Karneval und Ischgl: Brutstätten des Coronavirus

GesundheitSo langsam wird klar, wie blauäugig man in Deutschland und Österreich auf die Gefahren des Coronavirus reagierte. Der Karneval in Deutschland und der Ski-Tourismus im Tiroler Wintersportort Ischgl sind wohl Verbreitungsstätten des Virus in Europa.


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Ist eine schwierige Kiste, mit dem nachher ‘ich habe es gewusst’-Argument. Aber mir gingen schon einige Gedanken durch den Kopf, als erste massive Warnungen vor Coronainfektionen bekannt wurden (die Rückholung aus China lag ja schon einige Zeit zurück) und in Italien ganze Städte abgeriegelt wurden. Und in Deutschland hat man Karneval gefeiert. In Heinsberg scheinen die Infektionen auf Karnevalssitzungen zurückzugehen und es gibt von dort Infektionsketten in andere Bundesländern. Aber noch kritischer: Die Leute sind weiter nach in Skiurlaub gefahren, und das nach den massiven Fällen von Coronavirus-Infektionen in Nord-Italien. Und sie durften unbehelligt zurück, ohne in Quarantäne gesteckt zu werden. Das rächte sich.

Ischgl als Brutstätte für viele Infektionen

Inzwischen ist klar: In Deutschland gibt es sehr viele Fälle von Covid-19-Infektionen, die in Ischgl ihren Ursprung haben. Die Welt hat das Ganze hier aufbereitet und titelt ‘Gier hat gesiegt’. In Hamburg gibt es wohl 80 nachgewiesene Fälle, in Aalen sogar 200. Wenn meine Informationen stimmen, war Ischgl bereits gesperrt, aber die Leute durften dort noch Ski fahren.

Island hat sofort reagiert, nachdem die dortigen Behörden am 29. Februar 2020 bei einem Flug der Icelandair aus München eine Reisegruppe mit Coronavirus-Infizierten aufspürten. Ischgl wurde bereits am 5. März 2020 zum Hochrisiko-Gebiet (wie Wuhan in China) erklärt. Damit mussten Rückkehrer aus Ischgl in Quarantäne.

In Deutschland passierte nichts dergleichen. Und in Österreich scheint man (aus wirtschaftlichen Grünen?) sogar abgewiegelt zu haben. Die Reisegruppe aus Island habe sich im Flieger angesteckt, schreibt die Welt, unter Bezugnahme auf Aussagen von Tirols Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber, in ihrem Artikel. Damit nahm die Infektionswelle ihren Lauf. Ich hatte bereits am 13. März 2020 den nachfolgenden Tweet teilt, Ischgl aber fälschlich in Südtirol (und nicht in Tirol) verortet. 

Also drehte sich die Diskussion um die Lage des Orts und eher nicht um den ursprünglichen Sachverhalt. Und auf Twitter ist mir ein Post der Art ‘die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben’ unter die Augen gekommen. Dabei war die Sache bereits todernst – ich habe es aber auch nicht erfasst (bin ja auch kein Verantwortlicher in diesem Bereich).

Inzwischen sind in Norwegen fast 500 Corona-Fälle mit Ursprung in Ischgl bekannt. In Dänemark sind es die Hälfte der Infizierten, die sich im Skiurlaub dort angesteckt haben. Auch in Großbritannien und Deutschland wird klar: Die Leute haben sich im Paznauntal infiziert. Deutschland hat aber erst am 13. März 2020 reagiert – eine Ewigkeit bei einer Virus-Pandemie.

Das schreibt der Standard


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Es ist als Deutscher jetzt schwierig, auf Österreich zu zeigen. Daher verlinke ich an dieser Stelle auf den Artikel Hotspot Ischgl: Gier und Versagen in Tirol des österreichischen Standard, der die Sachverhalte beim Namen nennt. Tiroler Notärzte warnten seit Tagen, hat die Verantwortlichen nicht interessiert, da man die ‘starke Touristenwoche’ noch mitnehmen wollte. Es ist sicherlich keine leichte Entscheidung, zugegeben. Aber so, wie es gelaufen ist, offenbart sich eine Kette von Gier, Nachlässigkeiten und Versagen der Verantwortlichen – nicht nur in Österreich, sondern EU-weit.

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2 Antworten zu Karneval und Ischgl: Brutstätten des Coronavirus

  1. Andreas B. SH sagt:

    Aprės-Ski am Alpen-Ballermann!
    Das Rumgeeiere, bis endlich der Fußball-Zirkus stillgelegt wurde usw. ist Politikversagen auf ganzer Linie. (Das sind die, die davon reden, sie wollten gerne “Verantwortung übernehmen”, wo’s ihnen um ein schickes Amt geht.) – Ich war als Kind während der Flutkatastrophe in Hamburg. Schmidt hatte die Statur für das, was wirklich Verantwortung heißt: Das ziehen wir jetzt durch und ich stehe dafür persönlich grade.
    Jetzt mussten die Experten bei denen erst mühselige Fürstenerziehung betreiben, oder weniger euphemistisch gesagt: deren Panzer von Ignoranz und Feigheit durchbrechen, während sie selbst dabei auf glühenden Kohlen saßen: bis dat qui cito dat!!! (med. geläufig für: “sofort handeln!”)
    Wenn ich mir anschaue, mit was für Gebabbel wir per Infotainment zugemüllt werden, … dass sich da die Anja Kohl, Plasberg und tutti quanti ausmären, dann wird mir schlecht.

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