. Der Bürgermeister und die Politik in Rom soll es nun richten – ein eigenes Gesetz zum Schutz der ‘selbstgemachten Orecchiette im Verkauf’ soll es richten. Spiegel Online hat hier einen deutschsprachigen Artikel zum ‘Nudelkrieg’ veröffentlicht. Oh Italien, deine Probleme müssten wir haben.


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