Sommer, Sonne: Mann braucht Grill …

KugelgrillDer Sommer 2020 geht zwar langsam zu Ende – und damit auch die Grillsaison – obwohl es noch einige Wochen Grillwetter geben kann. Heutige ‚Grillmeister‘ haben zwar meist einen Gasgrill auf der Terrasse stehen. Aber wir Älteren sind noch mit dem klassischen Holzkohlegrill unterwegs. Zeit für eine kleine Geschichte rund um das Thema ‚Mann braucht Grill‘. Denn als ich mich kürzlich mit Ulli per Internet über das Grillen am Wochenende austauschte, kam das Foto eines Kugelgrills – und irgendwann die Information ‚gibt es im Baumarkt für ein paar Euro‘. Da fiel mir ein, wie ich vor 20 Jahren zu meinem Kugelgrill kam …


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Hier bin ich Grill, hier darf ich sein

Ich hatte mich bereits im Juli 2020 drüben im IT-Blog über das Thema Grilltuning ausgelassen. Dort wurde auch ruchbar, dass ich zwar kein Hardcore-Griller bin, also Nachts bleibt der Grill aus und ins Bett oder in die Badewanne kommt das Utensil auch nicht mit. Aber ich erinnere mich, dass ich schon mal mit Gummistiefeln unter einem Sonnenschirm bei strömendem Regen den Grill bedient habe.

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war ich für meinen damaligen Arbeitgeber in Normungsgremien unterwegs. Damals gab es auch die Idee eines Gemeinschaftsprojekts in der EU, welches über das EUREKA-Programm gefördert werden konnte. Als ich Anfang März, im Rahmen der Projektvorbereitungen im Auftrag meines Arbeitgebers, nach Aix en Provence reiste, herrschten dort Frühlingstemperaturen. Da erzählte mir ein französischer Kollege, der am Projekt beteiligt war, dass er mit seiner Familie am Wochenende ein Barbecue veranstaltete habe.

Er hatte wohl gegrillt und meinte, mir, dem Bosch aus dem kalten Deutschland, die Nase lang machen zu können. Ich habe nur gegrinst und gemeint: Du, ich habe letzten Sonntag auch gegrillt. Nix Lammfellstiefel, Bärenfell und Mütze mit Ohrenklappen – wir hatten an diesem Wochenende zufällig frühlingshafte Temperaturen im Februar. Also Holzkohlegrill rausgeschleppt, und die Grillsaison eröffnet. Denn Grillgut gab es immer im Gefrierschrank oder beim nächsten Metzger, und mein erster Blick am Samstagmorgen galt immer dem Himmel und der Frage: Wie wird das Wetter?

Allerdings war es damals so eine Sache mit dem Grillen. Wir hatten einen Blechgrill mit dünnen Füßen für 5 Mark von einem Discounter gekauft, der so wackelig war, dass die Würste schon beim Zuschauen herunter fielen. Und das Blech war auch schnell durchgerostet. Dann gab es noch einen Gussgrill, den ich mir gekauft hatte (Junge, Du brauchst anständiges Handwerkszeug …). Problem war dort, dass die Holzkohle auf dem kalten Gußeisen lag und sich nur schwer anzünden ließ. Ich habe damals in der Regel Grill-Brikett der Firma Degussa gekauft. Die brannten schnell und zuverlässig mit einem Grillanzünder an. Es gab damals geniale Grill-Erlebnisse mit der Hausgemeinschaft der Anlage, wo ich seinerzeit wohnte.

Die Grills der Amerikaner …

Aber als Kind der Eifel, aufgewachsen direkt in der Nähe des US-Fliegerhorsts Spang-Dahlem, kannte ich nicht nur die diversen Militärflugzeuge. Sondern ich hatte bei den amerikanischen Piloten, die sich bei meinen Eltern in einer Wohnung eingemietet hatten, auch so große rote Kugelgrills gesehen. Die Amerikaner hatten ausschließlich diese roten Kugelgrills, die komischerweise den echt deutschen Familiennamen Weber trugen. Und mir schoss die Frage ‚wieso kommen die Amis auf die Idee, ihren Grill nach der Familie vom Nachbarhof zu benennen‘ durch den Kopf. Ich bin dieser Frage aber nicht wirklich nachgegangen, sondern fand es viel spannender, wie die Amerikaner ihre Hamburger mit Grill und allerlei Zutaten fabrizierten. Und gerochen hat es seinerzeit immer so genial. Die haben Hickory-Holz über die Glut gestreut – und später haben mir Amerikaner auch schon mal eine solche Tüte mit Hickory-Holz-Spänen geschenkt, wenn ich wieder bei den Eltern zu Besuch war. Hamburger gab es bei uns zuhause in der Kindheit zwar auch, aber Mutter briet die Buletten in der Pfanne. Irgend etwas aus diesen Zeiten musste tief im Gedächtnis hängen geblieben sein.

Grill war für mich als Landwirt-Sohn damals ‚out of order‘. Erst später, als ich schon außer Haus war, hatten Vater und Schwager jeweils große Schwenkgrills. Da ging man vor dem Grillen noch in den nahen Wald, schlug ein paar Bäume und ließ die Stämme im Feuer ankohlen. Quatsch, jetzt habe ich geflunkert – Vater und Schwager hatten immer einen Vorrat an getrockneten Buchenscheiten aus den eigenen Wäldern für die Holzheizungen, die dann angebrannt wurden. Wenn dann ein altes abgeschnittenes Ölfass, welches als Feuerschale diente, mit glimmender Holzkohle gefüllt war, kam der Dreifuß mit dem Schwenkgrill drüber. Da konnten Steaks, Würste oder was auch immer dann über der Glut pendeln und grillen … hatte auch was geniales an sich. Aber in der Stadt fehlt dir der Platz und die Infrastruktur für so etwas …

Rot, mit Rundungen und echt verlockend …

Und nun kommt ein Zeitsprung ins Jahr 2000. Nun war ich schon mit echt ätzenden Grills groß und 45 Jahre alt geworden, ohne mir echte Gedanken über das Arbeitsmittel des Grillmeisters gemacht zu haben. Und ein Schwenkgrill war mir einfach zu groß – obwohl sich die Handwerker beim vorherigen Arbeitgeber, einer großen Chemiefirma, ihre Schwenkgrills aus Edelstahl zu Hauf gebaut hatten. ‚Schau auf Nachbars Grill und Du weißt, wo er arbeitet‘, war ein geflügelter Begriff. Aber das mit dem Grill sollte sich plötzlich und unverhofft ändern …


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Oktober 1999 hatten wir unser neues Doppelhäuschen bezogen – und viel mehr Geld als geplant versenkt. ‚Geht noch‘, rechnete mir mein ‚Finanzvorstand‘ immer vor – aber so irgendwelche ‚unnützen Ausgaben‘ für Fun-Objekte, die wollte ich mir dann doch verkneifen. Im Frühjahr 2000 fuhren wir dann zu einem Baumarkt im Nachbarort, um noch irgendwelche Sachen für unser Haus zu besorgen.

Vor dem Baumarkt stand ein Verkäufer mit einer ganzen Palette Kugelgrills – und auf einem Plakat prangte der schöne deutsche Name Weber. Ich sah den Kugelgrill, rot, groß und verlockend, so mit seinen Rundungen. Und da war er, dieser Déjàvu-Moment – die Erinnerung an die Eifel und die grillenden Amerikaner – ich war sofort in dieses Ding verliebt.

Es gab da an diesem Tag angeblich ein Super Sonderangebot, der Grill sollte (erinnerungsmäßig) 340 Mark kosten (an Zubehör hätte man noch ein Vermögen los werden können). Und der Verkäufer sagte so: ‚Auf diesem Kugel-Grill nimmst Du eine große Bierdose, machst die leer, steckst die in ein Hähnchen und stellst das Ganze auf das Rost. Deckel drauf und Du kannst das Hähnchen grillen.‘ ‚Donnerwetter‘, meinte ich zu meiner Frau, ‚da können wir sogar Hühner drin grillen‘. Mir liegt zwar nicht so sonderlich viel an Hühnern in gegrillter Form, aber ich war schwer beeindruckt.

Allerdings sagte mir die Firma Weber immer noch nichts, die heutigen Kugelgrill-Nachbauten aus den Supermärkten gab es damals m.W. noch nicht, Weber hat alles patentmäßig vom Markt geklagt.

Weber-Kugelgrill
(Weber-Kugelgrill)

Ich hatte nur den Weber-Grill vor Augen. Aber da war der Gedanke: So viel Geld, Du kannst nur damit grillen, Du hast genug Ausgabenposten, wo Du dein Geld brauchst. Also schweren Herzes losgerissen und in den Baumarkt, das kaufen, was wir für unser Haus brauchten.

Zurück zum Auto, aber nicht am Stand mit den Weber-Grills vorbei gehen können. Verliebt auf den Grill geschaut – hach wäre das schön … losgerissen und zum Auto, das gekaufte Zeugs einräumen.

Dann hat es mich wieder zum Stand mit den Grills gezogen – und da stand ich vor dem ‚Objekt meiner Sehnsüchte‘ – unentschlossen, und sich nicht entscheiden können, zu springen  …

Da sagte meine Buchhalterin und Finanzvorstand: ‚Mensch, dein Herz hängt an dem Grill und Du jammerst ja immer mit den Kohlen beim alten Grill. Kauf den Grill, das können wir uns noch leisten, gibt es halt einen Wein weniger.‘ Also habe ich blutenden Herzens die EC-Karte gezückt und den roten Weber-Grill (ohne Aschetopf – die Modelle waren nochmals 100 Mark teurer) gekauft.

Seit Jahrzehnten ein treuer Begleiter

Ich habe es nicht bereut! Der ‚Weber‘ begleitet mich seit 20 Jahren (ohne jetzt Werbung für diesen Hersteller machen zu müssen). Und der Grill ist auch gerne von Bekannten ausgeliehen worden – daher ist das Email am Deckel beschädigt. Den Lüfterflügel am Boden habe ich vor drei Jahren durch eine Edelstahlvariante ersetzt (die Aluvariante war kaputt korrodiert). Und die Beine musste ich mit Schrauben fixieren, weil die sonst immer raus fielen. Irgendwann muss ich mir wohl auch neue Holzgriffe schnitzen, weil die alten kaputt gehen – Kunststoffgriffe wurden erst vor einigen Jahren vom Hersteller eingeführt.

Die Story fiel mir erstmals ein, als ich beim Sohn einen Kugelgrill sah und meinte: Oh, viel Geld ausgegeben. Und er so: Gibt es hier im Baumarkt für 80 Euro. Und das Déjàvu-Erlebnis kam kürzlich bei einer Diskussion mit Ulli – also ist mal wieder eine total nutzlose Geschichte hier im Blog entstanden.

Es schaut so aus, als ob das Patent von Weber ausgelaufen ist und andere Hersteller jetzt Nachbauten verkaufen dürfen. Aber es sind halt keine echten Webers, wo man sich als Mann noch Holzgriffe für den Deckel schnitzt, Lüftungsflügel austauscht (war das eine Viecherei, weil Schrauben korrodiert waren und ausgebohrt werden mussten – später muckte eine Federscheibe, deren Druck das Befestigen des Hebels zum Betätigen des Flügels fast unmöglich machte – aber ich habe es hingekriegt, ich bin schließlich Ingenieur, lasst mich durch, ich kann das) und noch selbst mit einem Speer auf Büffel-Jagd geht …

‚Hör auf zu träumen, hier sind ein paar Würste und Steaks vom Hofladen unseres Bauern, kuck, dass Du die gar kriegst, wir haben Hunger‘ schallt es gerade zu mir rüber. Also, ich muss jetzt Schluss machen, Kohle ist schön durch geglimmt, wir können grillen …

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