Der Ritter der Heckenschere: Der Lavendel-Schnitt

Heute mal wieder eine Geschichte aus dem Leben. So in ganzer Kürze: Mann wollte Frau überraschen und hat den Lavendelstrauch beschnitten. Die Überraschung ist aber misslungen. Die Erkenntnis: Mann versteht Frau nicht.


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Das ist alles natürlich nur eine fiktive Geschichte, bei der Orte und handelnde Personen frei erfunden sind – Übereinstimmungen sind unbeabsichtigt und rein zufälliger Natur. Falls jemand meint, in der Geschichte autobiographisches des Autors oder gar sich selbst zu erkennen, dann kann ich das auch nicht ändern.

Die Ingredienzien für Missverständnisse

In diesem Fall ist der Plot für die Geschichte schnell beschrieben. Ein Vorgarten mit Treppenaufgängen zum Hauseingang, wo zwei Lavendelbüsche wachsen. Ein relativ kompakt, am Treppenaufgang wachsender Lavendelstrauch fiel 2017 der Umgestaltung des Vorgartens zum Opfer. Als der Gärtner fertig hatte, war der alte Lavendelstrauch irgendwie unter die Räder gekommen. Stattdessen waren zwei neue Lavendel-Pflanzen eingebuddelt worden. Hatte der ursprüngliche Lavendel eine halbwegs zivile Wuchshöhe von ca. 30 cm, zeichnen sich die neuen Lavendelbüsche durch Gigantismus aus – die Blütenstängel werden bis zu einem Meter hoch.

Blühender Laveldelbusch

Hat natürlich die unangenehme Eigenschaft, dass die Blütenstängel, speziell bei Regen, auf den Weg bzw. den Aufgang zum Haus hineinragen. Die Hälfte der Treppe oder des Weges ist durch nasse Stängel blockiert. Gefiel dem Hausherrn nicht – am liebsten hätte er die Stängel sofort ‚rasiert‘, um den Weg frei zu machen. Da Mann die bessere Hälfe ja nicht bewusst ärgern will, wurde der Impuls tapfer unterdrückt.

Und das Unheil nimmt seinen Lauf …

Und eines Tages ereignete sich ein denkwürdiges Gespräch – eigentlich kein richtiges Gespräch, sondern nur eine flüchtig hingeworfene Bemerkung – wie der Hauch eines Luftzugs. Gut vernehmbar, aber sofort wieder weg. Die Bemerkung von der Dame des Hauses lautetet ‚Der Lavendel ist jetzt so gut wie verblüht, den kannst Du dann bei Gelegenheit schneiden‘. War schon der erste Fehler. Nun gut, dachte Mann sich, Unangenehmes lässt sich verdrängen, Samstag ist auch noch ein Tag für neue Ausreden …

… in der Woche trug es sich dann zu, dass Mann Frau zu einem Abend-Spaziergang durch Feld, Wald und Flur überredete. Genialer Abend, kann nur gut enden, und Mann nahm sich vor ’sofort ein besserer Mensch zu werden‘. Kurz vor Grundstücksgrenze bahnte sich dann das Malheur an – ganz heimlich, schleichend auf leisen Sohlen und unbemerkt. Denn die Nachbarin kam des Weges daher – bewaffnet mit zwei Nordic Walking-Stöcken, um so 10 bis 15 Minuten Extremsport in Feld, Wald und Wiesen zu betreiben. Nach dem Hallo verfielen die Damen in einen intensiven Plausch über Kind, Küche und Kegel. War Fehler Nummer zwei. Denn Mann beschloss, schon mal die letzten Meter alleine nach Hause zu gehen. Schaffen wird das? Yo, sind ja nur 50 Meter, wir schaffen das …

Und wenn Mann so gänzlich ohne Aufsicht ist, kommt der auf die unmöglichsten Ideen. Als Mann so die Treppe zum Haus hoch stiefelte, kam er an den weit ausladenden Stängeln des Lavendels vorbei. ‚Du Miststück, hast mich lange genug geärgert‘, flüsterte die böse innere Stimme, und eine weitere Stimme raunte so ‚Du wolltest doch ein besserer Mensch werden‘. Flugs brach sich da der Gedanke: ‚Och, lass uns Frauchen überraschen, der Lavendelbusch ist doch fix beschnitten …‘ Bahn.


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Schnell ins Haus gerannt, in den Keller gestürmt, die Heckenschere gegriffen, durch das Garagentor in den Vorgarten gehetzt und Ritsch, Ratsch fielen die Lavendelblüten danieder. Alles sollte ja ‚in the hurry‘ erledigt sein, galt ja Frauchen zu überraschen … War ein Gemetzel wie 1848 im Kartoffelkrieg … und schon war das letzte Hälmchen danieder gestreckt. Mann, hast Du das gut hingekriegt, schon fertig, noch schnell den Lavendelschnitt in die Biotonne und Feierabend …

… ein Schrei ‚Was hast Du denn nur wieder gemacht, der schöne Lavendel‘ – wankte Frau, ermattet vom Schwätzchen mit der Nachbarin, fassungslos den Treppenaufgang hoch. Kann man nur mit Logik kontern ‚Du hattest doch gesagt, der Lavendel muss geschnitten werden … habe ich mal schnell gemacht‘. ‚Nix kann er, beschneiden ja, aber doch nicht so … kuckt er 1.000 Gartensendungen und weiß doch nix‘, sprach’s und stürmte wutentbrannt ins Haus …

Mann versteht Frau einfach nicht

Das ist die schlichte Erkenntnis dieser fiktiven Geschichte. Da sollte jemand überrascht werden und ist ins Leid gefallen. Es hieß doch ganz klar, der Lavendel muss beschnitten werden. Mann denkt dabei an so etwas …

Gestutzte Hecke
(Gestutzte Hecke)

Gut, die Hecke aus obigem Foto ist jetzt nicht von mir beschnitten worden – sondern steht in der entfernteren Nachbarschaft. Wurde jahrelang nicht ordentlich beschnitten und benötigte eine Radikalkur. Kommentar meiner Frau, als wir dort an der Hecke vorbei kamen ‚das hätte von dir sein können‘. Ich habe zwar im Beitrag Sommer 2020: Oleander in voller Blüte die Geschichte von der gestutzten Eibenhecke erzählt. Aber so radikal sah meine Eibenhecke nach dem Stutzen dann doch nicht aus.

Gestutzter Lavendelbusch
Gestutzter Lavendelbusch

Und der beschnittene Lavendelbusch kommt doch richtig gut, wie man auf obigem Foto erkennen kann. Sieht irgendwie richtig professionell aus, nix ins Totholz geschnitten, wo nichts mehr austreibt. Frau meinte ‚den gräbst Du aber aus, wenn er nächstes Jahr kaputt ist‘. Ich bin mir aber sicher, nächstes Jahr ärgere ich mich wieder über die weit ausladenden Zweige des Lavendels.

Noch eine Übersetzung für Männers, was die Mädels vielleicht meinen könnten, wenn es heißt ‚müsste mal wieder beschnitten werden …‘. In meiner weiteren Nachbarschaft gibt es eine Dame, die, wenn Heckenschnitt für das gut 20 Meter lange Drum angesagt ist, mit der Nagelschere zu Werke geht. Und was Frau des Hauses mit ‚der Lavendel kann beschnitten werden‘ im Kopf hatte, lässt sich in folgendem Foto erkennen.

Gestutzter Lavendelbusch II
Gestutzter Lavendelbusch II

Also, wenn man genau hin schaut, erkennt man im Vordergrund so zwei drei Hälmchen, wo die Blütenstände abgeknipst wurden … Weibliche Argumentation: Dann kann die Pflanze noch ein Weilchen blühen. Nun ja, Mann versteht die Frau einfach nicht, quod erat demonstrandum, da beißt die Maus kein Faden ab.

Und so gibt es auf der Liste ‚Dafür ist Mann nicht zu gebrauchen‘ (die von ‚Auto sauber putzen‘, über ‚Rasen ordentlich mähen‘ bis hin zu ‚Zwiebeln ernten‘ reicht) einen neuen Punkt, der da lautet ‚Lavendel-Schnitt‘. Aber es gibt ja noch die zweite Liste, die da lautet ‚Mann dafür einteilen‘, wo so Tätigkeiten wie … Mist, die Liste ist ja leer. Hatte mal ‚Als schlechtes Beispiel dienen‘ auf dem Zettel eingetragen. Aber zum Glück ist mir dann noch ‚Garten umgraben‘ eingefallen – sieht einfach besser aus, wenn da gleich mehrere Punkte auf der Liste stehen.

Postscriptum: Für die Scheidungsanwälte, die jetzt fette Kohle wittern … zwecklos. Am Folgetag, nach dem Lavendelschnitt, beschloss Mann die Wocheneinkäufe aus dem Kofferraum des Autos in die Küche zu tragen – der innige Wunsch, ein besserer Mensch zu werden … und vielleicht für den Unruhestand zu üben, war ja noch da. Und ganz unten, unter den zahlreichen Einkäufen, lag eine Flasche Pastis – wer die Geschichte Sommer, Sonne, Boule-Kugeln und ein Pastis … kennt, weiß, dass der Zorn vom Lavendelschnitt dann doch schnell verraucht war – oder es war die weibliche Erkenntnis ‚Mann versteht Frau einfach nicht‘.

Beenden möchte ich die Geschichte mit einem gesprungenen Witz, der mit der Frage beginnt: Wann beginnt für die Frauen der größte Stress? Die Antwort: Kurz bevor und nachdem der Mann in den Ruhestand geht. Victor von Bülow, alias Loriot, hat dies in Papa ante portas auf die Spitze getrieben. Kleine Kostprobe von Herrn Lohse beim Einkauf gibt es hier.

Anmerkung: Dass der Blog-Beitrag nur eine fiktive Geschichte ist, merkt man am Umstand, dass der Autor seit 27 Jahren als Freiberufler von Zuhause arbeitet. Damit kann die ‚heinrichfreie Zeit für die Ehefrau‘ aus Papa ante portas hier einfach nicht zutreffen – Missverständnisse nicht ausgeschlossen. In diesem Sinne, macht das Beste aus dieser Geschichte, ich lese jetzt meinen Cervantes weiter.

Ich muss Abbitte leisten …

Sack und Asche auf mein Haupt – das obige Foto des ‚beschnittenen Lavendels‘ war ‚das Unvollendete‘. Eine Woche später meinte mein Mädel ‚ich habe jetzt den Lavendel fertig beschnitten‘.

Gestutzter Lavendelbusch III

Sieht doch richtig gut aus – so im Vergleich mit dem von mir gestutzten Teil aus folgendem Foto.

Gestutzter Lavendelbusch IV

Frau ist rehabilitiert – aber Mann versteht Frau immer noch nicht …

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3 Antworten zu Der Ritter der Heckenschere: Der Lavendel-Schnitt

  1. Blupp sagt:

    Die Natur verzeiht durchaus mal die Heckenschere und findet einen Weg zur Entfaltung. Die Heckenschere mit Bedacht angesetzt tut der Natur durchaus auch gut, führt z.B. zu besserem Wachstum.

    Nicht schlecht wenn diese Heckenschere auf die Technik übertragbar wäre.
    Ein Herausschneiden von Tracking, schlechter Werbung und anderem Zeugs könnte den Boden für eine faire Wirtschaft bereiten. Natürlich müsste man den Boden auf dem solch Ungemach wächst auch mal mit einer Verjüngungskur bedenken.

  2. Mance sagt:

    Wia d’s mach’sch, d‘ mach’sch’s vekehrt ;-)

  3. Remo sagt:

    Danke für den (fiktiven) Bericht. Ich habe beim Lesen Tränen gelacht.
    Ähnliches ist mir auch widerfahren. Zwar nicht mit der Heckenschere, sondern mit der Rasentrimmer Waffe.
    Nach dem „das Gras sollte mal wieder geschnitten werden“ gings mit vollem Eifer über das Grundstück gebügelt .. und schwups, war der Lavendel weg. Ich habe es erst bemerkt, als ein Aufschrei über das Grundstück hallte ;-)
    Die falschen Fragen waren „Oh, da war ein Lavendel ? Wie kam der denn dahin ?“

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