Neues von Exoplanet: Proxima b und WASP-76b

Die Astronomie hält mal wieder interessante Nachrichten für Leute, die sich für Exoplaneten interessieren, bereit. Der Planet Proxima b des benachbarten Sonnensystems Proxima Centauri ist wohl doch lebensfreundlich. Und mit WASP-76b wurde ein Exoplanet entdeckt, auf dem es Eisen regnet.


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Ist Proxima b lebensfreundlich?

Die nächste Sonne außerhalb unseres Sonnensystems ist Proxima Centauri und ist nur 4,24 Lichtjahre entfernt. Im August 2016 wurde ein erdähnlicher Planet in der sogenannten habitablen Zone gefunden – ich hatte darüber im Artikel Die zweite Erde in unserer Nachbarschaft? berichtet.

Proxima b
(ESO/ M. KornmesserESO/ M. Kornmesser – künstlerische Darstellung des Planeten)

Von Wissenschaftlern wurde vermutet, dass der Planet sogar einen Ozean beherbergen könnte (siehe Ozean auf Proxima Centauri b?). Die Sonne ist aber recht aktiv, so dass die Strahlenausbbrüche dessen Planeten ‘grillen’ (siehe Proxima Centauri: Strahlungsausbrüche grillen Planeten). Jetzt gibt es eine neue Studie, die dem Planeten ‘lebensfreundliche Bedingungen’ zuschreibt. Bei Interesse lassen sich einige Informationen zur Studie in diesem deutschsprachigen Artikel nachlesen.

WASP-76b: Exo-Planet, auf dem es Eisen regnet

WASP-76b ist ein Exo-Planet, der 2013 entdeckt wurde und der um eine 640 Lichtjahre entfernte Sonne im Sternbild der Fische kreist. Der etwa jupitergroße Gasriese umkreist seine Sonne alle 1,8 Tage und befindet sich in gebundener Rotation, d.h. eine Seite ist immer der Sonne zugeordnet (ähnlich wie der Mond, dessen Rückseite wir von der Erde auch nicht sehen können).

Der Exo-Planet weist auf seiner Tagseite Temperaturen von über 2400 Grad Celsius auf, wie die Forscher mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO herausgefunden haben. Das ist heiß genug, um Metalle zu verdampfen. Starke Winde tragen den Eisendampf zur kühleren Nachtseite. Dort herrschen Temperaturen von ‘nur’ 1.400 Grad Celsius, so dass der Eisendampf dort zu Eisentröpfchen kondensieren kann und abregnet. Die ESO hat eine entsprechende Pressemitteilung mit Details herausgegeben. 

Man könnte sagen, dass es auf diesem Planeten abends regnersich wird, nur dass es Eisen regnet“, sagt David Ehrenreich, Professor an der Universität Genf in der Schweiz. Er leitete eine Studie über diesen ungewöhnlichen Exoplaneten, die heute in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurde. In diesem Video erfährt man einiges über die Erforschung dieser Exo-Planeten – und dieses Video zeigt die Umlaufbahn von WASP-76b um dessen Heimatsonne.

Ansicht der Nachtseite des Exoplaneten WASP-76b
(Ansicht der Nachtseite des Exoplaneten WASP-76b, Quelle: ESO/M. Kornmesser)


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WASP-76b hat nicht nur unterschiedliche Tag-Nacht-Temperaturen, sondern auch eine ausgeprägte Tag-Nacht-Chemie, so die neue Studie. Mit dem neuen Instrument ESPRESSO am VLT der ESO in der chilenischen Atacama-Wüste identifizierten die Astronomen erstmals chemische Veränderungen auf einem extrem heißen Gasriesen-Planeten. Sie entdeckten eine starke Signatur von Eisendampf in der Abendzone, die die Tag- von der Nachtseite des Planeten trennt. „Überraschenderweise sehen wir den Eisendampf jedoch nicht am Morgen“, sagt Ehrenreich. Der Grund dafür sei, so Ehrenreich, dass „es auf der Nachtseite dieses extremen Exoplaneten Eisen regnet“.

Die Beobachtungen zeigen, dass in der Atmosphäre der heißen Tagseite von WASP-76b Eisendampf im Überfluss vorhanden ist“, fügt María Rosa Zapatero Osorio, Astrophysikerin am Zentrum für Astrobiologie in Madrid, Spanien, und Vorsitzende des ESPRESSO-Wissenschaftsteams, hinzu. „Ein Bruchteil dieses Eisens wird aufgrund der Rotation des Planeten und der atmosphärischen Winde in die Nachtseite eingetragen. Dort trifft das Eisen auf viel kühlere Umgebungen, kondensiert und regnet herunter.
Dieses Ergebnis wurde aus den allerersten wissenschaftlichen Beobachtungen gewonnen, die das wissenschaftliche Konsortium, das das Instrument gebaut hat, im September 2018 mit ESPRESSO durchgeführt hat: ein Team aus Portugal, Italien, der Schweiz, Spanien und der ESO. Weitere Berichte in deutscher Sprache finden sich hier und hier.

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